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Wolf D. Schreiber hat von außen in die Galerie fotografiert. Diese zeitgenössische Konzeptkunst nennt sich Appropriation Art.

Wenn das Fenster zum Bilderrahmen wird

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Lollar (vh). Die Giennale ist ein Festival für Kunst und Kultur, das vom 21. bis 29. Juni bereits zum zweiten Mal seit 2017 die Stadt Gießen und ihr Umfeld zum kreativen Zentrum Mittelhessens machen möchte. An unterschiedlichen Orten gibt es Ausstellungen, Performances, Installationen, Lesungen, Konzerte, Podiumsdiskussionen und Workshops. Ausgerichtet wird die Giennale von der Gruppe Zellkultur. Marco Rasche von der Projektleitung der Giennale begrüßte im Kulturbahnhof Lollar großes Publikum zur Vernissage mit Fotos von Wolf D. Schreiber. Seine Ausstellung heißt "Draußen vor der Tür".

Der Künstler fotografiert seit zehn Jahren in verschiedenen Städten Deutschlands Kunstobjekte in Galerien und zwar durch das Schaufenster derselben - wo vorhanden. Insofern entsteht ein fotografisches Kunstwerk mit dem künstlerischen Inhalt eines Kollegen. Die Hauswand oder das Schaufenster dient als imaginärer Bildrahmen. Diese zeitgenössische Konzeptkunst heißt Appropriation Art und ist eine Gradwanderung. Der Fotograf arbeitet zwar vom öffentlichen Raum aus. Der Inhalt des Galerieraums ist jedoch durch die Privatsphäre geschützt. Freilich kann das von außen fotografierte Kunstwerk niemals lupenrein werden. Spiegelungen der Umgebung auf dem Schaufensterglas führen zu Verfremdungen und genau darin besteht der künstlerische Effekt beim Foto von außen. Es ist übrigens egal, welche Kunst innen abfotografiert wird. Es kann natürlich auch ein Foto sein. Schreiber will mit seinen besonderen Fotos auch dazu beitragen, dass man die Scheu vor einer Galerie verliert. Was er zeigt, ist nichts anderes als der flüchtige Blick des vorbei eilenden Passanten.

Bis Sonntag geöffnet

Viele Leute trauten sich in Galerien nicht hinein, so Schreiber, denn sie wüssten, das sei ein Verkaufsraum und sie wollten vielleicht gar nichts kaufen. Vielseitig wie Schreiber nun mal ist, improvisierte er für das Publikum noch eine Weile auf dem Klavier. Die Ausstellung ist noch geöffnet am heutigen Donnerstag von 14 bis 17, am Freitag von 14 bis 24 und am Samstag von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Alle Veranstaltungen der Giennale sind kostenlos.

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