Auf dem Kronauer Hof sind in diesem Jahr 500 Tiere vom Gössel zur Gans herangewachsen. Nur wenige von ihnen enden als Martinsgans. FOTOS: PM
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Auf dem Kronauer Hof sind in diesem Jahr 500 Tiere vom Gössel zur Gans herangewachsen. Nur wenige von ihnen enden als Martinsgans. FOTOS: PM

Sankt Martin auf dem Kronauer Hof

Weniger Nachfrage nach Martinsgänsen

  • vonLena Karber
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Was passiert mit den Martinsgänsen, wenn das Festessen flachfällt? Daniela Bodenbender hofft auf den Dezember: "Ich denke, dass die Leute sich Weihnachten nicht nehmen lassen."

Laternenumzüge und Gänsebraten - das sind die wohl beliebtesten Bräuche zum Sankt-Martins-Tag. Doch in diesem Jahr bleiben die Kinder zu Hause und die Restaurants geschlossen. Auch Sankt-Martins-Feiern im größeren Familien- oder Freundeskreis können nicht stattfinden. Da stellt sich eine Frage: Wer isst nun die ganzen Martinsgänse, die eigentlich morgen auf den Tisch kommen sollten?

Wenig Nachfrage für November

Daniela Bodenbender, die gemeinsam mit ihren Mann Arne eine Bio-Gänsezucht auf dem Kronauer Hof in Salzböden betreibt, merkt die Auswirkungen der Corona-Pandemie bei der Nachfrage deutlich. Ein Viertel der Tiere gehe normalerweise im November weg, erzählt sie. In diesem Jahr ist das anders: In der vergangenen Woche wurden nur 40 Tiere zum Schlachtbetrieb in der Nähe von Ehringshausen im Lahn-Dill-Kreis gebracht, in dieser Woche sollen 50 bis 60 weitere folgen. Die restlichen rund 400 Gänse dürfen indes auf den Wiesen des Kroninger Hofes weiterschnattern - zumindest vorerst. Denn Bodenbender setzt auf das nächste Fest, zu dem bei vielen Familien ein Gänsebraten auf den Tisch kommt: Weihnachten.

Voll im Trend: Bio und regional

Den Trend haben die Bodenbenders auf jeden Fall auf ihrer Seite: regional und bio ist angesagt - und der Festtagsbraten offenbar auch. "Sonst ist Gans ja immer etwas gewesen, was die Oma macht, aber wir haben den Eindruck, dass sich das auch in die jüngere Generation verschiebt und da ist es vielen wichtig, dass es Bio-Gänse sind."

Zudem arbeiten die Bodenbenders mit mehreren kleinen Läden zusammen, in denen die Nachfrage nach Weihnachtsgeflügel in den vergangenen Jahren gestiegen ist - und die zu den Gewinnern der Pandemie zählen. "Es könnte durchaus sein, dass der Absatz dort jetzt noch höher wird", sagt Bodenbender.

Unsicherheit wegen Corona

Trotzdem bleibt wegen Corona eine gewisse Unsicherheit. "Wir haben lange überlegt, ob wir normal aufstallen", erzählt Bodenbender. Schließlich war die Pandemie bereits in vollem Gange als die Gössel - so nennt man die jungen Gänse - einen Tag nach ihrer Geburt Anfang Juni nach Salzböden kamen. Nach reiflicher Überlegung entschieden sich die Betreiber jedoch schließlich dafür. "Ich denke, dass die Leute sich Weihnachten nicht nehmen lassen", begründet Bodenbender die Entscheidung. "Wenn sie nicht essen gehen können, holen sie sich die Gans vielleicht nach Hause und bereiten sie selber zu."

Fällt auch das Weihnachtsessen aus?

Doch was, wenn auch das Weihnachtsfest zu Hause nicht in gewohnter Form stattfinden kann? "Klar, kann es sein, dass einige noch absagen oder eine kleinere Gans brauchen, weil die Oma nicht kommen kann oder will", sagt Bodenbender. Insgesamt rechnet sie jedoch nicht damit, dass der Festschmaus bei vielen Familien ausfällt. "Die Leute wollen ja alle irgendwie schöne Weihnachten haben."

Martinsgänse werden Weihnachtsgänse

Bislang scheint die Hoffnung begründet: Zwar sind noch nicht alle Gänse reserviert, doch es kommen bereits zahlreiche Bestellungen für Weihnachten an. Da die Nachfrage nach Weihnachtsgänsen in den vergangenen Jahren so hoch war, dass es eine Warteliste gab, ist Bodenbender zuversichtlich, dass am Ende alle Gänse einen Abnehmer finden. "Wir hoffen, dass die Nachfrage nicht unbedingt kleiner wird, sondern sich einfach ein bisschen verschiebt", fasst sie zusammen.

Zu wenig Schlachttermine vor Heiligabend

Die hohe Nachfrage nach Weihnachtsgänsen stellt die Betreiber des Kronauer Hofes allerdings vor ein neues Problem: die Schlachttermine vor Heiligabend sind begrenzt. Die Bodenbenders haben - so wie sonst auch - Termine für 300 Gänse reserviert. "Aber mehr geht nicht", sagt Bodenbender. "Der Schlachtbetrieb kann uns nicht alle Gänse an Weihnachten frisch schlachten."

Eine Alternative, die auch dem Vorweihnachtsstress der Kunden entgegenwirken könnte, hat Bodenbender auch gleich zur Hand: die Gänse frühzeitig abholen. "Im Dezember gibt es noch genug Termine und man kann sie danach noch einmal kurze Zeit einfrieren."

Der Kronauer Hof

Daniela und Arne Bodenbender betreiben den Kronauer Hof in Salzböden seit 2001 als Biobetrieb. Vor 16 Jahren haben sie auf Gänsezucht umgestellt und ziehen mittlerweile jedes Jahr etwa 500 Tiere auf.

Die Gössel kommen kurz nach ihrer Geburt Ende Mai oder Anfang Juni von einem Bio-Aufzucht-Betrieb in Bayern auf den Kronauer Hof und werden im November und Dezember in der Nähe von Ehringshausen geschlachtet. Der Kronauer Hof ist Demeter-Mitglied.

Weitere Informationen zum Hof gibt es im Internet unter: www.kronauerhof.de/gänse/.

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