Schwierige Zeiten: Für (v.l.) Christiane Hauer (Leiterin "Flohkiste") sowie Lukas Nagel und Michelle Kraft vom Vorstand des Elternvereins bringen die Corona-Schließung und der bald anstehende eingeschränkte Regelbetrieb ungewohnte Herausforderungen mit sich. FOTO: JWR
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Schwierige Zeiten: Für (v.l.) Christiane Hauer (Leiterin "Flohkiste") sowie Lukas Nagel und Michelle Kraft vom Vorstand des Elternvereins bringen die Corona-Schließung und der bald anstehende eingeschränkte Regelbetrieb ungewohnte Herausforderungen mit sich. FOTO: JWR

Kreativität gefragt

Viele Fragen vor dem Kita-Neustart auch für "Flohkiste" in Lollar

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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In einer Woche soll der Kita-Regelbetrieb wieder eingeschränkt starten. Doch gerade bei der Betreuung von Kleinkindern sind Abstandsregeln kaum einzuhalten. Auch in der Lollarer Kita "Flohkiste" ist nun Kreativität gefragt - wobei die Eltern eine besondere Rolle spielen.

Die knappe Zeit einteilen - das ist für Michelle Kraft und Lukas Nagel zurzeit mehr denn je eine Herausforderung. Sie und ihre Partner müssen während der Coronakrise ihre Kinder betreuen, gleichzeitig sind sie auch für die Geschicke der Kita verantwortlich.

"Existenzbedrohende" Situation

Die "Flohkiste" in Lollar wird als eine von wenigen Kitas im Kreis von einem Elternverein getragen. Wer sein Kind hier anmeldet, wird auch Vereinsmitglied. Als Kraft und Nagel im vergangenen Jahr Vorsitzende und stellvertretender Vorsitzender wurden, konnten sie noch nicht ahnen, wie anders die Vorstandsarbeit und der Alltag als Eltern von jetzt auf gleich sein würden.

Seit März ruht wegen Corona auch in der "Flohkiste" der Regelbetrieb. Kurz darauf hat der Vorstand die Kommunalpolitik um Unterstützung gebeten: Die drei Mitarbeiterinnen stünden auf Abruf, wegen weiter laufender Kosten könne man die Elternbeiträge - 350 Euro pro Monat inklusive Essen - nicht erlassen. Die Situation der kleinen Kita für den U-3-Bereich sei "existenzbedrohend".

Vier Kinder in Notbetreuung

Sie sei "unendlich dankbar" über die Anfang Mai getroffene Entscheidung des Finanzausschusses, die Kita-Beiträge für die Zeit ohne Betreuung auch den Eltern der "Flohkiste" zu erstatten, sagt Kraft, die selbst für die CDU im Stadtparlament sitzt. Die Beiträge machten immerhin ein Drittel der Einnahmen aus. Und als Verein könne man kaum Rücklagen bilden.

Dass nach der staatlich angeordneten Schließung Eltern um Gebührenerstattung gebeten hätten, sei "absolut nachvollziehbar" - zumal manche von Kurzarbeit betroffen seien. Andererseits sind die Eltern auch Anteilseigner der "Flohkiste" und so auf besondere Art mit der Ganztags-Kita für Kleinkinder verbunden.

Vier der zwölf Kinder waren laut Vorstand zuletzt in der Notbetreuung. Andere wurden und werden von Eltern zu Hause betreut, teils helfe man sich gegenseitig aus. "Meine Frau und ich können im Homeoffice arbeiten", berichtet Nagel. "Mittlerweile ist es echt belastend. Während Telefonkonferenzen hängt unsere Tochter zwischen den Stühlen." Kinderbetreuung und Job seien schwer unter einen Hut zu bringen. Hinzu kommt die Vorstandsarbeit. "Alles, was die Flohkiste betrifft, läuft in den Abendstunden", so Kraft.

"Wir fiebern Woche für Woche weiter"

"Irgendwie hat es immer funktioniert", gibt sich Christiane Hauer optimistisch. Sie hat die "Flohkiste" vor fast 27 Jahren mit gegründet und ist heute deren Leiterin. "Der letzte Vorstand hatte den Umzug zu meistern, dieser die Coronakrise", sagt sie. Das ehrenamtlich tätige Gremium muss sich nun um Hygiene-Pläne kümmern, sich mit dem Landkreis abstimmen, auf verschiedenen Kanälen mit den Eltern kommunizieren und sie stets auf dem neuesten Stand halten.

"Wir fiebern Woche für Woche weiter, müssen verschiedene Szenarien ausarbeiten", erläutert Nagel. In wie viele Gruppen werden die Kinder ab kommendem Montag eingeteilt, und wie lassen sie sich voneinander trennen? Was bedeutet "eingeschränkter Regelbetrieb" konkret? Und wie soll die von Eltern begleitete Eingewöhnung für neue Kinder in den kommenden Monaten funktionieren? Noch seien viele Fragen offen, warte man auf genauere Vorgaben, heißt es aus der "Flohkiste". Eines steht laut Hauer aber fest: "Die Eltern dürfen nicht rein", sie müssen vor der Tür warten. Bei der Betreuung der Kleinkinder Abstand zu halten, sei praktisch nicht möglich. Auch eine nur stundenweise Betreuung könne sie sich schwer vorstellen, "das gibt Chaos für die Kinder".

Bei all den organisatorischen Hürden vor allem auf das Wohl der Kinder zu achten, das ist aus Hauers Sicht nun am wichtigsten. Die Vorfreude, bald alle wiederzusehen, ist groß, aber ebenso die Ungewissheit, was die nächsten Wochen bringen werden. Für diese Woche hat die Landesregierung weitere Infos angekündigt. Nicht nur in der "Flohkiste" wartet man gespannt darauf.

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