Der Waldfriedhof Friedelhausen rückt näher. Am Zugang zum künftigen Waldfriedhof wird ein Andachtsbereich wie auf dem Symbolbild eingerichtet. FOTO: VH
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Der Waldfriedhof Friedelhausen rückt näher. Am Zugang zum künftigen Waldfriedhof wird ein Andachtsbereich wie auf dem Symbolbild eingerichtet. FOTO: VH

Unter allen Wipfeln ist Ruh

  • vonVolker Heller
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Das Stadtparlament Lollar hat den Weg für einen Waldfriedhof bei Friedelhausen geebnet. Die CDU befürchtet dadurch sinkende Einnahmen aus den Friedhofsgebühren.

Für Lollar und Umgebung wird es in absehbarer Zeit ein Angebot zur Bestattung unter Bäumen geben. Das Stadtparlament Lollar hat nach einigem Hin und Her endgültig dem Waldfriedhof Friedelhausen zugestimmt.

Dabei wird keines der überregional tätigen Unternehmen der Betreiber sein, sondern Christoph Graf von Schwerin (Londorf). Dem Eigenwaldbesitzer gehört die Fläche zwischen der Bundesstraße 3 und dem Hofgut Friedelhausen. Mittendrin wird von Schwerin auf 20 Hektar die Forstwirtschaft einstellen und diesen Bereich zum Waldfriedhof umwidmen. Dieses Vorhaben wird als Grunddienstbarkeit zugunsten der Stadt Lollar für eine Laufzeit von 99 Jahren im Grundbuch eingetragen.

Von Schwerin und die Stadt Lollar werden einen Nutzungsvertrag darüber abschließen. Die Politik kam überhaupt ins Spiel, weil der künftige Betreiber einen durch das Bestattungsgesetz geforderten Träger benötigte. Als Träger erlässt die Stadt Lollar eine Friedhofsordnung und es obliegt ihr eine Kontrollpflicht. Darüber hinaus fallen keine Arbeiten oder Kosten an.

Im Verlauf der monatelangen Diskussion hatte die CDU-Fraktion geltend gemacht, dass der zu erwartende Rückgang von Bestattungen auf den vier städtischen Friedhöfen zu Mehrkosten auf dieser Haushaltsstelle führen werde und nachfolgend die Friedhofsgebühren ansteigen könnten.

Waldbestattungen kostendeckend

Im Parlament brachte Fraktionsvorsitzender Markus Wojahn den Alternativvorschlag ein: Die Waldfläche südlich der Holzmühle, ein 140-jähriger Eichenbestand. Er stellte auch den Antrag, in den Ausschüssen darüber zu beraten. Die Mehrheitskoalition von SPD und Grünen lehnte dies ab, die FDP enthielt sich.

Norman Speier (SPD) sagte, den von der CDU aufgestellten Fragenkatalog (etwa nach der Grunddienstbarkeit) habe der Betreiber nun beantwortet (in der Sitzungsvorlage). Für ihn stelle sich aber die Friedhofspflege mit städtischem Personal als "völlig unrealistisch" dar. Er finde es daher gut, dass Betreuungsarbeit durch das Hofgut Friedelhausen geleistet werde. Der Graf habe ein Konzept vorgelegt. Wenn die Stadt erst jetzt damit anfange, entstehe ein Zeitverzug.

Cornelia Maykemper (FDP) fand, der CDU-Antrag habe einen "gewissen Charme", aber mögliche Kosten für die Stadt seien ungewiss. Man solle einem freien Unternehmer diese Chance überlassen. Wojahn nahm den Ball auf. Natürlich sei auch die CDU für freies Unternehmertum. Warum jedoch solle man die Anlage eines Friedhofs, eine hoheitliche Aufgabe, an privat abgeben? Außerdem habe er ein konkretes Waldstück (Abteilung 108) benannt, sodass kein Zeitverzug entstehe.

Heidi Alt (Grüne) gefiel das von Schwerin vorgelegte Konzept und dessen Zusammenarbeit mit dem Hofgut. Gegen die allgemeine Förderung des Hofguts hatte Rüdiger Pohl (CDU) nichts. Man solle in diesem Fall erst einmal an Lollar denken. Um in den Waldfriedhof des Grafen zu gelangen, müsse man eine Böschung erklimmen, am Holzmühlerweg sei das Gelände eben. Die befürchteten Pflegeaufwände seitens der Stadt gebe es gar nicht.

Wolfgang Haußmann (Grüne) fand, für die Stadt sei die Trägerschaft kein Risiko. Des Grafen Konzept könne rasch umgesetzt werden, der CDU-Vorschlag wäre "ein Wolkenkuckucksheim". Pohl gab bezüglich der Kostenfrage zu bedenken, eine Waldbestattung sei als einzige kostendeckend, es verblieben sogar Überschüsse.

Speier argumentierte noch mit dem fehlenden Parkplatz an der Holzmühle. Gerald Weber (CDU) erwiderte, die Fläche bei Friedelhausen sei ebenfalls nur fußläufig zu erreichen. Wojahn prophezeite, durch fehlende Bestattungseinnahmen werde im Lollarer Haushalt "ein Loch aufgerissen".

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