An der Bundesstraße 3 zwischen Staufenberg und Lollar werden wohl weiter keine  "Lärmkonfliktpunkte" ausgewiesen.	ARCHIVFOTO: JWR
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An der Bundesstraße 3 zwischen Staufenberg und Lollar werden wohl weiter keine »Lärmkonfliktpunkte« ausgewiesen. ARCHIVFOTO: JWR

Bei Lollar und Staufenberg

Tempo 100 auf der B3? Hessen Mobil winkt ab

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Die Forderungen nach Lärmschutz durch ein Tempolimit auf der B 3 bei Lollar und Staufenberg sind wieder lauter geworden. Doch weder Hessen Mobil noch das Regierungspräsidium sehen eine rechtliche Handhabe, um den Status Quo zu ändern.

Dämper für die Hoffnungen auf Tempo 100 auf der B 3: Der Landesbetrieb Hessen Mobil sieht trotz der jüngsten Absenkung von Auslösewerten für Lärmschutz-Maßnahmen weiter keine Handhabe für ein Tempolimit auf der Bundesstraße im Bereich Lollar/Staufenberg.

»Im Zuge der Lärmaktionsplanung des Regierungspräsidiums Gießen (RP) haben sich für den Bereich der B 3 in den Gemarkungen Lollar und Staufenberg keine Lärmkonfliktpunkte ergeben«, äußert sich Hessen Mobil auf Anfrage. »Da sich die Richtwerte hierfür nicht verändert haben, sind somit die Voraussetzungen für die Anordnung straßenverkehrsrechtlicher Maßnahmen weiterhin nicht erfüllt«, heißt es in der Antwort des für ein mögliches Tempolimit auf der B 3 zuständigen Landesbetriebs weiter.

Die Hoffnungen auf Lärmschutz für B 3-Anwohner und Tempo 100 als »ersten Schritt« waren in den Nachbarkommunen kürzlich wieder aufgekeimt: Zum 1. August hat das Bundesverkehrsministerium die Auslösewerte für Lärmsanierung an Bundesfernstraßen herabgesetzt. Dadurch können bei geringerer Lärmbelastung als bisher passive Lärmschutzmaßnahmen, etwa der Einbau entsprechender Fenster, gefördert werden.

Tempolimit auf der B3? Hessen Mobil sieht keinen neuen Stand

Das sei für ein mögliches Tempolimit aber nicht ausschlaggebend, argumentiert Hessen Mobil: »Von dieser Absenkung sind die Richtwerte für die Anordnung straßenverkehrsrechtlicher Maßnahmen (hierzu zählen auch Geschwindigkeitsreduzierungen aus Lärmschutzgründen) nicht betroffen.«

In Lollar und Staufenberg fordern die Bürgermeister sowie Vertreter von Grünen und SPD aufgrund der neuen Auslösewerte dagegen erneut ein Tempolimit von 100 km/h auf der B 3. Vergangene Woche haben sie das bei einem Pressetermin bekräftigt. Tempo 100 sei eine leicht umzusetzende und allemal die kostengünstigste Möglichkeit, um den Verkehrslärm merklich zu reduzieren, so die Ansicht.

Zudem drängen die Kommunalpolitiker beim RP darauf, die Lärmbelastung realistischer zu erheben, als dies bislang geschehen sei. Dass nur wenige Anwohner entlang der B 3 dort von kritischen Lärmwerten betroffen seien, wie es in der dritten Forschreibung des Lärmaktionsplans des RP heiße, leuchte nicht ein, kritisiert Gerhard Born. Er kümmert sich bei den Lollarer Grünen federführend um das Thema Lärmschutz.

Born verweist auch auf eine E-Mail, die er Ende September an eine Mitarbeiterin des RP geschickt hatte. Die Mail liegt der GAZ vor. Born erkundigt sich darin, inwieweit das RP bereit sei, die bisherige Einstufung der B 3 (Lumdatalbrücke) zu revidieren und sie als Lärmkonfliktpunkt auszuweisen. Bislang gebe es keine Antwort, so Born. Auf GAZ-Anfrage schreibt das RP: »Nach Auswertung der Lärmkartierung stellt die B 3 rein rechtlich keinen Lärmkonflikt in Lollar und Staufenberg dar, weshalb aus Sicht der Lärmaktionsplanung aktuell keine weitere Handlungsmöglichkeit besteht.«

Kommentar von Jonas Wissner: Zu viele Köche

Zu viele Köche verderben bekanntlich den Brei. In Sachen B 3 lässt die komplizierte Zuständigkeit von Behörden die Hoffnung auf ein Tempolimit bisher ins Leere laufen.

Der Bund senkt die Schwelle für passiven Lärmschutz an Bundesstraßen. Vielleicht ein Ablenkungsmanöver von Verkehrsminister Scheuer, der angesichts des Maut-Debakels gute Nachrichten braucht. Für genervte Anwohner von Bundesstraßen jedenfalls ein positives Signal.

Wo es an welcher Straße wie laut und wo es zu laut ist, setzt in Hessen dagegen letztlich das Regierungspräsidium (RP) fest. Und für Tempo 100 wäre Hessen Mobil zuständig - verweist aber wiederum auf die Werte des RP. Das Prozedere ist zu umständlich, berechtigte Forderungen nach mehr Lärmschutz verhallen nicht nur entlang der B 3.

Der Bund hätte es in der Hand: Ein generelles Tempolimit auf Bundesstraßen brächte wohl automatisch auch weniger Lärm mit sich - und das auf einen Schlag. Das wäre doch mal eine Nachricht, Herr Scheuer!

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