Die Tafeln sammeln qualitativ einwandfreie Lebensmittel, die sonst im Müll landen würden und verteilen diese an sozial und wirtschaftlich Benachteiligte. Am Mittwoch öffnet die Außenstelle in Lollar nach einer Corona-Zwangspause wieder ihre Türen. Versorgt werden dort etwa 40 bedürftige Haushalte. 		FOTO: DPA
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Die Tafeln sammeln qualitativ einwandfreie Lebensmittel, die sonst im Müll landen würden und verteilen diese an sozial und wirtschaftlich Benachteiligte. Am Mittwoch öffnet die Außenstelle in Lollar nach einer Corona-Zwangspause wieder ihre Türen. Versorgt werden dort etwa 40 bedürftige Haushalte. FOTO: DPA

Nach Corona-Pause

Lollar: Tafel öffnet wieder - Warten auf medizinische Masken strapaziert Geduld

  • Susanne Riess
    vonSusanne Riess
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Für viele Bedürftige in Lollar ist die Zeit des Wartens vorbei: Am Mittwoch öffnet nach einer Corona-bedingten Zwangspause die Ausgabestelle der Gießener Tafel wieder ihre Pforten.

  • Am Mittwoch öffnet die Ausgabestelle der Gießener Tafel in Lollar wieder.
  • Seit Ende November war diese coronabedingt geschlossen, auch aufgrund der Hygieneregeln.
  • Etwa 40 bedürftige Haushalte versorgt die Gießener Tafel wöchentlich.

Seit Ende November ist die Tafel im Untergeschoss des Bürgerhauses Lollar bereits geschlossen. »Die Räumlichkeiten sind leider sehr beengt, und aufgrund der aktuellen Hygieneregeln war es uns nicht möglich, den Betrieb weiter aufrecht zu erhalten«, erläutert Holger Claes, Leiter des Diakonischen Werks und der Gießener Tafel.

Ein Problem sei auch, dass ein Großteil der etwa 300 Ehrenamtlichen, die sich bei den Tafeln in Stadt und Landkreis engagierten, in einem Alter seien - oft 70 Jahre und älter -, in der sie zu Risikopatienten gehörten. »Da kann man es verstehen, wenn sie auch an ihren eigenen Schutz denken«, sagt Claes. Nun aber, an diesem Mittwoch, öffnet die Ausgabestelle in Lollar wieder.

Gießener Tafel: 40 bedürftige Haushalte wöchentlich versorgt

Etwa 40 bedürftige Haushalte werden dort wöchentlich durch die Tafel mit Lebensmitteln versorgt. Die Ausgabe erfolgt an festgelegten Terminen, eine vorherige Anmeldung bei der Diakonie ist notwendig. Obwohl die Ausgabestelle in Lollar für rund neun Wochen geschlossen hatte, wurden Bedürftige dennoch unterstützt. »Vor Weihnachten haben wir zweimal eine Aktion durchgeführt, bei der Lebensmittel von einem Wagen ausgegeben wurden«, betont Claes. Zudem seien Weihnachtsgeschenke an Kinder verteilt und in diesem Zuge auch eine Tüte mit Lebensmitteln überreicht worden.

Mit einem angepassten Hygienekonzept soll die Arbeit in dieser Woche nun weitergehen. »Wir appellieren dringend an die Menschen, sich an die Abstandsregeln zu halten«, betont Claes. Zudem dürfe immer nur eine Person die Räumlichkeiten betreten.

Gießener Tafel: Maskenausgabe bereitet Tafel Sorge

Teilweise würden Lebensmittelpakete auch draußen gepackt, um Helfer und Kunden vor einer Corona-Infektion zu schützen. Das Tragen eines medizinischen Mundschutzes sei verpflichtend. Das Thema FFP-2-Masken oder OP-Masken treibt dem Leiter der Diakonie indes die Sorgenfalten auf die Stirn.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat angekündigt, dass er über die Tafeln eine Million medizinische Masken an Bedürftige verteilen lassen will. Anspruch darauf sollen alle Menschen haben, die Hilfe von den Tafeln erhalten. Medizinische Masken sind seit Samstag in Geschäften, im öffentlichen Nahverkehr und in Gottesdiensten in Hessen Pflicht. »Bis jetzt haben wir allerdings noch keine Masken, die wir verteilen können«, sagt Claes. Zudem gibt er zu bedenken, dass bis jetzt keine Infrastruktur bei den Tafeln für eine Verteilung existiere und viel mehr Menschen eine Unterstützung benötigten, als die Tafeln derzeit fördern. Dies will und müsse organisiert sein.

Während die Ausgabestelle in Lollar geschlossen war, machte ein Gerücht in der Stadt die Runde, dass örtliche Lebensmittelhändler ihre Spenden eingestellt hätten. »Das ist nicht der Fall. Die Gießener Tafel bekommt weiterhin dreimal wöchentlich Spenden von uns«, stellt Florian Hoff, Marktleiter von Edeka Krenschker in Lollar klar.

Gießener Tafel: Händler spenden auch weiterhin

Er sei froh, wenn Lebensmittel, die nicht mehr im Markt verkauft werden könnten, nicht weggeworfen werden müssten. Es habe sogar vor Weihnachten noch eine zusätzliche Spendenaktion gegeben, bei der Kunden während ihres Einkaufs bestimmte Artikel für die Tafel spenden konnten. Diese Aktion sei nun beendet. »Wir wechseln da immer ein bisschen ab, unterstützen vielfältige Organisationen, vor allem Kinder- und Jugendeinrichtungen«, sagt Hoff.

Auch Holger Claes ist nicht bekannt, dass Spenden eingestellt wurden. Er ist froh, dass die Ausgabestelle in Lollar am Mittwoch wieder öffnen kann. Generell würde er sich jedoch größere Räumlichkeiten wünschen, da das Platzangebot in der ehemaligen Sauna doch recht knapp sei. »Optimal wären 40 bis 50 Quadratmeter, Strom und Wasser müssten vorhanden sein. Wenn uns jemand einen solchen Raum zur Verfügung stellen kann, kann er sich gerne jederzeit mit mir in Verbindung setzen«, meint Claes. Zu erreichen ist der Leiter des Diakonischen Werks und der Gießener Tafel unter Telefon 06 41/93 22 84 93 oder per E-Mail an holger.claes@diakonie-giessen.de

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