Stadt Lollar will windige Investoren ausschließen

Lollar (khn). Die Teiländerung des Flächennutzungsplans in Sachen Windkraft hat auch in Lollar das Parlament passiert – jedoch nicht ohne Widerspruch. Mit fünf Gegenstimmen stellten sich CDU und FDP am Donnerstagabend im Bürgerhaus gegen SPD, Grüne und Freie Wähler (FW).

"Wir glauben nicht an die Wirkung eines solchen Aufstellungsbeschlusses", sagte CDU-Fraktionschef Volkmar Trömner. "Wo und wenn ein Investor anklopft und mit dem Geldbeutel klappert, sind schon viele Pläne Makulatur geworden." Das sorgte für Kritik. Helmut Boucsein (Grüne): "Wir sollten die Flächen jetzt sichern", betonte er, "und nicht sagen: Ohne uns."

Nachdem Boucsein die Diskussion im Bauausschuss nachgezeichnet hatte, ergriff Martin Schnepp (FW) das Wort. "Die Teiländerung des Flächennutzungsplans sichert der Stadt das Planungsrecht. So kann Wildwuchs von Windkraftanlagen verhindert werden." Gegenwind bekam er gleich von Cornelia Maykemper, Fraktionschefin der FDP. "Heute Abend stimmen wir nicht zu", sagte sie. Vor allem störe sie der mögliche Standort im Krofdorfer Forst. "Es ist doch unwahrscheinlich, dass dort etwas gebaut wird", sagte sie, "es ist kein ertragreicher Standort."

Diese ablehnende Haltung störte SPD-Fraktionvorsitzende Norman Speier. "Wir wollen die Flächen festlegen, auf denen Windkraftanlagen gebaut werden dürfen", sagte er. "Niemand ist aber gezwungen, dort auch wirklich etwas zu errichten." Verhindert werde aber wilder Bau auf privatem Besitz rund um die Stadt. Der Krofdorfer Forst, den Maykemper als Standort kritisiert hatte, sei sehr wohl als Vorrangfläche geeignet – und darüber hinaus noch im Besitz der Stadt und der Gemeinde Wettenberg. Speier mahnte, falls ein Beschluss nicht zustande komme, könnten am Ende nicht die kommunalen sondern die Flächen im Landesbesitz Vorrangflächen werden. Als Beispiel nannte er das Gebiet von Hessenforst am "Toten Mann": "Wir wären dann nur Zaungast."

Trömner wollte von Anfang an nicht in die falsche Ecke gestellt werden: "Wir sind nicht grundsätzlich gegen die Energiewende", sagte der Christdemokrat, "wenngleich sie überhastet, unüberlegt und handwerklich höchst ungeschickt ist." In Lollar werde nicht ausreichend abgewogen zwischen potenziellen Konzentrationszonen für Windenergieanlagen und weiteren möglichen Energieformen.

Er bevorzuge einen Mix aus Einsparung, Wasserkraft, Photovoltaik und Biomasse. Als Standort für Windkraftanlagen sei Lollar hingegen ungeeignet. Außerdem sehe er die Gefahr, dass bei den Aufbauarbeiten natürliche Habitate zerstört werden könnten. "Einer Teiländerung, die große Teile des Plangebiets von Windrädern schützen soll, gleichzeitig aber schützenswertes Waldgebiet opfert, stimmen wir nicht zu."

Diese ablehnende Haltung von CDU und FDP stieß bei den übrigen Parteien auf Unverständnis. Boucsein appellierte, doch noch für die Teiländerung zu stimmen. "Wir sollten die Flächen jetzt sichern, auch wenn ich persönlich der Meinung bin, dass sich dort nicht so bald etwas tun wird." Der Ertrag im Vogelsberg sei beispielsweise höher als in Lollar. "Erst wenn der Bund die Rahmenbedingungen ändert, werden in Sachen Windkraft Fortschritte möglich sein." Auch Harald Pusch (SPD) betonte: "Sie sollten sich nicht vorschnell gegen eine Änderung entscheiden." Es gehe darum, mögliche Flächen erstmal zu prüfen. "Das bedeutet doch nicht den Ausschluss von anderen Energieformen.

" Was vielmehr Sinn und Zweck der Übung sei: "Wir müssen verhindern, dass ungeeignete Standorte für irgendwelche Steuerabschreibungsprojekte genutzt werden."

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