Singen gegen Rassismus und Antisemitismus

  • schließen

"Wenn Mutti liest, sind alle schockiert", sagt Kutlu Yurtseven in der voll besetzten Aula der Clemens-Brentano-Europaschule, und er bezeichnet die 93-jährige Esther Bejarano als "unkaputtbar". Schockiert zu sein, das ist wohl beabsichtigt, denn Bejarano spielte einst Akkordeon im sogenannten Mädchenorchester des Konzentrationslagers Ausschwitz-Birkenau. Der Musik verdankt sie das Überleben. Heute singt sie gegen Antisemitismus und Rassismus an. Das sei ihre "späte Rache an den Nazis", sagt Bejarano. Die Erinnerungen an damals hat sie verschriftlicht.

"Wenn Mutti liest, sind alle schockiert", sagt Kutlu Yurtseven in der voll besetzten Aula der Clemens-Brentano-Europaschule, und er bezeichnet die 93-jährige Esther Bejarano als "unkaputtbar". Schockiert zu sein, das ist wohl beabsichtigt, denn Bejarano spielte einst Akkordeon im sogenannten Mädchenorchester des Konzentrationslagers Ausschwitz-Birkenau. Der Musik verdankt sie das Überleben. Heute singt sie gegen Antisemitismus und Rassismus an. Das sei ihre "späte Rache an den Nazis", sagt Bejarano. Die Erinnerungen an damals hat sie verschriftlicht.

Doch Vorlesen allein genügt als gesellschaftliche Botschaft nicht. Am 1. September 2008 gab die wahrhaft rüstige Seniorin das erste Konzert zusammen mit der Kölner Rap-Gruppe "Microphone Mafia", die ihre alten Lieder und Texte in den speziellen Rhythmus der Jugendkultur verpackt hat. Über 240 Konzerte, sogar auf Kuba, und zwei Alben sind das Ergebnis. Die Jubiläums-CD soll im Herbst erscheinen. Yurtseven gibt sich als der ewige Jugendliche mit lockeren Sprüchen am laufenden Band. "Ich bin nicht deine Mutti", ermahnt ihn Bejarano.

Der Rapper wechselt dann zu "Omi" und auch wieder zurück. "Wir sind die einzige Mafia, die die Welt braucht", sagt er. 1989 gegründet, habe man sich auf vielen Feldern versucht. Sozusagen von Schillers "Bürgschaft" bis zu Bejaranos Tagebüchern. "Omi" sei über den ersten Anruf erschrocken gewesen: die "Mafia" am Telefon. Mittlerweile zählten die Bandmitglieder quasi zu ihrer Familie. Yurtseven spricht von "eingeenkelt" worden sein. Wenn eines Tags eingeenkelt im Duden stehe, sei das sein Werk.

Yurtseven bringt zwischendrin Botschaften unter das Publikum, die von Mobbing, Anschlägen, Fremdenhass, Opfer-Täter-Umkehrung und dem Schweigen der großen Masse handeln. Auch Schuldezernentin Dr. Christiane Schmahl ist unter den Zuhörern. Dann gibt es noch diese Gemeinsamkeit Yurtsevens mit dem neuen Schulleiter Andrej Keller. Beide sind in Köln-Porz zur Schule gegangen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare