Lollarer Bahnhof

Das sind die kreativen Pläne für den Lollarer Bahnhof

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Konzerte, Ausstellungen, Vernetzung von Kulturschaffenden: Für dies und mehr soll der Lollarer Bahnhof künftig Raum bieten. Doch noch sind nicht alle Hürden genommen.

Am Lollarer Bahnhof ist zurzeit viel in Bewegung: Draußen stehen Bagger und Absperrgitter, Teile der Anlage sind während der Gleissanierung und des Neubaus der Unterführung gesperrt. Manchem Bahnfahrer dürfte im Vorübergehen aufgefallen sein, dass sich auch hinter den roten Wänden des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäudes einiges tut.

Seit 2017 schaffen sich Musiker und andere Kreative hier ein Refugium. Es gibt noch viel Arbeit, doch in einigen Monaten, so hoffen sie, kann der Betrieb beginnen, der alte Bahnhof zu einem kulturellen Anziehungspunkt werden.

Zurzeit treffen sich die künftigen Betreiber regelmäßig zum gemeinsamen Musizieren - und natürlich zum Arbeiten. Jeden zweiten Sonntag kommt das Plenum zusammen, an dem manchmal zehn Leute, manchmal auch weniger teilnehmen. Sie bereiten die Gründung einer Genossenschaft vor, die dann das alte Bahnhofsgebäude als Ort der Kultur betreiben soll. Konzerte, Jam-Sessions, Ausstellungen, Theater und mehr soll hier auf Dauer möglich sein.

Das Konzept ähnelt jenem des Café Amélie in Gießen. Im Erdgeschoss des DGB-Hauses war es ein Anlaufpunkt für Nachtschwärmer. Vielversprechende junge Bands aus ganz Europa machten hier Station – bis das Café vor über zwei Jahren schloss. Alexander Vasil und andere Aktive von dort engagieren sich nun in Lollar, die Satzung der Genossenschaft soll der des Amélie recht nahe kommen.

Gemeinsam Neues schaffen

Doch der Bahnhof bietet auch anderen Gruppen eine Perspektive, verschiedene Kreise greifen hier ineinander und schaffen gemeinsam etwas Neues. Mit dabei sind auch Mitbegründer des Heuchelheimer Jam-Festivals. Die jungen Musiker hatten zuvor einen Probenkeller in Heuchelheim genutzt, "den haben wir dann verloren", berichtet Vincent Viala, einer der Aktiven. Nun schaffen sie sich im Keller des Lollarer Bahnhofs neue Probenräume, während das Erdgeschoss der Genossenschaft vorbehalten bleiben soll.

Dass der Lollarer Bahnhof nach jahrelangem Dornröschenschlaf jetzt neue Perspektiven bietet, ist im Grunde einem Zufall zu verdanken: Vor einigen Jahren sei im Verein Lumdatalbahn die Frage aufgekommen, wie das Gebäude genutzt werden könne. "Ich habe scherzhaft gesagt: Wenn sich keiner findet, kaufe ich es", blickt Klaus Zecher zurück. Der DGB-Kreisvorsitzende erwarb das Gebäude privat und holte die Heuchelheimer sowie die Aktiven vom Café Amélie ins Boot.

Es ist darauf angelegt, dass jeder mitmachen kann

Vincent Viala, Kulturgenossenschaft in Gründung

"Es ist darauf angelegt, dass jeder mitmachen kann", umreißt Viala das Konzept für den Bahnhof. Auch Kooperationen mit Vereinen vor Ort seien denkbar. Pluralität sei wichtig, etwa hinsichtlich musikalischer Stilrichtungen, die hier Gehör finden sollen. Kern des Konzepts sei "barrierearme Partizipation", sagt Vasil. "Der Laden ist das Produktionsmittel, und wir geben uns gegenseitig die Möglichkeit, das zu nutzen."

Kultur für den schmalen Geldbeutel

An Instrumenten, Verstärkern und Co. haben die Aktiven schon einiges zusammengetragen. Sie wollen auch Wissen und Kontakte teilen, zum Wohle der Genossenschaft. Mittelfristig ist laut Vasil auch angedacht, über die Genossenschaft geringfügige Beschäftigungsverhältnisse zu schaffen. Vor allem aber sei der Gruppe daran gelegen, dass "es auch für Leute mit schmalem Geldbeutel attraktiv ist".

Ob, wie im Café Amélie, ein Betrieb bei freiem Eintritt möglich sein werde, wisse man aber noch nicht. Die Anbindung könnte jedenfalls besser kaum sein: Der Lollarer Bahnhof ist von Gießen und Marburg aus in wenigen Minuten per Zug erreichbar. Zwar sei die Zugfahrt nicht gerade ein Schnäppchen, aber gerade für Studenten mit Semesterticket eine gute Option, heißt es aus dem Plenum

Sowohl Besitzer Zecher als auch einige Mitglieder des Plenums sind handwerklich versiert, andere haben sich in den vergangene Monaten an der Baustelle weitergebildet. Fenster waren zerschlagen, an allen Ecken wartete Arbeit. "Ich habe gelernt, wie man Sandstein verfugt", sagt Viala und zeigt stolz auf eine Wand im noch stark sanierungsbedrüftigen Keller. Das gemeinsame Schuften schweiße auch menschlich zusammen, sind sich die Plenums-Teilnehmer einig.

Name noch unklar

Endgültig in trockenen Tüchern ist die neue Nutzung noch nicht. In Gesprächen habe man sich mit der Kreisbauaufsicht abgestimmt, berichtet Zecher. Auch in Sachen Denkmalschutz erwarte er keine Probleme. Die Aktiven hoffen, dass die Baugenehmigung im Frühjahr erteilt wird, die Gründung der Genossenschaft ist für März geplant.

Unter welchem Namen der Bahnhof künftig Kulturhungrige anlocken soll, ist noch nicht ausgemacht. "Es würde mich wundern, wenn wir es nochmal Café Amélie nennen", sagt Vasil. "Vielleicht einfach ›BaLo‹ für Bahnhof Lollar", wirft ein Plenums-Teilnehmer ein. Ob unter diesem oder einem anderen Namen – die Weichen für kulturellen Hochbetrieb in den alten Mauern sind jedenfalls gestellt.

Info

Termine auf Facebook

Termine für Plenums-Treffen, Veranstaltungen und weitere Infos zum Konzept für den Lollarer Bahnhof sind bei Facebook über die Organisation "Kulturgenossenschaft" abrufbar.

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