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Große Betroffenheit herrscht bei der Gruppe aus Lollar an der Selektionsrampe von Auschwitz-Birkenau.

Schwierige Reise in die Vergangenheit

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Lollar/Staufenberg (pm) Sieben Tage Krakau liegen hinter zehn Schülern der Clemens-Brentano-Europaschule. Begleitet von den Geschichtskolleginnen Elzbieta Siemon und Maria Seiler sowie Schulleiter Andrej Keller waren die Oberstufenschüler auf einer schwierigen Reise in die deutsch-polnische Vergangenheit. Aber auch auf einer Reise in die Zukunft eines friedlichen, von Freundschaft geprägten Europas in einer der schönsten Städte Europas.

Bereits im Januar hatten Siemon und Keller in Krakau mit der Schulleitung des 16. Lyzeums eine Schulpartnerschaft angebahnt. Dabei wollten beide Schulen nicht einen bloßen Austausch, sondern sich gleichzeitig der historischen Arbeit vor Ort widmen. Schnell einigte man sich im winterlichen Krakau auf das Projekt "25 Jahre Schindlers Liste - deutsche und polnische Schüler auf historischer Spurensuche in Krakau".

"Schindlers Liste" bewegt

Die Umsetzung forderte im September den zehn Lollarer Schülern und ihren polnischen Austauschschülern einiges - emotional wie körperlich - ab. Alles überschattete der Besuch in Auschwitz - ein schwieriger Tag für alle Beteiligten. Erschüttert von der menschenverachtenden Brutalität des nationalsozialistischen Vernichtungssystems stockte vielen der Atem. Innerlich aufgewühlt verließ man die Gaskammern oder die Erschießungsstätten, an denen so viele ihr Leben lassen mussten. Auch sehr herausfordernd war der Besuch des Konzentrationslagers Plaszow, vielen noch bekannt aus dem Spielberg-Film "Schindlers Liste". Hier trieb der sadistische SS-Mann Amon Göth als Lagerkommandant sein mörderisches Unwesen. Die aus dem Kinofilm berühmte Villa konnte man allerdings nur von außen anschauen, da sie mittlerweile frisch renoviert als privates Wohnhaus genutzt wird. Dies führte bei vielen der Schülern zu einem ungläubigen Kopfschütteln. Original-Filmschauplätze wurden ebenso in Oskar Schindlers Emaillefabrik und im jüdischen Getto aufgesucht. In Gruppenarbeiten gestalteten die Schüler aus Lollar und Krakau gemeinsam Plakate, zum Film "Schindlers Liste".

Jüdische Integration und der Antisemitismus vor und nach dem Zweiten Weltkrieg standen bei weiteren Zeitzeugengesprächen oder beim Besuch der alten, in der Gegenwart leider nicht mehr genutzten Synagoge in der Innenstadt von Auschwitz im Mittelpunkt. Für die begleitenden Lehrer war es ein schönes Erlebnis, mit einer jüdischen Gemeinde den Schabbat einläuten zu dürfen.

Natürlich war man in Krakau nicht nur auf historischer Spurensuche - es ging auch darum, Partnerschaften und Freundschaften zu knüpfen. Eine Gruppe von Lehrern und Schülern besuchte das berühmte Salzbergwerk in Wielicka. Das seit Jahrhunderten betriebene Salzbergwerk überzeugt durch viele aus dem Stein gehauene Kunstwerke.

Am Ende der Reise betonten die deutschen Schüler: Es war eine wunderbare, intensive und eindrucksvolle Reise. Alle zeigten sich überwältigt von der Gastfreundschaft, der Herzlichkeit der polnischen Gastgeber. Überwältigt waren alle auch vom gehaltvollen Programm der polnischen Schule.

Es wird ein Wiedersehen geben - im Juni 2020 werden die polnischen Schüler nach Lollar kommen. Dann wollen sich die beiden Gruppen mit dem Schicksal von Zwangsarbeitern in Mittelhessen beschäftigen. Auch dann sollen neben der Geschichtsarbeit Spaß und Freundschaft im Mittelpunkt stehen.

Ein abbschließender Dank geht an das Deutsch-Polnische Jugendwerk und den Landkreis Gießen, die die Fahrt und das Programm finanziell unterstützt haben.

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