Kommunalwahl im Kreis Gießen

Wahl der Stadtverordnetenversammlung in Lollar: Schwarz-Grün oder Rot-Grün?

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Herbe Klatsche für die Sozialdemokraten: In Lollar verliert die SPD mehr als zehn Prozentpunkte und wird als größte Fraktion erstmals von der CDU abgelöst. Trotzdem hätte Rot-Grün weiter eine Mehrheit.

Lollar (jwr). Herbe Klatsche für die Sozialdemokraten: In Lollar verliert die SPD mehr als zehn Prozentpunkte, landet bei 32,18 Prozent und wird als größte Fraktion erstmals von der CDU abgelöst, die um gut vier Prozentpunkte auf 32,75 Prozent zulegt. Dank des guten Abschneidens der Grünen (fast acht Prozentpunkte mehr) hätte Rot-Grün weiter eine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung. Die FDP verzeichnet nur geringe Verluste und vereint 10,74 Prozent der Stimmen auf sich.

Nun sind mehrere Koalitionen möglich: Als Zweierbündnisse hätten auch Schwarz-Grün und Schwarz-Rot eine Mehrheit - wobei letztere Option sehr unwahrscheinlich sein dürfte. Das sieht auch SPD-Fraktionschef Norman Speier so: Man müsse sich in der Fraktion zwar noch absprechen, »aber mein Wunsch ist die Neuauflage der bisherigen Koalition - das lief gut und reibungslos«. Mit der CDU sieht er dagegen »wenig Anknüpfungspunkte«, bei vielen Themen liege man »weit auseinander« - etwa in Sachen Lumdatalbahn oder Neubaugebiet Ruttershausen. »Das Ergebnis ist für uns ärgerlich, aber es lässt sich nicht ändern«, so Speier.

»Es ist das beste CDU-Ergebnis aller Zeiten in Lollar«, sagt dagegen CDU-Chef Dr. Jens-Christian Kraft. »Wir sind mit vielen jungen Leuten angetreten, haben den Team-Gedanken in den Vordergrund gestellt«, das habe sich bewährt. Gerade der Zuwachs in der Kernstadt und bei den Briefwahl-Stimmen sei »bombastisch«. Erfreulich ist für Kraft auch, dass die CDU in dem aufgrund der gestiegen Einwohnerzahl nun größeren Parlament auch den Stadtverordnetenvorsteher stellen könne.

Kraft sieht »ein ganz klares Votum für Veränderung«. Erstmals seien nun neue Mehrheiten möglich, man könne »die verkrusteten Strukturen aufbrechen«. So wird die Entscheidung der Grünen wohl den Ausschlag für eine künftige Koalition geben. Deren Fraktionschefin Heidi Alt ist vom Grünen-Ergebnis »angenehm überrascht, das haben wir nicht erwartet«. Alt weiter: »Wir hatten befürchtet, dass der Wahlkampfkurs der CDU bezüglich des Neubaugebiets in Ruttershausen uns mehr Stimmen kostet.« Hintergrund: Die Christdemokraten hatten einen Stopp der Planungen für das Areal gefordert, das nach dem Willen von Rot-Grün über einen längeren Zeitraum sukzessive weiterentwickelt werden soll. Speier (SPD) geht davon aus, dass dies den Wahlausgang deutlich beeinflusst hat, trotzdem solle man die Planung aufrecht erhalten.

»Ich verstehe es nicht«, sagt Alt mit Blick auf das Wahlergebnis: Man habe mit der SPD vieles vorangebracht, doch diese habe nun massiv verloren. Ob es jetzt mit SPD oder CDU weitergehen soll, werde man nun erst einmal intern beraten.

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