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Das zweitgrößte Gebäude der Baugenossenschaft steht im Kiesweg. Es wurde im Geschäftsjahr 2018 für rund eine Million Euro saniert und ist nun klimaneutral.

In Sachen Klimaschutz ganz vorn

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Lollar (vh). Rund 2000 Wohnungsgenossenschaften in Deutschland geben über fünf Millionen Menschen ein Dach über dem Kopf. Sie zählen zu den verantwortlichen Anbietern, deren oberstes Ziel der vielzitierte soziale Wohnungsbau ist und nicht Gewinnmaximierung. Die Baugenossenschaft Lollar und Lumdatal sorgt sich in diesem Umfeld seit nunmehr 70 Jahren. Bezahlbaren Wohnraum bietet sie an für beständige fünf Euro pro Quadratmeter durchschnittliche Kaltmiete. Alle 352 Wohneinheiten sind belegt.

Der Stellenwert des Lollarer Modells könnte noch steigen, wenn der Bosch-Konzern demnächst die 200 Buderus-Wohnungen am Ort verkaufen wird. Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek hegte als Vorsitzender des Aufsichtsrats Zweifel, dass die ehemals günstigen Mieten dieser Gebäude dann Bestand hätten. Angesichts von 3700 Normen und Vorschriften für Neubauten und Sanierung in Deutschland seien durchschnittlich fünf Euro Kaltmiete "völlig abwegig", würde die Baugenossenschaft auch neu bauen, was sie nicht tut.

Alle Wohneinheiten belegt

Allerdings wird der Bestand fortlaufend saniert und zwar hauptsächlich nach energetischen Gesichtspunkten und altersgerecht (barrierefrei). Im Geschäftsjahr 2018 investierte man 1,32 Millionen Euro, erreichte trotzdem einen Jahresüberschuss von knapp 240 000 Euro, sodass eine Dividende in Höhe von 16700 Euro ausgezahlt werden kann (am 17. Oktober). Die Eigenkapitalquote stieg auf 46,94 Prozent. In Sachen Klimaschutz findet sich die Genossenschaft plötzlich in der ersten Reihe wieder.

Am zweitgrößten Gebäudekomplex, Kiesweg 6 und 8 (zwei Mehrfamilienhäuser als Doppelhaus mit 21 Wohnungen), wurde die Außenfassade gedämmt, das Dach neu eingedeckt und gedämmt, das Gebäude an das Fernwärmenetz der Stadtwerke Gießen angeschlossen. Auf der Rasenfläche legte man eine Wildblumenwiese an, stellte ein Insektenhotel auf. Die Genossenschaft befindet sich auf gutem Weg, alle Wohnhäuser energetisch zu sanieren und mit Fernwärme auszurüsten.

Der soziale Wohungsbau in Lollar wäre dann außerdem CO2-frei (klimaneutral) und taugte wohl für ein bundesweites Vorzeigeprojekt. Noch in diesem Herbst will man das Kleinklima verbessern und Schatteninseln schaffen durch Anpflanzen von 40 Laubbäumen auf den Genossenschaftsgrundstücken. Flachdachgaragen sollen, wo das möglich ist, begrünt werden.

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