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Oberhalb der Firma Weimer am westlichen Ortsrand von Ruttershausen ist ein Baugebiet geplant (Bildvordergrund). Die Erschließung führte über den Rosenweg (links im Bild) und eine Stichstraße.

Ruttershausen will nicht wachsen

  • vonVolker Heller
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Lollar (vh). Das in Planung befindliche Baugebiet »Unterm Grasweg« am Ortsrand von Ruttershausen (Richtung Wißmar) erhitzt weiter die Gemüter. Während des kommunalen Wahlkampfs im März habe ein anonymer Drohbrief vor ihrer Haustür gelegen, sagte Heidi Alt, Fraktionsvorsitzende der Grünen, jetzt im Stadtparlament. Bloß weil die Grünen das Projekt mitgetragen hätten.

Die CDU beantragte nun den Planungsstopp zugunsten einer verkleinerten Variante.

Statt 30 bis 35 Bauplätzen nur noch zehn bis zwölf Plätze lediglich auf der Westseite des bisher einseitig bebauten Rosenwegs. Nach langer Debatte einschließlich der Argumente des neuen Ruttershausener Ortsvorstehers Michael Sauer wurde der CDU-Antrag mehrheitlich abgelehnt. Deren Fraktionsvorsitzender Dr. Jens-Christian Kraft hatte zuvor namentliche Abstimmung beantragt.

Heidi Alt führte allgemeine Beschimpfungen grüner Parteimitglieder auf die Art und Weise zurück, wie die Christdemokraten das Thema im Kommunalwahlkampf behandelt hätten. Offensichtlich sollte dabei ihre Partei in Misskredit gebracht werden, sei doch der Umweltgedanke ein grünes Urthema.

Alt gab zu bedenken, man müsse die tatsächliche Bodenversiegelung und den vorhandenen Wohnraumdruck miteinander vereinbaren. Junge Leute wanderten ab, wenn sie zu Hause keine Baumöglichkeit fänden. Man könne für das Neubaugebiet Vergaberichtlinien aufstellen - etwa Vorgaben für klimaneutrales Bauen. Es solle auch Wohnraum für Senioren entstehen und Leute mit kleinem Geldbeutel.

Wolfgang Haußmann (ebenfalls Grüne) ergänzte, dass nur die größere Planvariante dafür Möglichkeiten biete. Bei nur zwölf Bauplätzen stünden dort am Ende nur Einfamilienhäuser.

Haußmann gab zudem zu bedenken, das Bauland werde ja nicht komplett versiegelt. Ökologisch gestaltete Gärten etwa könnten durchaus zu einer günstigeren Ökobilanz führen als die aktuell nach Demeter-Richtlinien bewirtschafteten Ackerflächen.

Vehement sprach sich der neue Ruttershausener Ortsvorsteher Michael Sauer (Bürgerliste Ruttershausen) generell gegen eine Ortsvergrößerung aus: »Ruttershausen braucht kein Wachstum um des Wachstums Willen. Deshalb leben wir da.«

Eine Bürgerinitiative gegen das Baugebiet habe sich jüngst gegründet, in nur zwei Wochen bereits 410 Unterschriften gesammelt.

Selbst Ackerbesitzer seien dagegen und würden lieber auf das ihnen zufließende Geld für Baugrundstücke verzichten, wenn der Ortsrand weiterhin unberührt bleibe. Sauer mahnte die Stadtverordneten: »Wenn das Verfahren weiterläuft, stellen Sie sich gegen die Mehrheit der Ruttershäuser.«

Norman Speier (SPD) wusste, alle Grundstücksbesitzer hätten aber dem Umlegungsverfahren zugestimmt. Das sei doch eigenartig. Er nannte Sauers Einsatz als Ortsvorsteher sicherlich ehrenwert, aber im Parlament »müsse man ein Gesamtbild betrachten«.

Die Rolle des im Bürgerhaus nicht anwesenden Landwirts, der die betreffenden Ackerflächen gepachtet hat und nach Demeter-Regeln bewirtschaftet, blieb während der Parlamentssitzung unklar. Ortsvorsteher Sauer stellte fest, dessen komplette Familie habe die Unterschriftenliste abgezeichnet. Der Landwirt benötige die Flächen, weil er unter anderem sein Tierfutter selbst anbauen müsse.

Hartmut Wirth (SPD) wollte im Gespräch mit dem Landwirt jedoch erfahren haben, dass jener einverstanden wäre, wenn oberhalb der Wißmarer Straße gebaut werde, die Fläche über den Rosenweg und eine Stichstraße erschlossen würde und auf eine Baulandumgehung in Richtung Wißmar verzichtet werde.

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