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Reise ins ferne Armenien

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Von: red Redaktion

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Autorin Katerina Poladjan. © pv

Lollar (pm). Am Freitag, 11. Februar, findet in der Stadt- und Schulmediothek der CBES Lollar mit der Unterstützung durch das Staatliche Schulamt für den Landkreis Gießen und den Vogelsbergkreis eine Lesung mit der Nelly-Sachs-Preisträgerin Katerina Poladjan statt. Ab 20 Uhr führt die Autorin das Publikum auf eine beeindruckende literarische Reise in das ferne Armenien.

»Vorurteile abzubauen sowie Toleranz, Offenheit und Neugier für andere Kulturen zu wecken ist uns ein zentrales Anliegen«, erläutert Annette Sander als zuständige Ansprechpartnerin beim Staatlichen Schulamt. Die Beschäftigung mit Katerina Poladjans Roman »Hier sind Löwen« böte Gelegenheit, die weißen Flecken auf unseren inneren Landkarten der Geschichte zu erkennen und diese mit Inhalt zu füllen, so Thomas Zwerina als Projektkoordinator an der CBES.

Das kleine Armenien, auf das die Welt angesichts der jüngsten kriegerischen Auseinandersetzungen mit Aserbaidschan sorgenvoll blickt, scheint nicht zur Ruhe zu kommen. Zudem leiden die Menschen noch immer am Trauma der Vergangenheit. Und genau hier setzt die Autorin mit ihrem Werk an: Auf den Spuren armenischer Buchbindekunst und der bewegten Geschichte eines kleinen Landes entdeckt die Romanfigur Helen Mazavian auch die Wurzeln ihrer eigenen Familie. Katerina Poladjan vollführt dabei als Autorin einen Kunstgriff. Sie schickt ihre Heldin nach Jerewan, wo der jungen Buchbinderin Mazavian ein zerschlissenes Buch zum Restaurieren anvertraut wird. Es handelt sich um eine uralte Familienbibel von der Schwarzmeerküste. Behutsam nähert sich Helen dem fragilen Werk, weiß sie doch so wenig von der armenischen Buchbindetradition. Die Geschichte nimmt Fahrt auf. Gebannt schauen wir der Hauptfigur über die Schulter, als sie den Buchblock freilegt, die Heftfäden der Bibel vorsichtig durchtrennt und später die schwarzen, roten und weißen Seidenfäden anbringt, die Fäden also, die alles zusammenhalten. Erstaunliches tritt zu Tage! Im Verlauf der Erzählung wird deutlich, dass die alte Bibel den Geschwisterkindern Anahid und Hrant auf ihrer Flucht 1915 als Einziges geblieben war. Helen taucht ein in die Rätsel des alten Buches, in das moderne Armenien und in eine Geschichte vom Exil, vom Verlorengehen und vom Schmerz, der Generationen später noch nachhallt.

Katerina Poladjan wurde in Moskau geboren, wuchs in Rom und Wien auf und lebt heute in Deutschland. Sie schreibt Theatertexte und Essays, auf ihr Prosadebüt »In einer Nacht, woanders« folgte »Vielleicht Marseille« und gemeinsam mit Henning Fritsch schrieb sie den literarischen Reisebericht »Hinter Sibirien«. Sie war für den Alfred-Döblin-Preis nominiert wie auch für den European Prize of Literature und nahm 2015 bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt teil. Für »Hier sind Löwen« erhielt sie Stipendien des Deutschen Literaturfonds, des Berliner Senats und von der Kulturakademie Tarabya in Istanbul. 2021 wurde sie mit dem Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund ausgezeichnet.

Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei. Wegen der aktuellen Corona-Situation wird um eine Voranmeldung an der CBES in Lollar unter Telefon 0 64 06/8 30 05 29 gebeten.

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