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Buderus Immobilien verkauft rund 200 Wohnungen in Lollar, unter anderem hier in der Friedrich-Ebert-Straße.

Rathauschefs sorgen sich um Wohnraum

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Lollar/Wetzlar (pm). Die beiden Rathauschefs Dr. Bernd Wieczorek (Lollar) und Manfred Wagner (Wetzlar) appellieren an den Bosch-Konzern, sich beim Verkauf des Wohnungsbauunternehmens Buderus Immobilien GmbH auch von sozialer Verantwortung leiten zu lassen. Für die beiden Kommunen gehe es darum, bezahlbaren Wohnraum zu erhalten und sozialverträglich weiterzuentwickeln, teilen Wieczorek und Wagner in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Bosch will sich von seinem Wohnungsbauunternehmen trennen (die Gießener Allgemeine Zeitung berichtete). Damit einher geht der Verkauf von rund 30 Mehrfamilienhäusern mit etwa 200 Wohnungen in Lollar. Hinzu kommen über 600 in Wetzlar.

Soziale Verantwortung

Das Halten und Weiterentwickeln des Wohnungsbestandes sieht Bosch nicht mehr als Kerngeschäft an. Ende des Jahres sollen die Wohnungen veräußert werden. Dazu hat der Konzern ein Auktionsverfahren eingeleitet. Für die Vermieter werde sich nichts ändern, erläuterte ein Unternehmenssprecher die Verkaufsnachricht vor rund zweieinhalb Wochen.

"Mit Besorgnis" nehmen allerdings Bürgermeister Wieczorek und Oberbürgermeister Wagner die unternehmenspolitische Entscheidung zur Kenntnis. Schließlich handele es sich bei den zum Verkauf anstehenden Wohneinheiten um solche, "die ganz überwiegend dem Segment ›bezahlbarer Wohnraum‹ zuzuordnen sind". Schaffung und Erhalt bezahlbaren Wohnraums komme in der angespannten Situation des Wohnungsmarktes besondere Bedeutung zu. Die beiden Stadtoberhäupter fürchten, dass die in den Verkauf gegebenen Wohneinheiten zu "Spekulationsobjekten" degradiert werden "und am Ende sich langjährige Mieter um ihren bezahlbaren Wohnraum sorgen müssen". Mit Blick auf die ethischen Grundsätze, die ausgehend von Firmengründer Robert Bosch zur Unternehmensphilosophie gehören, fordern Wieczorek und Wagner von Bosch, diese Grundsätze auch bei der Verkaufsentscheidung zu berücksichtigen und nicht ausschließlich Höchstgeboten zu folgen.

Die Rathauschefs erwarten vom Bosch-Konzern zudem, von den Bietern eine Gewähr zu verlangen, "dass sie die Bestände sozialverträglich weiterentwickeln oder sich einer Sozialcharta unterwerfen, mit der über mittelfristige Zeiträume Bestandsmieten gesichert" werden. Auch der "Verzicht auf Luxusmodernisierungen" könne vorgegeben werden.

Ein Unternehmenssprecher hatte erläutert, der Konzern habe sich die Bieter selbst ausgesucht. Voraussetzung beim Kauf der Wohnungen seien sozialverträgliche Kriterien. Die Mietverträge würden unverändert weiterlaufen.

Die Wohnungen in Lollar stammen überwiegend aus den 50er und 60er Jahren. Zum großen Teil handelt es sich um Sechs-Familien-Häuser. Die Buderus Immobilien GmbH wurde 1901 von mehreren Industrieunternehmen gegründet. Der Bauverein bot vor allem für die Belegschaft Wohnraum an. Preiswerter Wohnraum galt damals als Standortfaktor. Die GmbH ist aber längst am freien Markt tätig, die Wohnungen werden zu marktüblichen Preisen angeboten.

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