Eine Zielsetzung für das auf den Weg gebrachte Gutachten für ökologischeren Waldbau ist der Vorzug von Naturverjüngung statt Neupflanzung mit Gatter. FOTO: VH
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Eine Zielsetzung für das auf den Weg gebrachte Gutachten für ökologischeren Waldbau ist der Vorzug von Naturverjüngung statt Neupflanzung mit Gatter. FOTO: VH

Politik will "ganzheitlichen Überblick"

  • vonVolker Heller
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Lollar(vh). SPD und Grüne im städtischen Parlament wollen, dass der Wald insgesamt ökologischer wird und somit dessen Bewirtschaftung aufwerten. Im Forsteinrichtungswerk, der Zehn-Jahres-Inventur, ist per Gesetz die Nachhaltigkeit festgeschrieben, doch allein der achtsame Umgang mit dem Holzvorrat genügt der Mehrheitskoalition nicht. Ein unabhängiger Gutachter soll neue Wege aufzeichnen.

In diesem Sinne hat das Parlament letztlich entschieden - nicht jedoch ohne heftige Diskussion, die von einigen dem Vorfeld der hessischen Kommunalwahl im kommenden März zugeordnet wurde.

Anlässlich einer Waldexkursion hatte Revierförster Udo Steiger ausführliche Informationen zu einem klimatauglichen Waldbau geliefert. "Ein paar Schlaglichter", sagte Norman Speier (SPD). Man benötige jedoch einen "ganzheitlichen Überblick". Speier brachte zunächst die Haushaltslücke ins Spiel, hervorgerufen durch das Defizit der Forstwirtschaftspläne von 2015 (56 000 Euro) bis 2020 (70 000 Euro). Ein Gutachten soll auch die Kostenfrage abklopfen. Bisher habe niemand, einschließlich Hessen Forst, ein Gegenmittel gefunden.

Lediglich Empfehlungen

Wenn das Gutachten vorliegt, möchte Speier, dass Hessen Forst, Naturschutzbund und Jäger davon Kenntnis erlangen. Abzüglich der Förderung des Gutachtens durch das Hessische Umweltministerium verblieben noch 3000 bis 4000 Euro für Lollar. Dem Antrag für ein Gutachten liegt eine Liste bei, wie jenes inhaltlich umzusetzen wäre.

Rüdiger Pohl (CDU) staunte über den Antrag, da man eigentlich beschlossen hatte, in einer nicht öffentlichen Sitzung über den Waldbau zu diskutieren. Er habe Verständnis für eine Waldsicht nach Peter Wohlleben (der alternative Förster), aber ein "bisschen abenteuerlich" sei der Listeninhalt schon. Vor einem Jahr erst habe Lollar die neue Forsteinrichtung erhalten (Kosten: 20 000 Euro), dort stehe inhaltlich alles drin.

Speier erwiderte, abzustimmen sei der Antrag, auf der Liste stünden lediglich Empfehlungen. Für Markus Wojahn (CDU) gehörten Antrag und Liste untrennbar zusammen. Er seinerseits stellte den Antrag auf Abstimmungsverzicht und Verweis in den Ausschuss. Harald Pusch (SPD) nannte es unsinnig, über Dinge zu diskutieren, "von denen wir keine Ahnung haben" - außer dem pensionierten Förster Rüdiger Pohl. Das Gutachten solle diese Kenntnislücke schließen. Wolfgang Haußmann (Grüne) meinte, das Gutachten sei "hilfreich für qualifiziertes Grundwissen". Laut Speier gehe das Gutachten inhaltlich weiter als das Forsteinrichtungswerk. Cornelia Maykemper (FDP) fand es unlogisch, erst die Forsteinrichtung zu beschließen und hinterher anzuzweifeln. Den Verweis in den Ausschuss würde sie mittragen. Haußmann erwiderte, das Gutachten vermittle andere Blickrichtungen, also "erst das Gutachten, dann der Ausschuss".

Für den Verweis in den Ausschuss stimmten CDU und FDP, die Mehrheit lehnte das ab. Der Antrag für das Gutachten wurde dann mehrheitlich beschlossen.

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