Auf dem Schulhof der Clemens-Brentano-Europaschule in Lollar - hier ein Foto vom ersten Tag der Corona-Schließung - wird bald wieder etwas mehr Leben einkehren. Das bringt große Herausforderungen mit sich, noch ist vieles unklar. 
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Auf dem Schulhof der Clemens-Brentano-Europaschule in Lollar - hier ein Foto vom ersten Tag der Corona-Schließung - wird bald wieder etwas mehr Leben einkehren. Das bringt große Herausforderungen mit sich, noch ist vieles unklar. 

Unterricht in der Corona-Krise

Planung im Eiltempo: So wappnet sich die Lollarer Gesamtschule für den Unterricht ab 27. April

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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In gut einer Woche soll der Unterricht für Abschlussklassen wieder beginnen. Wie werden die Schüler aufgeteilt, um Abstand zu gewährleisten? Auch an der Lollarer Gesamtschule ist noch einiges unklar.

Eigentlich wollte die Schulleitung der Clemens-Brentano-Europschule (CBES) in Lollar am Freitagmorgen schon möglichst genau planen, wie der teilweise Unterrichtsstart am 27. April praktisch aussehen soll. Doch sehr weit sind sie nicht gekommen. "Wir wollen loslegen, aber noch sind viele Fragen offen", sagt Schulleiter Andrej Keller. Zwar habe er "einen guten Draht" ins Staatliche Schulamt, betont Keller. Genaue Infos darüber, welche Fächer in einem ersten Schritt in Abschlussklassen unterrichtet werden sollen, werde das Kultusministerium aber wohl erst am Montag herausgeben.

Es ist nur ein Beispiel für die schwierige Umsetzung der gelockerten Corona-Schutzmaßnahmen. Was Bundesregierung und Ministerpräsidenten am Mittwoch festgelegt haben, muss auch an Schulen nun in konkrete Konzepte gegossen werden. Es ist eine Herkules-Aufgabe, die jetzt binnen einer Woche im Eiltempo gelöst werden muss.

Schwierige Vorbereitung auf den Unterricht: Klassen werden getrennt

Immerhin ist laut Keller klar, für welche Klassen in gut einer Woche der Schulbetrieb wieder schrittweise starten soll: Zunächst sind die zehnten Klassen (Haupt- und Realschule) sowie die neunten Hauptschulklassen an der Reihe, außerdem die Jahrgangsstufe 12 in der Oberstufe, ferner stehen die mündlichen Abiturprüfungen an. Gerade für die Zwölftklässler stelle sich die Frage nach den Fächern, denn statt Hauptfächern gibt es dort Leistungskurse. "Sportunterricht wird es erstmal nicht geben", sagt Keller, denn das sei in Sachen Kontaktvermeidung am schwierigsten.

Doch wie lässt sich sicherstellen, dass bei vorerst rund 200 Schülern Abstände zueinander im neuen Schulalltag gewahrt werden können? Auch darüber hat man sich an der CBES, einer der größten Schulen im Kreis, Gedanken gemacht. Laut Keller ist geplant, die Klassen zu trennen. Ein Lehrer könnte dann zwei Gruppen in getrennten Räumen unterrichten, unterstützt von einer Assistenzkraft. Ziel sei, möglichst nur zehn Schüler in einem Raum zu haben.

Einen "Maskenzwang" gibt es nicht, doch die dringende Empfehlung, sie zu tragen, soll auch in der Schule umgesetzt werden: Der Schulelternbeirat werde dazu aufrufen, Masken zu nähen, sagt der Schulleiter. "Ich versuche am Montag noch Druckspender und Desinfektionsmittel zu bekommen, aber das könnte schwierig werden, so Keller. 40 Liter der Lösung habe er vor Wochen für 600 Euro gekauft - nun braucht auch die CBES dringend Nachschub.

Und in der Krise werden plötzlich auch weitere Produkte wichtig, berichtet Keller: "Wir haben schon 250 Meter Flatterband bestellt, damit wir in den Pausenhöfen Areale abtrennen können." Auch sollen die Pausen laut Keller versetzt stattfinden, um allzu viel Kontakt zu vermeiden. In Schulen ist das Sekretariat oft eine Anlaufstelle, wenn der Schuh irgendwo drückt. Auch für den Schutz der dortigen Mitarbeiter müssen nun Konzepte her. Die Sekretärinnen würden nun mit Plexiglas geschützt, auch solle der Zutritt dort minimiert werden, erläutert Keller.

Schwierige Vorbereitung auf den Unterricht: Anfahrt noch unklar

All die Hygiene- und Abstandsregeln für das Schülgelände würden natürlich wenig bringen, wenn die Schüler vor und nach dem Unterricht dicht an dicht in Bussen sitzen und stehen. Für ein Buskonzept sei der Landkreis als Schulträger federführend verantwortlich, so Keller. Auch zu dieser Frage gibt es an der CBES schon Ideen. Keller: "So lange Schüler keine Masken haben, werde ich dazu aufrufen, dass die mit dem Auto gebracht werden, zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen."

Ein weiteres Problem, das Keller nun sorgen bereitet: Mindestestens 20 Prozent der Pädagogen an der Schule gehörten formal zu einer Risikogruppe - aufgrund ihres Alters oder wegen Vorerkrankungen. "Wenn die alle nicht kommen, wird es schwierig. Ich habe nicht 20 Prozent Personal auf Halde", äußert sich der CBES-Schulleiter. Nach Möglichkeit sollten nun die Klassen von jenen Lehrern zum Abschluss geführt werden, die sie seit Jahren begleiten. Ob das in der Praxis klappt, wird sich zeigen.

"Am grünen Tisch ist manches leicht geregelt", sagt Keller, "aber die Umsetzung ist sehr diffizil". Und teils sei es schon frustrierend, "nun einen Riesenplan zu entwickeln" - wohl wissend, dass das Hygienekonzept bald schon wieder überholt sein könnte, wenn allmählich weitere Schüler hinzukommen. Aber das ist im Moment noch Zukunftsmusik. "Wir müssen jetzt erstmal Erfahrungen sammeln und flexibel sein", sagt Keller. "Der 27. April wird auf jeden Fall ein besonderer Schultag."

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