Die Bosch KWK Systeme am Standort Lollar in der Justus-Kilian-Straße ist bald Geschichte. Das Unternehmen stellt die Produktion ein und zieht nach Wetzlar um.
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Die Bosch KWK Systeme am Standort Lollar in der Justus-Kilian-Straße ist bald Geschichte. Das Unternehmen stellt die Produktion ein und zieht nach Wetzlar um.

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Nach Stellenabbau bei Bosch in Lollar: Gewerkschaft erhebt schwere Vorwürfe

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Bosch stellt die Fertigung von Blockheizkraftwerken in Lollar ein. Rund 60 der 160 Mitarbeiter müssen sich einen neuen Job suchen. Die Gewerkschaft macht der Chefetage schwere Vorwürfe.

Stefan Sachs redet sich schnell in Rage. »Eines ist mal klar«, poltert der Bevollmächtigte der Industriegewerkschaft Metall . »Es ist nicht die Schuld der Beschäftigten.« Der Preis der Arbeit sei nicht das Problem. »Der Betrieb war nicht tarifgebunden. Die Mitarbeiter haben immer mitgezogen. Auch schon bei der letzten Umstrukturierung. Das Bosch-Management hat hier keine Glanzleistung hingelegt«, sagt Sachs.

Der Gewerkschaftler ist gerade aus einer Mitarbeiterversammlung der »Bosch KWK Systeme« in Lollar gekommen. Dort hat die Geschäftsleitung den Beschäftigten wenige Minuten zuvor verkündet, dass es zu einer Teilschließung kommt und die BKHW-Produktion endet.

Die Information am Donnerstagvormittag kam war wohl für niemanden wirklich überraschend, aber wenn der Punkt dann erreicht ist, dann trifft es doch arg. Etlichen Mitarbeitern stand laut Sachs die Wut ins Gesicht geschrieben. Und sie haben das dem Vertreter der Geschäftsleitung auch gezeigt, als der die Nachricht überbrachte. Gewerkschafter Sachs spricht von einem »ganz bitteren Tag für die KWK und die Beschäftigten«.

Bosch KWK-Systeme zieht nach Wetzlar um

Voraussichtlich schon zum 31. August wird die Produktion von Blockheizkraftwerken in Lollar aufgegeben. Nach der Teilschließung zieht das Unternehmen nach Wetzlar um. Betroffen von den Veränderungen sind rund 160 Mitarbeiter. Vor wenigen Monaten waren es noch 170. Einige haben das Unternehmen bereits verlassen.

Bosch-Sprecherin Silke Barttels sprach gestern davon, dass Bosch sein Geschäft auf dem Feld der Kraft-Wärme-Kopplung neu aufstelle. Blockheizkraftwerke werden künftig von anderen Herstellern bezogen. Das Produktangebot soll sogar Schritt für Schritt erweitert werden. Bartels: »Rund 90 Mitarbeiter aus den Bereichen Service, Entwicklung und Verwaltung werden sich bei Bosch KWK Systeme zukünftig auf das BHKW-Servicegeschäft konzentrieren.«

So werde der Service aus eigener Hand fortgeführt. Und zwar sowohl für die bislang von Bosch verkauften Blockheizkraftwerke als auch für die neuen Produkte, mit denen man den Markt weiter bedienen will. Aber eben nicht mehr von Lollar aus: Bosch KWK-Systeme zieht nach Wetzlar um - und zwar voraussichtlich schon zum 1. Dezember dieses Jahres.

Bosch KWK Lollar: Transfergesellschaft gegründet

Damit die rund 60 Mitarbeiter aus der Produktion nicht ungebremst in die Arbeitslosigkeit gehen, wurde in den vergangenen Wochen intensiv verhandelt: So wird zum 1. November dieses Jahres eine Transfergesellschaft gegründet. Diese wird, sagt Unternehmenssprecherin Silke Bartels, von Bosch Thermotechnik finanziert und hat eine Laufzeit von maximal zwölf Monaten.

Das Ziel, so die Mitteilung des Unternehmens: Die Transfergesellschaft bietet umfangreiche Qualifizierungsmöglichkeiten und soll die Mitarbeiter bei der Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt unterstützen. Wer da eintritt, kann das folgende Jahr nutzen, um sich weiterzubilden und so die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. »So kann der eine oder andere Kollege den Weg in die Arbeitslosigkeit noch mal um ein Jahr verschieben«, sagt Sachs. Einen guten Sozialplan nennt er das aber nicht.

Bosch KWK Lollar: Was führte zum Aus?

Was letztlich zu der Entwicklung und dem nun bevorstehenden Aus geführt hat, darüber gehen die Ansichten naturgemäß auseinander: Seitens des Unternehmens heißt es: Trotz intensiver Anstrengungen seien die BHKW-Produktionszahlen bei der Bosch KWK seit Jahren zu gering, um wirtschaftlich fertigen zu können. Auch die Fokussierung auf BHKW-Module im kleinen und mittleren Leistungsbereich habe nicht ausgereicht, um ein nachhaltig positives Ergebnis zu erzielen.

Selbstverständlich habe auch ein sich verändernder Markt eine Rolle gespielt, weiß auch die IG Metall. Gleichwohl sei Kraft-Wärme-Kopplung eine zukunftsweisende Technologie. »Es waren nicht die Beschäftigten, sondern das Management. Die haben es einfach nicht gekonnt«, stellt Metaller Stefan Sachs dem Arbeitgeber kein gutes Zeugnis aus.

Bosch KWK Lollar: Firmengrundstück wird verkauft

Das Firmengrundstück soll zum Verkauf angeboten werden. Die Bosch-Gruppe selbst, die am Standort Lollar zudem mit rund 1500 Mitarbeitern Heizkessel- und Regeltechnik produziert sowie IT-Systeme fertigt und eine Gießerei betreibt, hat keinen Bedarf dafür. Es gibt genügend Flächenreserven.

Ohnehin war die »Bosch KWK« schon verkleinert worden. Etwa die Hälfte der Halle und des Grundstücks ist bereits an ein Unternehmen der Schunk-Gruppe vermietet.

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