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Das Ensemble "Reine Frauensache" in der Ruttershäuser Kirchbergkirche. Jochen Stankewitz dirigiert, Hartmut Reyl begleitet am E-Piano.

Musikalische Anbetung der Natur

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Lollar (vh). Wer dachte, in Sachen Chorgesang sei schon alles gesagt (oder gesungen), es könnte doch nichts Neues mehr geben, der wurde am Wochenende in der Ruttershäuser Kirchbergkirche eines Besseren belehrt. Ausgerechnet ein Neuling im Geschäft zog lauter frische Register. Erst im Frühjahr 2017 hatten 17 Frauen auf Initiative von Jochen Stankewitz das Chorensemble "Reine Frauensache" gegründet. Der studierte Instrumentalpädagoge leitet seit über 25 Jahren Chöre im mittelhessischen Raum und ist neuerdings auch Organist der Kreuzkirchengemeinde Wetzlar.

Experimentierfreude, durchaus vorhanden im Gesangsmetier, äußert sich häufig nach folgendem Schema: Ein Chor singt mehr oder weniger bekannte Stücke und bringt, mittendrin versteckt, eine Besonderheit in der allgemeinen Ausführung.

Das Konzertprogramm "Sound of nature" geht den umgekehrten Weg. Das verdient Anerkennung, denn ohne präzise Ausführung, die man eigentlich nur in jahrelanger Arbeit sich erwerben kann, kann so etwas in einer musikalischen Katastrophe enden.

Kirche nur halbvoll

Reine Frauensache ging praktisch volles Risiko ein, strahlte im Konzertverlauf in der leider nur halbvollen Kirche eine zunehmende Sicherheit aus. Hartmut Reyl begleitete einfühlsam am E-Piano und spielte auch verschiedene Soli.

Naturstimmungen mittels Lautäußerungen der menschlichen Stimme in Ensembleform wiederzugeben, ist ein durchaus schwieriges Unterfangen. Reine Frauensache nimmt dabei instrumentale Hilfsmittel zur Hand: etwa den "Regenmacher", eine Rahmentrommel, Klangstäbe oder Reyl an der Djembé. Die Frauen im Chor verhalfen somit einem archaischen Wesenszug zur Geltung, der indigenen Völkern noch eigen ist, der den durch und durch rationalisierten westlichen Gesellschaften aber verloren geht. Das besondere Chorkonzert war unterm Strich eine künstlerische Anbetung der Natur - voller Gefühle, aber ohne naiven Schwulst.

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