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Sabine Weiß liefert einen perfekten Krimi-Abend.

Mörderische Begegnung im Offshore-Windpark

  • VonVolker Heller
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Lollar (vh). Wenn ein Krimi-Leseabend sowohl spannend als auch unterhaltend ist, kann man ruhigen Gewissens von einem perfekten Freizeittermin sprechen. Sabine Weiß brachte dieses Kunststück jetzt fertig. In der Schulmediothek der Clemens-Brentano-Europaschule stellte sie Ausschnitte ihres neuen Krimis »Tödliche See« vor.

Weil Krimis heutzutage generell einen Beinamen benötigen, will das 380 Seiten-Werk ein Sylt-Krimi sein. Tatsächlich findet die Haupthandlung 80 Kilometer weg von der Insel auf einem Offshore-Windpark statt. Ob der offensichtliche Mord an einem der ständig anwesenden Taucher der Versorgungsplattform ebenso perfekt ausgeführt wurde, blieb bei der Lesung natürlich offen.

Weiß kannte Sylt aus den eigenen Kindertagen. Sie wuchs in Hamburg auf. Die Großstadtkinder werden gerne in das Erholungsheim für Kinder und Jugendliche »Haus Vogelkoje« geschickt. Für ihren Roman hat die Autorin freilich nochmals vor Ort gründlich recherchiert, sich in einem echten Polizeipräsidium, in einem bestehenden Windpark in der Nordsee und bei den Berufstauchern kundig gemacht. Immer dabei war ihr Ehemann, ein Fotograf. Ihren Vortrag konnte Weiß daher gut mit Bildern garnieren, diese zeigten Landschaftsstimmungen oder Ausrüstungsgegenstände. Weiß beantwortete mit großer Geduld Fragen aus dem Publikum und erzählte mit bewundernswert ausdauernder Leidenschaft.

Recherchen, Fakten und Fiktion

Man erfuhr etwa, dass sie zwei Genres bedient: den historischen Roman und den Krimi. Sie schreibt immer abwechselnd. Ein »Büchereienkind« sei sie schon immer gewesen, habe immer einen Schriftstapel mit nach Hause genommen. In ihren Krimis baut sie Elemente von Recherche, Fakten und Fiktionen ein.

Auf der Versorgungsplattform ihres gedachten Windparks leben 38 Männer und sieben Frauen. Dass in einem Offshore-Windpark überhaupt ständiges Personal vorhanden ist wie auf einer Ölbohrplattform, liegt an dessen Größe. Ähnlich wie bei den einschlägigen Fernsehkrimis (etwa à la Wallander) lässt Weiß ihre eigentliche Handlung und das Familienleben ihrer Ermittlerin, Liv Lammers, nebeneinander ablaufen.

Die einzelnen Fälle ihrer Krimi-Reihe sind stets abgeschlossen aber Livs Biografie wird ständig weiter gesponnen. Diese Kriminalerin wurde mit 16 Jahren schon Mutter. Dem mutmaßlichen Täter lässt sie ihre Zuhörerschaft mehrfach sehr nahe kommen. Er tritt auf, bleibt jedoch als Person namentlich unbekannt. Jedenfalls wird der 45-jährige Berufs- und ehemalige Marinetaucher Dennis Marzen sein Opfer, hängt in einem Gestänge unter der Plattform fest.

(Sabine Weiß, Tödliche See, Lübbe Taschenbuch, 380 Seiten, ISBN: 978-3-404-18409-5, zehn Euro, eBook, 6,99 Euro).

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