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Musiker, Komponist und Studierender: Paul Asher. Sein Konterfei vor einem Hochhaus in Leeds ziert das Cover seiner Debüt-Single, die er am Karfreitag veröffentlicht hat. FOTO: Ryan de Gold

Auslandsstudium

Lollarer veröffentlicht ein Liebeslied aus Leeds

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Mit "Down for Your Love" veröffentlicht Paul Asher seinen ersten Song. Der 21-Jährige heißt eigentlich Paul Galette, kommt aus Lollar Salzböden und hat in Leeds seine neue Heimat gefunden-

Etwas trist ist er schon, der Alltag in Corona-Zeiten. Trist könnte das Leben angesichts der Ausgangssperre in der Wahlheimat auch für Paul Asher sein. Ist es aber nicht. Der 21-Jährige lebt in der englischen Stadt Leeds, heißt eigentlich Paul Galette, kommt aus Lollar-Salzböden und hat vor einigen Tagen seine Debüt-Single veröffentlicht: "Down for Your Love".

Romanze als R & B-Song

Nicht nur in der ehemaligen Heimat Salzböden dürfte nun mancher Musikfreund hellhörig werden. Mit seinem Liebeslied aus Leeds betritt Paul Asher persönliches Neuland, denn die Komposition aus seiner eigenen Feder ist jetzt übers Internet weltweit verfügbar.

In dem R & B-Song "Down for Your Love" arbeitet er seine Liebesbeziehung zu einer Frau auf, die im Sommer 2019 endete - aber die dennoch nicht ganz vorbei ist. Das Stück reflektiert die gemeinsame Zeit und zeigt Möglichkeiten auf, dass es für die Romanze trotz allem noch eine Chance geben könnte - aber eben nicht um jeden Preis.

Neues Zuhause in Nordengland

Im Januar war Asher so weit, dass er seine Gedanken in Worte fassen konnte. Er schrieb Text und Melodie und arrangierte den Song, den er dann im März in einem Studio seiner Universität, dem renommierten Leeds College of Music, aufnahm.

Seine neue Heimat in der nordenglischen Grafschaft Yorkshire möchte der 21-Jährige heute nicht mehr missen. "Nach England zu gehen, das war die beste Entscheidung meines Lebens", versichert er gegenüber der Gießener Allgemeinen Zeitung. Dabei hatte er seinerzeit diese Option nicht "auf dem Zettel".

Boyce Avenue als Vorbild

Im Mai 1998 wurde Asher in Gießen geboren, er wuchs zunächst in Offenbach auf, dann zog die Familie nach Salzböden um; der kleine Paul besuchte dort die Grundschule. Bereits als Siebenjähriger kam er mit dem Gitarrenspiel in Kontakt, hegte aber zunächst eher eine Abneigung gegen das Saiteninstrument. Als Heranwachsender änderte sich seine Einstellung.

Paul Asher wünschte sich und bekam seine erste Gitarre. Spätestens seit dem 14. Lebensjahr zieht sich die Musik wie ein roter Faden durch sein Leben. Er spielte zunächst Songs seiner musikalischen Vorbilder, der US-amerikanischen Alternative-Rock-Band Boyce Avenue. Im Alter von 15 Jahren schrieb er die ersten eigenen Stücke. "Aber die waren ziemlich schlecht", sagt er heute selbstkritisch.

Erster Auftritt im "Ulenspiegel"

Nach und nach entwickelte er seinen eigenen Stil, entdeckte auch das Singen für sich, arbeitete in der Folgezeit mit einer handvoll Gesangslehrern zusammen. 2014 zählte er als Jüngster zu jenen jungen Talenten, die sich in der Reihe "Open Stage" im Gießener "Ulenspiegel" das Mikrofon in die Hand gaben. Weitere Auftritte folgten, etwa auf dem Gießener Stadtfest.

Tod des Vaters ist eine Zäsur

Der plötzliche Tod des Vaters im Januar 2018 stellte eine Zäsur für den jungen Mann dar (siehe Kasten); bemerkenswert, dass er sich noch im gleichen Jahr auf das "Abenteuer England" einließ. Auslöser war mitten in der Durchhängephase nach dem Abitur ein eher zufälliges Treffen im Gießener Europaviertel mit seiner langjährigen Gesangslehrerin Julie Thompson. Sie stammt aus England, arbeitet mittlerweile in Leeds und sah für Asher eine Zukunft in einem Bachelor-Studiengang am dortigen College of Music. "Bewirb dich, die Frist ist noch nicht verstrichen", hatte sie empfohlen.

Debüt mitten in der Corona-Krise

Gesagt, getan. Zwei Wochen vor Semesterbeginn im September 2018 kam die Zusage. Asher packte zwei Koffer und seine Gitarre und machte sich von Salzböden aus auf den Weg in die nordenglische Großstadt (rund 475 000 Einwohner), wo er seitdem "Popular Music and Vocal Performance" studiert.

Die ersten drei Wochen fand er eine Bleibe in einer Airbnb-Unterkunft, inzwischen teilt er sich mitten in Leeds eine Wohnung mit Ben, seinem besten Freund. Die Veröffentlichung der Debüt-Single war gut getaktet: Als Sänger hat Asher gemeinsam mit seinem Kommilitonen Isaac (Gitarre) bereits etliche Konzerte in den Bars und Musikkneipen von Leeds gegeben, jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, intensiv die Werbetrommel zu rühren, um die Grundlage für weitere Auftritte zu legen.

Ziel: Von der Musik leben

Die Corona-Krise beschert Großbritannien eine mehrwöchige Ausgangssperre. Der Uni-Betrieb ruht, das öffentliche Leben ebenfalls.

Asher macht aus der Not eine Tugend - und nutzt die Zeit, um weitere Songs zu schreiben. Als er nach England ging, hatte er sich vorgenommen, ein Star zu werden. Heute sieht der 21-Jährige seine Zukunft, die Zeit "nach Corona" klarer. Wenn alles gut geht, wird er 2022 seinen Master-Abschluss machen. Und dann? "Mein Ziel ist es, später so viel wie möglich Musik zu machen und von der Musik zu leben", sagt Asher.

Großmutter, Mutter und Schwester leben noch heute in Salzböden, wohin es den Wahl-Briten mittlerweile bis zu dreimal im Jahr zieht. Sein Lebensmittelpunkt soll aber weiterhin - allen Brexit-Folgen und -Diskussionen zum Trotz - in Leeds sein: "Hier ist das Miteinander einfach anders", sagt Paul Asher, und: "Man lebt immer nur eine Ecke entfernt von ›großen‹ Namen der Musikindustrie."

"Down for Your Love", Paul Ashers Liebeslied aus Leeds, ist seit Karfreitag auf allen gängigen Plattformen wie zum Beispiel iTunes, Amazon Music, Google Play oder Spotify zu hören (Instagram: paulxasher).

Persönlich: Künstlername Asher

Paul Galette hat seinen Künstlernamen mit Bedacht gewählt: "Paul Asher" ist eine Hommage an seinen im Januar 2018 verstorbenen Vater Jürgen Ascher-Galette. "Nach seinem Tod bin ich erstmal in ein Loch gefallen", sagt der heute 21-Jährige. Schon damals hat Paul sich durchgebissen: Im März/Mai 2018 absolvierte er sein Abitur an der Clemens-Brentano-Europaschule in Lollar/Staufenberg. Heute sagt er: "Wenn man hart arbeitet für etwas im Leben, dann wird man auch belohnt". ik

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