In der Aula der Clemens-Brentano-Europaschule ist schon alles für die Abnahme des zweiten Staatsexamens vorbereitet. Von Mittwoch an werden 102 Medizinstudenten aus Gießen ihre Prüfung ablegen. FOTO: GECK
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In der Aula der Clemens-Brentano-Europaschule ist schon alles für die Abnahme des zweiten Staatsexamens vorbereitet. Von Mittwoch an werden 102 Medizinstudenten aus Gießen ihre Prüfung ablegen. FOTO: GECK

Staatsexamen

Lollarer Schule hilft Gießener Uni aus der Patsche

  • Alexander Geck
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Die Corona-Krise sorgt für organisatorische Herausforderungen. Auch Medizinstudenten müssen bei ihren Prüfungen zwei Meter Abstand zueinander halten. Die Folge ist ein Platzproblem.

Die Corona-Krise sorgt für organisatorische Herausforderungen. Auch Medizinstudenten müssen bei ihren Prüfungen zwei Meter Abstand zueinander halten. Die Folge ist ein Platzproblem, für das es nun eine ganz unbürokratische Lösung gibt: Die Clemens-Brentano-Europaschule hilft der Uni aus der Patsche.

Studenten drückend die Schulbank

Es dürfte eine etwas ungewöhnliche Szenerie sein, die sich ab dem morgigen Mittwoch an der Clemens-Brentano-Europaschule in Lollar/Staufenberg abspielen wird. Mehr als 100 Medizinstudenten aus Gießen werden dort in den kommenden Tagen noch einmal die Schulbank drücken. Obwohl das nur bildlich gesprochen ist. Es geht nicht etwa um schulische Sonderschichten, sondern um das zweite Staatsexamen.

Lösung für "Hammer-Examen"

Mit den vorgeschriebenen Abstandsregeln im Zuge der Co rona-Pandemie-Eindämmung standen die Organisatoren der Prüfungen vor ein paar Wochen plötzlich vor einem massives Platzproblem, und zwar hessenweit.

Für eine der nun gefundenen Lösungen hat die CBES gesorgt. Sie stellt den angehenden Medizinern für das sogenannte "Hammerexamen" mehrere Räume zur Verfügung. Beim hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen (HLPUG) in Frankfurt ist man froh über die kurzfristige und unbürokratische Aktion: "Sie haben uns aus der Patsche geholfen", sagt die zuständige Mitarbeiterin.

Spontane Zusgae der CBES

Der Landkreis hatte bei den hiesigen Schulen angefragt, die CBES sagte spontan zu. Schulleiter Andrej Keller berichtet, dass bereits vorvergangenen Donnerstag ein Mitarbeiter der HLPUG-Außenstelle Marburg die Räume auf ihre Eignung hin inspiziert und fotografiert habe. Das Aufsichtspersonal werde ebenfalls vom HLPUG organisiert, Lehrer der CBES seien nicht involviert, sagt Keller.

Abstand akkurat ausgemessen

Zupass kommt der Schule bei ihrem Hilfsangebot, dass sie kürzlich die Abiturprüfungen durchgeführt hat. So standen teilweise schon Tische und Stühle akkurat ausgerichtet bereit. Die zwei Meter Abstand wurden extra mit dem Zollstock genau abgemessen, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen.

Reinigungskräfte, die derzeit eigentlich Überstunden abfeiern, werden vom Landkreis zur Verfügung gestellt, die die Räume vorab schon einmal desinfiziert haben. Türklinken und Toiletten werden an den Prüfungstagen in kurzen Intervallen gereinigt. Zudem werden Spender mit Desinfektionsmitteln aufgestellt. Auch das wurde gewissermaßen bei den Abiturprüfungen schon geübt. Man hat also auf diesem Gebiet praktische Erfahrungen gesammelt.

Platz für 25 Mediziner in der Aula

Kosten entstünden der CBES praktisch keine, meint Keller. "Und wenn schon. Es geht darum, dass die Studenten in die Krankenhäuser kommen", ordnet er das Ganze gesellschaftspolitisch ein. Immerhin steht nach der Prüfung das Praktische Jahr an.

Doch zunächst kommen die Studenten der Humanmedizin eben in die CBES. Die Aula wird an den Prüfungstagen Platz für 25 der angehenden Mediziner bieten. Die weiteren Plätze stehen im Oberstufentrakt und im großen Kunstraum zur Verfügung. Auf die Frage, ob dieser Akt der Unterstützung fortgeführt wird, sagt Keller, dass dies wohl doch eher eine einmalige Sache sei.

Enorme Solidarität

Prinzipiell, sagt Keller, spüre er, dass die Solidarität in seinem Umfeld angesichts der Corona-Krise enorm sei. So hätten sich etwa für die Schülerbetreuung in kürzester Zeit Kollegen freiwillig gemeldet, auch wenn das Betreuungsangebot derzeit doch nicht genutzt werden müsse. Ebenso würden andere Hilfeersuchen von der Schulverwaltung in den Verteiler aufgenommen - mit durchweg positiven Reaktionen.

Mit großem Aufwand zum Erfolg

Wie der Leiter des HLPUG, Christof Diefenbach, auf Anfrage mitteilte, wird im Landkreis Gießen auch noch an anderen Standorten, etwa in der Kongresshalle oder in Allendorf geprüft. Hessenweit noch in Mühlheim (Universität Frankfurt), Marburg, Cölbe und Schönstadt (Universität Marburg).

Die Probleme hätten darin bestanden, sehr kurzfristig genug Räume zu finden, in denen die Prüfungen abgehalten werden können, und sie mit Aufsichtspersonal auszustatten, sagt Diefenbach. Dies sei jedoch mit sehr großem Aufwand gelungen. Alle rund 400 Studenten hätten somit die Möglichkeit, am zweiten Staatsexamen (M2) teilzunehmen. Die schriftlichen Prüfungen M1 seien abgeschlossen, die mündlich-praktischen Teile M1 und M3 stünden im Mai an und sollten auch durchgeführt werden.

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