Wann das "Hexenhäuschen" gebaut wurde, wissen die Lollarer heute auch nicht mehr so genau. Gepicknickt wurde hier wohl schon in den 1950ern.	FOTO: JWR
+
Wann das »Hexenhäuschen« gebaut wurde, wissen die Lollarer heute auch nicht mehr so genau. Gepicknickt wurde hier wohl schon in den 1950ern.

Gebäude am Stadtwald

Lollar: Brandruine „Hexenhäuschen“ birgt Geheimnisse – und Gefahren

  • vonRedaktion
    schließen

Erbaut als Jagdhaus, dann Brandruine, inzwischen auch Stein des Anstoßes: Das »Hexenhäuschen« am Lollarer Stadtwald ist ein besonderer Ort, doch es gibt auch Sorge vor Gefahren. Wie es mit dem Gebäude in Privatbesitz weitergeht, ist unklar.

Lollar – Wer an der Lollarer Grillhütte am Waldrand nahe dem Schwimmbad weilt oder dort einen Waldspaziergang unternimmt, dem wird dieser verlassene Ort unweigerlich auffallen: Auf einem verwilderten Grundstück unterhalb des Grillplatzes, direkt am Wegesrand, fristet ein altes Gebäude ein tristes Dasein. Über den nackten Mauern bildet ein Holzgerippe das Obergeschoss. Der Wind lässt die blaue Plastikplane am Dach flattern.

Seit jeher ist das Gebäude in Privatbesitz und somit kein öffentlicher Ort. Trotzdem verbinden viele Lollarer Erinnerungen damit, auch Gerhard Born. »Als Kind hätte man sich da früher nicht reingetraut«, sagt er. Damals, erzählt er, habe ein Schild hier vor »Selbstschussanlagen« gewarnt. Die kindlichen Versuche, die Anlage durch Steinwürfe auszulösen, seien aber nie geglückt.

Lollar: „Hexenhäuschen“ als Gefahr für spielende Kinder?

Auch andere Lollarer berichten nostalgisch von Erkundungsgängen im »Hexenhäuschen«. Doch Born, der für die Lollarer Grünen im Magistrat sitzt, sieht diesen Ort heute mit anderen Augen. Da das einstige Jagdhaus heute nicht mehr umzäunt und leicht zugänglich sei, gehe von dem inzwischen ungenutzten und verwitterten Gebäude eine Gefahr aus - etwa für Kinder, die vom Grillplatz nebenan diesen »Abenteuerspielplatz« erkunden. Petra Schubert, die für die Lollarer Grünen im Parlament sitzt, pflichtet Born bei: »Es verfällt quasi wöchentlich mehr. Irgendetwas müsste hier passieren.«

Wie lange das Häuschen schon steht, wissen die Lollarer heute auch nicht mehr so genau. Hartmut Bierau, Stadtrat und in den 1990ern Ortsvorsteher, kennt es noch als »wunderschönes Jagdhaus«. Seine hochbetagte Mutter habe hier schon in den 1950ern gepicknickt - und es sei gut vorstellbar, dass das Haus vor dem Zweiten Weltkrieg erbaut wurde. Ob damals eine ordentliche Baugenehmigung erteilt wurde, sei fraglich.

Lollar: Brand war Todesstoß für „Hexenhäuschen“

Seit wann es mit dem Haus bergab geht, lässt sich genauer sagen: Vor Jahren, berichten Born und Schubert, habe das Häuschen gebrannt und sei nicht wirklich wieder instand gesetzt worden. Marco Kirchner ist das Feuer noch in Erinnerung. Er ist heute Stadtbrandinspektor, damals, im April 1998, war er stellvertretender Wehrführer in Lollar. »Wir kamen hin, als das Ding schon in Vollbrand stand«, blickt er zurück. Man habe nicht mehr viel tun können. Zum Glück gebe es keine angrenzenden Gebäude, und bei dem Brand sei niemand zu Schaden gekommen.

Für das »Hexenhäuschen« war das Feuer dagegen wohl eine Art Todesstoß. Seither, berichten Born, Schubert und andere Lollarer, habe sich dort nicht mehr viel getan. »Das ist auch optisch nicht schön«, findet Schubert. »Eine Ruine kann ja auch schön aussehen, aber das ist ein Schandfleck. Das Thema schwelt seit Jahren, da muss doch mal irgendeiner sagen: Ende Gelände!« Schubert und Born halten es für dringend geboten, dass die Eigentümer handeln. Das Grundstück müsse eingezäunt, das Jagdhaus instandgesetzt oder aber abgerissen werden. Bislang sei hier ihres Wissens zum Glück niemand zu Schaden gekommen.

Lollar: Ehemaliges Jagdhaus in Privatbesitz

Neben einem potenziellen Sicherheitsrisiko sehen sie auch eine Gefahr für die Umwelt. Schubert zeigt auf verteilte blaue Plastikfetzen, die offenbar von der Plane am Dach abgerissen sind. Die Fetzen, fürchtet sie, könnten sich im Wald verteilen.

Auch Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek weiß um den Zustand des alten Jagdhauses. Schubert hat dazu ein paar Anfragen gestellt. »Es ist unstrittig, dass da was getan werden muss«, sagt Wieczorek. Doch die Stadt sei dafür der falsche Ansprechpartner, sie habe keine rechtliche Handhabe. »Es ist ein Privatgrundstück«, sagt Wieczorek, »es gibt kein Zugriffsrecht der Stadt«. Man habe nur die Möglichkeit, den baufälligen Zustand bei der zuständigen Kreis-Bauaufsicht anzuzeigen - und dies auch getan.

Lollar: Kreis-Bauaufsicht nimmt „Hexenhäuschen“ in den Fokus

Wieczorek sieht bei dem alten Jagdhaus »die Bestandssicherheit und Verkehrssicherungspflicht infrage gestellt«. Der Rathauschef erinnert aber auch daran, dass Eltern Verantwortung trügen, wenn Kinder vom Grillplatz nebenan die Ruine erkunden: »Sie haben die Aufsichtspflicht.«

Die Kreis-Bauaufsicht will sich auf GAZ-Anfrage Anfang der Woche zu dem Thema äußern. Wie es mit dem geheimnisvollen »Hexenhäuschen« weitergeht, scheint ungewiss.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare