Gestalterische Freiheit oder Naturfrevel? Schottergärten beschäftigen nun auch die Lollarer Politik. SYMBOLFOTO: DPA
+
Gestalterische Freiheit oder Naturfrevel? Schottergärten beschäftigen nun auch die Lollarer Politik. SYMBOLFOTO: DPA

Antrag der Grünen

Lollar diskutiert über Schottergärten-Verbot

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
    schließen

Frevel oder gestalterische Freiheit? Schottergärten sind auch in Lollar umstritten. Nun geht es um eine Satzung zu dem Thema, auch die Ortsbeiräte sollen sich einbringen.

Grau statt grün, Steine statt Pflanzen: Sogenannte "Schottergärten" sorgen in etlichen Kommunen für Unmut. Sie gelten vielen als optischer Frevel, aber auch aus ökologischen Erwägungen heraus sind steinerne Vorgärten teils in Verruf geraten. Doch inwieweit sollte die Kommunalpolitik Grundstücksbesitzern überhaupt vorschreiben, wie sie Flächen an ihrem Haus gestalten dürfen? Dieses Thema hat am Donnerstag die Lollarer Stadtverordneten beschäftigt.

Anlass war ein Antrag, den die Grünen bereits im März gestellt hatten. Darin fordern sie, "die flächige Gestaltung von Hausgärten mit Steinen, Kies, Schotter oder ähnlichen Baustoffen durch die Erstellung einer entsprechenden Gestaltungssatzung auszuschließen". Der Antrag enthält auch konkrete Vorschläge für die Umsetzung: Demnach sollen Grundstücks-Freiflächen, die nicht als Stellplätze, Zufahrten oder Wege benötigt werden, unversiegelt bleiben und "gärtnerisch als Zier- und Nutzgärten" angelegt werden.

Schottergärten definieren die Grünen als "großflächig mit Steinen bedeckte Flächen beziehungsweise Flächen, auf denen hauptsächlich Steine zur Gestaltung verwendet werden und Pflanzen nicht oder nur in geringer Zahl vorkommen". Diese sollen auf Freiflächen "nur begrenzt zulässig sein". Weiter fordert die Fraktion als Inhalt einer Satzung: Schüttungen auf maximal zehn Prozent der Baugrundstücksfläche, Deckungsgrad von Pflanzen von mindestens 80 Prozent, keine wasserundurchlässige Folie als Untergrund. Für bestehende Versiegelungen schlagen die Grünen einen Bestandsschutz vor.

Diskussion über Schottergärten: Wer soll kontrollieren?

Auch für künftige Bebauungspläne sollen laut Antrag diese Kriterien schriftlich festgesetzt und bei Baulandverkäufen aus Flächen bestehender Bebauungspläne diese Verpflichtung in Kaufverträge aufgenommen werden. Ferner soll die Stadtverwaltung Betroffene mit Info-Material zu "standorttypischen und insektenfreundlichen Pflanzen" unterstützen.

Von der SPD wurde der Vorstoß am Donnerstag begrüßt: "Ich finde, das ist eine ganz wesentliche Geschichte", sagte Harald Pusch, Vorsitzender des Bauausschusses. Der Vorschlag schließe jedes Baugrundstück ein, differenziere zwischen Bestand und neuen Flächen. Allerdings müsse man schauen, "wer das alles kontrollieren soll, das ist ein bisschen der Pferdefuß". Nichts zu tun, sei aber auch keine Option.

Die Schottergärten seien "ein sehr emotionales Thema", sagte Cornelia Maykemper (FDP). "Wir als Liberale tun uns schwer damit, wieder neue Verordnungen an die Bürger zu geben", so die Fraktionsvorsitzende weiter. Sie sei dafür, an die Vernunft der Grundstücksbesitzer zu appellieren - und warf ebenfalls die Frage auf, wie eine solche Satzung kontrolliert werden sollte. Ferner müsse die Stadt auch vor der eigenen Haustür kehren: "Dann sollten wir an unser Rathaus rangehen und gucken, wie viel Schotter da ist." Maykemper weiter: "Wenn wir keinen Schotter mehr haben wollen, müssen wir auch ziemlich rigide bei uns anfangen."

Diskussion über Schottergärten: Weniger Arten, mehr Hitze

Die Grünen unterstreichen im Antrag indes auch die ökologische Komponente: Der Vorschlag sei "ein Baustein, dem ungebrochenen Rückgang von Arten und genetischer Vielfalt und dem Verlust von Lebensräumen zu begegnen". Gerade in Neubaugebieten führe Versiegelung zu Problemen, etwa zu einem erhöhten Überschwemmungsrisiko bei Starkregen. Auch monieren sie eine Verringerung von Blühflächen, die als Lebensraum für Insekten notwendig seien. Zudem gehe mit Versiegelung gerade im Sommer eine Überhitzung von Flächen einher - und mehr Hitze führe zu einem ungesunderen Klima und höherem Bewässerungsbedarf.

Der Antrag wurde im Parlament bei einer Enthaltung einstimmig gebilligt - samt der SPD-Anregung, vor einer Behandlung im Bauausschuss auch die Ortsbeiräte zu hören.

Zusatzinfo: Parlament tagt mit viel Abstand

Die Lollarer Stadtverordnetenversammlung hat am Donnerstag erstmals seit dem Corona-Lockdown wieder getagt. Zwischenzeitlich war der Hauptausschuss als "Eilausschuss" zusammengetreten. In der öffentlichen Sitzung des Parlaments saß man nun an Einzeltischen und hielt Abstand zueinander. jwr

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare