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Drei Mitarbeiter klagen gegen ihren Arbeitgeber Bosch Thermotechnik und fordern, in eine höhere Gehaltsgruppe zu kommen. Das Symbolfoto zeigt den Arbeitsplatz eines Industriemechanikers. Foto: dpa

Arbeitsgericht

Bosch-Mitarbeiter wollen sich in höhere Gehaltsgruppe klagen

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Weil sie aus ihrer Sicht falsch eingruppiert sind und unzureichend vergütet werden, klagen drei Industriemechaniker gegen ihren Arbeitgeber. Eine gütliche Einigung ist nun gescheitert.

Lollar - Was ist eine konkrete Tätigkeit in einem Unternehmen wert - und ab wann kann sie als qualifiziert gelten? Diese nicht ganz einfach zu beantwortende Frage beschäftigte am Montag das Gießener Arbeitsgericht. Drei Industriemechaniker klagen gegen ihren Arbeitgeber, die Bosch Thermotechnik GmbH. Sie fordern die Eingruppierung in eine höhere Gehaltsgruppe, konkret von E3 auf E5. Wie einer der Kläger am Rande des Gerichtstermins sagte, beträgt die Gehaltsdifferenz 316 Euro (Grundentgelt).

Beim Gütetermin ging es nun darum, ob sich die Konfliktparteien einigen können. Sie kamen diesmal auf keinen gemeinsamen Nenner, daher wird eine Kammer des Arbeitsgerichts sich in der Hauptverhandlung im kommenden Jahr noch einmal mit dem Rechtsstreit beschäftigen.

Klage aus Lollar wegen Eingruppierung: Bosch sieht keinen Handlungsbedarf

Das Unternehmen, vor Gericht vom Arbeitgeberverband Hessenmetall als Bevollmächtigtem vertreten, sieht die bisherige Eingruppierung als nach wie vor gerechtfertigt an. 

Für die von den Klägern geforderte Gehaltsgruppe E5 brauche es Fertigkeiten, die in einer dreijährigen Ausbildung erworben werden. Für die Arbeit, die die Kläger am Bosch-Standort Lollar verrichten, sei aber lediglich eine recht kurze Einarbeitung nötig. Dass die Mitarbeiter ausgebildete Industriemechaniker sind und eine dreijährige Ausbildung durchlaufen haben, sei nicht ausschlaggebend, sondern die konkrete Tätigkeit. "Ein Professor, der diese Tätigkeit ausübt, würde auch E3 bekommen", hieß es seitens der Beklagten. Man habe kürzlich die Arbeitsplätze der drei Kläger am Bosch-Standort Lollar noch einmal in Augenschein genommen und "nichts gesehen, was über E3 hinausgeht".

Das sieht die Gegenseite völlig anders: Der Anwalt der Kläger äußerte den Eindruck, dass der Unternehmensführung nicht wirklich klar sei, was die Mitarbeiter am Arbeitsplatz konkret tun. Die drei seien derzeit die einzigen im Unternehmen, die für diese Arbeit über das nötige Know-how verfügten. 

Klage aus Lollar wegen Eingruppierung: Wie viel Fachkenntnis ist nötig?

Laut einem der Kläger geht es um die Bedienung zweier Maschinen, mit denen Platinen für Heizkessel mit kleinen elektronischen Bauteilen bestückt werden. Das System sei fehleranfällig und es bedürfe einiger Fachkenntnis und einer spezifischen Ausbildung, um die Maschinen wieder in Gang zu bringen. Die Arbeit basiere auf "Erfahrung und Learning-by-doing" - was wiederum für eine qualifizierte Tätigkeit und höhere Entlohnung spreche. Laut Klägerseite wurde der Antrag auf eine höhere Eingruppierung im Januar gestellt, Anfang Mai sei die Absage vom Arbeitgeber gekommen. Bis in der Sache entschieden wird, werden nun noch ein paar Monate vergehen: Richter Tim Schömig stellte fest, dass die Güteverhandlung erfolglos verlief. Die zentrale Frage sei, wie viel Entscheidungsspielraum die drei auf Wartung spezialisierten Industriemechaniker am Arbeitsplatz haben und ob es dafür eine fachspezifische Ausbildung brauche. Eine Frage, die in der Hauptverhandlung das Gericht noch einmal beschäftigen wird.

Im Anschluss an diesen Gütetermin fand noch ein weiterer statt, bei dem etwa ein Dutzend Mitarbeiter von Bosch Thermotechnik gegen den Arbeitgeber klagen. Sie werden, wie auch im ersten Fall, gewerkschaftlich vertreten. Inhaltlich geht es um Zuschläge für Nachtarbeit - ein Bereich, der laut Richter Schömig zurzeit mehrfach Thema vor Gericht ist.

Die Parteien waren sich einig, dass es sich in diesem Fall lohne, die Ergebnisse der laufenden Verhandlungen zwischen den Tarifparteien zu diesem Thema abzuwarten. Eine Einigung fand vorerst nicht statt, auch in dieser Sache steht nun im kommenden Jahr ein Kammertermin mit Urteilsspruch an.

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