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1,6 Kilo Marihuana an Polizei verkauft

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Von: Steffen Hanak

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Weil er 1,6 Kilogramm Marihuana verkauft hat, ist ein Mann aus Lollar verurteilt worden. Dass er erwischt wurde, ist auch der amerikanischen Kriminalpolizei zu verdanken.

Dieses Drogengeschäft ging in die Hose. Vor gut zwei Jahren witterte ein 24-Jähriger das große Geld und verkaufte Marihuana im Wert von fast 14 000 Euro. Was er nicht wusste: Der potenzielle Kunde war ein Polizist. Und zwar nicht irgendein Beamter, sondern ein verdeckter Ermittler der amerikanischen Kriminalpolizei. Am Montag kassierte der angeklagte Lollarer dafür die Quittung. Ein Schöffengericht des Gießener Amtsgerichts verhängte zwei Jahre Haft auf Bewährung.

Wie kamen die amerikanischen Behörden ins Spiel, obwohl die Drogen im heimischen Raum – unter anderem auf dem Parkplatz des Lollarer Waldschwimmbades – übergeben wurden? Anfangs soll der Verdacht bestanden haben, ein amerikanischer Soldat sei in die Drogengeschäfte verwickelt gewesen. Mit Verweis auf noch bevorstehende Verhandlungen gegen weitere Verdächtige und weil ein verdeckter Ermittler der Amerikaner im Spiel gewesen war, wollte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sich nicht zu weiteren Details äußern.

Namen des Dealers verschwiegen

Dafür war das Geständnis des Angeklagten umfassend. Über seinen Verteidiger Henner Maaß räumte er die Vorwürfe ein. Er sei jahrelang selbst drogensüchtig gewesen. Seit etwa zwei Jahren habe er aber kein Marihuana mehr angerührt, beteuerte der Mann. Das habe mit der Geburt seiner Tochter zu tun gehabt. Außerdem stehe er nun als Gastronom »fester auf eigene Beinen«.

Von wem er selbst die großen Mengen Drogen – erst 100, dann 500 und 1000 Gramm – bezogen hat, wollte der Lollarer nicht preisgeben. Maaß erläuterte, sein Mandant habe vermutlich Schulden bei dem Dealer gehabt. Dessen Namen nicht zu nennen, sei eine »friedensstiftende Maßnahme«. Er forderte zwei Jahre Haft auf Bewährung für den nicht vorbestraften Angeklagten. Der hatte die Drogen in allen drei Fällen an einen bereits gefassten Mittäter weitergegeben, der sie dem verdeckten Ermittler verkaufte. Das Marihuana sei deshalb komplett beschlagnahmt worden und nicht auf den Markt gelangt, argumentierte Maaß. Er sprach von minderschweren Fällen. Dem schloss sich Strafrichter Jürgen Seichter an. Allerdings verhängte er vier statt der üblichen drei Jahre für die Bewährungszeit. Als Auflage muss der Verurteilte 300 Stunden sozialer Arbeit ableisten. Staatsanwältin Sandra Scheffel hatte zweieinhalb Jahre Gefängnis gefordert.

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