Der Dorfladen in Ruttershausen bleibt sonntags geschlossen. FOTO: LKL
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Der Dorfladen in Ruttershausen bleibt sonntags geschlossen. FOTO: LKL

Kein Sonntagseinkauf in Ruttershausen

  • vonLena Karber
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Lollar(lkl). Eigentlich sollte der Dorfladen in Ruttershausen seit dem vergangenen Wochenende auch sonntags geöffnet haben. Aufgrund von kritischen Stimmen aus dem Dorf, die dafür keine Notwendigkeit sahen, hat das Hofgut Friedelhausen, das den Laden betreibt, jedoch kurzfristig von den Sonntagsöffnungszeiten Abstand genommen.

"Wir hatten uns überlegt, dass die zusätzlichen Öffnungszeiten ein gutes Angebot für das Dorf gewesen wären, um die Einkaufzeiten zu entzerren", erklärte Bettina Brandt, Pressesprecherin der Hofgemeinschaft.

Da der ebenfalls vom Hofgut betriebene Hofladen in Friedelhausen aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen ist, habe man einen erhöhten Andrang in Ruttershausen befürchtet. Und da dort nur vier Personen gleichzeitig in den Laden dürfen, hätte man Wartezeiten minimieren wollen.

Zudem sei es auch um das Personal gegangen. "Wir wollten unsere Mitarbeiter, die im Hofladen im Moment nicht beschäftigt werden können, in Ruttershausen einsetzen, um Kurzarbeit zu verhindern."

Bevor diese Argumente von Seiten der Hofgemeinschaft kommuniziert wurden, war unter den Mitgliedern des Freundeskreises, einer Gruppe von Unterstützern des Dorfladens, die Diskussion jedoch schon entfacht. Vertriebsleiter Michael Schmidt verkündete daher, von den Plänen Abstand zu nehmen.

Pressesprecherin Brandt führt den Verlauf der Ereignisse auf ein Kommunikationsproblem zurück. "Da man im Moment täglich neu schauen muss, was möglich und erlaubt ist, haben wir die Entscheidung relativ spontan getroffen", sagt sie.

In anderen Fällen habe es im Vorfeld ein Gespräch mit den Mitgliedern des Freundeskreises gegeben. "In einem direkten Gespräch hätte man sich auch gegenseitig die Argumente besser erklären können", meint sie.

Trotz der Entscheidung, keine zusätzlichen Öffnungszeiten einzuführen, sei für die Mitarbeiter keine Kurzarbeit geplant, betont Brandt. "Wir akzeptieren die Situation und müssen jetzt eben schauen, wie wir unser Verkaufspersonal beschäftigen", sagt sie und fügt zuversichtlich an: "Aber das schaffen wir auch." Eine Aushilfe, die man angeheuert habe, komme nun nicht, und das restliche Personal des geschlossenen Hofladens in Friedelhausen werde auf dem dortigen Hofgut anderwertig eingesetzt. Dort arbeiten normalerweise Menschen mit Behinderung in sogenannten Werkstätten, die nun geschlossen sind.

Die Produktion wird aktuell nur von den Mitarbeitern ohne Behinderung aufrechterhalten. Diese könnten nun durch das Personal des Hofladens unterstützt werden. "Es laufen jetzt viele Dinge anders, als wenn hier voll gearbeitet wird", sagt Brandt. "In den Produktionsbereichen, etwa in der Käserei, gibt es immer Möglichkeiten, Unterstützung einzusetzen."

Auch die Versorgung mit Lebensmitteln sei gesichert. Manche Firmen hätten logistische Probleme in der Auslieferung, da weiche man auf andere Lieferanten und Marken aus. "Uns ist es wichtig, das gesamte Sortiment anbieten zu können", sagt Brandt, die angesichts der Corona-Pandemie den Einkauf in kleinen Läden als sinnvoll erachtet. "Wir wollen, dass die Kunden nicht in die großen Supermärkte fahren müssen, wo viel Kundenverkehr ist, sondern dort einkaufen können, wo nur wenige Menschen sind."

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