Im Ausstellungsraum stehen einige Särge zum anschauen bereit. Die Griffe bringt Helene Freund-Fey selbst an. Auch Bestellungen nach Wunsch sind möglich. FOTO_ LKL
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Im Ausstellungsraum stehen einige Särge zum anschauen bereit. Die Griffe bringt Helene Freund-Fey selbst an. Auch Bestellungen nach Wunsch sind möglich. FOTO_ LKL

"Jedes Trauergespräch ist anders"

  • vonLena Karber
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Lollar(lkl). Die ersten zwei, drei Jahre seien "kein Zuckerschlecken" gewesen, sagt Helene Freund-Fey über die Zeit nach dem 1. Juli 1995, an dem sie ihr Bestattungsunternehmen in der Lollarer Bleichstraße gegründet hatte. Sich in dem Geschäft zu etablieren, sei - noch dazu als "Zugezogene" - nicht einfach gewesen, der Gedanke ans Aufhören durchaus präsent. Doch es kam anders: Am heutigen Tag feiert das Bestattungsunternehmen Helene Freund ihr 25-jähriges Firmenjubiläum.

In Lollar wohnt Inhaberin Helene Freund-Fey, die als Kind mit ihrer Familie als Spätaussiedler von der Tschechei in den Raum Wetzlar gezogen war, seit 1984. Um zum Auskommen der Familie beizutragen - Freund-Fey lebte gemeinsam mit Ehemann, zwei Töchtern und einem Hund - arbeitete die gelernte Einzelhandelskauffrau dort in verschiedenen Branchen, bis Anfang der 1990er Jahre der Entschluss in ihr reifte, in der Bestattungsbranche zu arbeiten.

Ausschlaggebend dafür waren laut Freund-Fey zum einen ihre Tätigkeit als Hauswirtschaftshilfe bei der Diakonie Lollar, bei der sie gemerkt habe, dass der Umgang mit hilfsbedürftigen Menschen ihrem Naturell entspricht, sowie zum anderen negative Erfahrungen bei Bestattungen im privaten Umfeld. Um für einen pietätvollen Umgang mit Verstorbenen einzutreten, meldete sie am 1. Juli 1995 ihr Gewerbe an.

Viele Jahre führte Helene Freund-Fey das Unternehmen gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann, dem sie die Firma 2004 auch offiziell übergab. Nach der Trennung 2012 meldete sie diese im Jahr 2013 jedoch wieder auf ihren Namen an und führt sie seitdem alleine.

Ihr heutiger Ehemann Günter Fey, den sie im Dezember 2017 heiratete, geht ihr ab und an zur Hand, doch das Kerngeschäft und vor allem der persönliche Kontakt zu den Trauernden ist allein ihre Aufgabe. "Im letzten Jahr gab es keinen Tag, an dem sie nicht entweder auf dem Friedhof war oder bei Leuten zum Trauergespräch", berichtet Fey. Über 100 Trauernde hätten seiner Frau im Jahr 2019 das Vertrauen geschenkt.

Obwohl die Arbeit manchmal ganz schön viel werde, habe sie Freude daran, alles so machen zu können, wie sie wolle, berichtet Freund-Fey, die sich für ein Trauergespräch gerne auch mal zwei oder drei Stunden Zeit nimmt, je nach Bedarf. "Jedes Trauergespräch ist anders", sagt sie. Einen Fahrplan gebe es nicht. "Ich hatte auch schon Trauergespräche, wo wir zusammensaßen und haben gelacht", erzählt sie. Manchmal merke man, dass es Angehörige schnell hinter sich bringen möchten, für andere sei es wichtig, "einfach nur zu erzählen". Danach könne man sich richten, auf die Uhr geguckt habe sie während eines Trauergesprächs hingegen noch nie.

Doch nicht nur den Trauernden, sondern auch den Verstorbenen möchte Freund-Fey mit viel Respekt begegnen. Das sei besonders wichtig, schließlich könnten die sich "nicht mal wehren", sagt sie. Ihr Mann berichtet, dass Freund-Fey sogar mit den Verstorbenen spreche, während sie diese herrichte. "Es ist das Letzte, was man für denjenigen tun kann", sagt sie.

Von einer strikten Trennung in Privat- und Arbeitsleben hält Freund-Fey nichts. Natürlich nehme sie die Gedanken auch oft mit nach Hause, es sei schließlich ein Teil ihres Lebens, sagt sie. Wichtig sei es, über das Erlebte zu sprechen und es zu verarbeiten, aber die Trauer nicht an sich heranzulassen, sei keine Option. "Dann würde ich mir sagen: Mädel, du musst aufhören", sagt Freund-Fey.

Ein Nachfolger für das Unternehmen mit Besprechungsraum, Ausstellungsfläche für Urnen und Särge, Kühlanlage und Abschiedsraum in der Bleichstraße ist aktuell nicht in Aussicht. Doch Aufhören ist für Freund-Fey auch noch keine Option. Mindestens ein, zwei Jahre möchte sie auf jeden Fall noch genau so weiter arbeiten. Dann wird sie 60. Wie es danach weitergeht, steht noch nicht fest.

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