Die Fertigung von Blockheizkraftwerkenam Standort Lollar ist gefährdet. 
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Die Fertigung von Blockheizkraftwerkenam Standort Lollar ist gefährdet. 

Blockheizkraftwerke

Internes Dokument: Beratung über Stilllegung bei Bosch KWK in Lollar 

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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  • Jonas Wissner
    Jonas Wissner
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Die IG Metall befürchtet eine Teil-Schließung der Produktion von Blockheizkraftwerken am Standort Lollar. Eine Unternehmenssprecherin nennt die Lage "kritisch" und ein internes Dokument verstärkt den Eindruck. 

Update, 29.05.2020: Die Stilllegung der Blockheizkraftwerk-Produktion bei Bosch in Lollar (Bosch KWK Systeme) soll offenbar bis Ende des Jahres vollzogen werden. Dies geht aus einer internen Mitteilung hervor, die dieser Zeitung vorliegt. Demnach hat die Geschäftsleitung "unmissverständlich bekannt gegeben", dass der Betrieb spätestens zum 31. Dezember vollständig geschlossen werden soll. 

Laut einem weiteren Dokument wurde außerdem die Bildung zweier Arbeitsgruppen unter Beteiligung von Arbeitnehmern vereinbart. Eine solle sich mit der Frage befassen, wie die Stilllegung der Produktion abgewickelt wird, die andere mit der Weiterführung des Service-Betriebs. Man sei seit Ende 2019 mit Arbeitnehmervertretern im Gespräch, "um Optionen für die Zukunft der KWK zu besprechen, das ist bei den Mitarbeitern bekannt", äußerte sich die Bosch-Pressestelle am Donnerstag. Bisher gebe es keine Einigung. Man werde die vereinbarte Vertraulichkeit wahren und die Belegschaft umgehend informieren, sobald eine Entscheidung vorliege. Derzeit sind bei Bosch KWK Systeme in Lollar rund 170 Mitarbeiter beschäftigt.

Erstmeldung, 26.05.2020: Es sieht nicht gut aus für die Bosch KWK Systeme GmbH in Lollar. Die schon vor gut zwei Jahren eingeleiteten Maßnahmen zur Gesundung des Unternehmens, das Blockheizkraftwerke fertigt und vertreibt, haben offenkundig nicht gegriffen.

Trotz intensiver Anstrengungen sei das Fertigungsvolumen von Blockheizkraftwerken seit Jahren zu gering, bestätigt Unternehmenssprecherin Silke Bartels auf Anfrage, Und sagt: "Das Geschäft befindet sich in einer kritischen Lage."

Derzeit 170 Mitarbeiter

Die Unternehmenssparte zählt derzeit noch rund 170 Mitarbeiter; davon knapp 50 in der Fertigung und 80 im Service. Bartels verweist auf laufende Gespräche zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretern hinsichtlich "Optionen für die Zukunft der Bosch KWK Systeme". Eine Einigung sei noch nicht unterzeichnet. Wenn es eine Entscheidung gebe, dann würden die Mitarbeiter umgehend informiert. Zwei weitere Gesprächsrunden sind für Juni anberaumt.

Bosch KWK Lollar: Vertrieb und Service sollen bleiben

Entschieden ist wohl einzig: Vertrieb und Service von Blockheizkraftwerken Bosch Thermotechnik werden laut Bartels uneingeschränkt fortgesetzt.

Der IG-Metall-Bevollmächtigte Stefan Sachs bestätigt auf Anfrage die vor rund fünf Wochen aufgenommenen Gespräche. "Die Herstellung von BHKW-Modulen soll in Lollar eingestellt werden", befürchtet Sachs. Es drohe eine Teil-Schließung am Standort Lollar bis zum Jahresende.

Bosch KWK Lollar: Schwieriges Geschäft mit BHKW

Schon seit Längerem sei das BHKW-Geschäft aus unterschiedlichen Gründen schwierig, sagt der Gewerkschafter, der zugleich stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Bosch Thermotechnik ist. Nachdem der Versuch, KWK zu verkaufen, nicht geglückt sei, versuche Bosch nun, sich auf andere Weise von der Produktion zu trennen. Dies insbesondere in einer Zeit, in der es der Automobilindustrie nicht gut gehe. Dann versuche auch ein Zulieferer wie Bosch, sich von "Verlustbringern" zu trennen. Sachs befürchtet den weiteren Verlust von Arbeitsplätzen am Standort Lollar. Dort beschäftigt Bosch insgesamt fast 1500 Menschen.

Bosch KWK Lollar: Erste Einschnitte in 2018

Bereits im Sommer 2018 hatte es eine Umstrukturierung gegeben: Damals waren etwas mehr als 50 Stellen bei KWK weggefallen bei dem Versuch, die Fertigung von Blockheizkraftwerken in Lollar wirtschaftlicher aufzustellen, indem der Standort verkleinert wurde. Ein Teil der Mitarbeiter ging seinerzeit in andere Bosch-Standorte in Lollar und Wetzlar, einige gingen in den Ruhestand; für wieder andere gab es einen Sozialplan. Betriebsrat und IG Metall hatten seinerzeit mit großem Engagement für den Erhalt der BHKW-Fertigung gekämpft.

Bosch KWK Lollar: Ehedem Köhler & Ziegler

Der Bosch-Konzern hatte vor zehn Jahren am Standort Lollar das Unternehmen Köhler & Ziegler Anlagentechnik übernommen und zur Bosch KWK Systeme (Kraft-Wärme-Kopplung) mit der Fertigung, dem Vertrieb und dem Service von Blockheizkraftwerken ausgebaut. Seinerzeit galten Blockheizkraftwerke als wichtiger Baustein der Energiewende, das Geschäft als Wachstumsmarkt. Doch der Markt hat sich inzwischen verändert.

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