Cornelia Maykemper
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Cornelia Maykemper

"Ich lasse meine Freunde am Sortieren der CDs teilhaben"

  • Alexander Geck
    vonAlexander Geck
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Lollar(age). Die Corona-Pandemie hat den Alltag aller auf den Kopf gestellt. An dieser Stelle werden in den kommenden Tagen Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen Einblicke in ihren neuen Alltag gewähren. Heute: die Kommalpolitikerin Cornelia Maykemper aus Lollar.

1. Wie verläuft Ihr Tag normalerweise?

Recht strukturiert. Ich frühstücke mit meinem Mann, der noch in der Hausarztpraxis eingebunden ist. Außerdem erledige ich einige Hausarbeiten, sehe meine Mails durch und beantworte sie. Nicht zuletzt durch meine Mandate im Stadtparlament und im Kreistag ist da einiges zu tun. Wegen meiner Gehbehinderung gehe ich regelmäßig zur Krankengymnastik und gehe mit meiner Freundin zwei- bis dreimal pro Woche schwimmen.

2. Und wie sieht Ihr Alltag jetzt aus?

Bei mir fällt derzeit das Schwimmen mit der Freundin flach, Krankengymnastik ist noch möglich. Ich bin jetzt vermehrt am Aufräumen. So lasse ich schonmal per Whats-App meine Freunde am Sortieren der CDs teilhaben. Ich telefoniere viel mit Freunden, arbeite viel in meinem Garten und gehe mehr spazieren. Mit meinem Mann bin ich beispielsweise kürzlich in den Ebsdorfer Grund gefahren. Wir haben die offene Kirche besucht und bei einem Gebet innegehalten. Auf dem Dorfplatz konnten wir die Störche beobachten. Doch bei mir hat sich nicht so viel Grundlegendes verändert. Das ist eher bei meinen Kindern der Fall. In der jetzigen Situation erledigen mein Sohn, mein Mann und die Kollegen mit dem gesamten Praxis-Team einen extrem harten Job.

3. Was vermissen Sie am meisten?

Ich vermisse meine Freundinnen und Freunde, die ich nicht direkt sehen kann. Auch der Austausch in den kommunalpolitischen Gremien fehlt mir. Fast am meisten jedoch fehlt mir die Kultur, etwa der Besuch des Stadttheaters. Die freischaffenden Kulturschaffenden tun mir sehr leid. Leider nicht möglich sind derzeit Reisen, etwa in die französischen Partnergemeinde Brassac. Grundsätzlich muss ich betonen, dass ich selbst in einer privilegierten Stellung bin und keine Existenzängste habe. Doch gerade der unterbundene direkte Kontakt zu meinen drei Kindern, Schwiegerkindern und vier Enkelkindern ist emotional schwierig zu verkraften, etwa wenn ich an das bevorstehende Osterfest denke. Doch auch hier fühle ich besonders mit den vielen Alleinstehenden, die unter dieser Situation sicher noch mehr zu leiden haben.

4. Und was ist positiv?

Positiv ist, dass man manche Kontakte auch wieder beleben kann. So habe ich beispielsweise einen Cousin angerufen, von dem ich längere Zeit nichts gehört hatte. An eine alte Freundin habe ich eine E-Mail geschickt. Auch die Lektüre der Tageszeitungen ist für mich sehr wichtig und jetzt noch intensiver geworden.

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