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Dekanatskantorin Daniela Werner, die Kantorei Collegium Vocale Kirchberg, ein Musikensembele und Solisten wachsen bei der Aufführung des Pop-Oratoriums "Jesaja" über sich hinaus.

Hoffnung in Musik verpackt

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Lollar (vh). Es wäre vermessen, den Mauerfall vor 30 Jahren mit jener Geschichte des Alten Testaments auf eine Ebene zu stellen, die sich in den Jahren 597 bis 539 vor Christus in Babylon am Euphrat (im heutigen Irak) zutrug. Das Volk der Israeliten verbrachte dort unfreiwillige Zeit und wurde langsam mürbe. Doch als der Prophet Jesaja weissagte, Gott würde sie befreien, ging es aufwärts.

Hartmut Naumann schrieb und komponierte 2015 das Pop-Oratorium "Jesaja" mit dem Untertitel "Der lange Weg in die Freiheit". Auf dem diesjährigen Kirchentag in Dortmund war es zu hören und soeben in der Kirche auf dem Kirchberg. Dekanatskantorin Daniela Werner, die Kantorei Collegium Vocale Kirchberg, ein Musikensemble und Solisten sind dabei über sich hinaus gewachsen.

Rock, Pop, Funk und Gospel

Dieser Auftritt auf dem beschaulichen Kirchberg wäre gleichwohl in Dortmund durchgegangen. Manchmal nachdenklich, meistens aber hoch emotional wirkte die in hoffnungsvolle Worte und geniale Musik verpackte Botschaft, dass ein glaubhaft überbrachter Hoffnungsschimmer einen Aufbruch auslösen könne. Unstrittig ist ja der Anteil der Kirchen in der DDR an der friedlichen Revolution.

Die Kantorei übernahm die Rolle des geschundenen Volkes und seiner aufkeimenden neuen Gefühlslage. Man verkörperte Aufbruchsstimmung durch ständige Bewegung, im Teil "Kyros" sogar mit energischem Stampfen. Singen und Bewegtsein zu kombinieren, war alleine schon grandios.

Naumann studierte in Dresden auf Diplom für Jazz-, Rock- und Popmusik. Als Professor der Hochschule für Kirchenmusik Herford leitet er die Evangelische Pop-Akademie Witten.

Sein "Jesaja" greift in 16 Abschnitten Elemente von Rock, Pop, Funk und Gospel auf. Mischa Jung (Tenor) hat man nie zuvor so ausdrucksstark singen gehört. Im Abschnitt "Tröstet mein Volk" schreit er es heraus. So ausgestattet, könnte er im Musical-Fach reüssieren. Julia Noske (Sopran) begeistert mit "Die Götter Babylon". Traumhafte Töne steuern Frank Warnke (E-Gitarre) und Martin Zörb (Saxophon) bei.

Zuverlässig begleiten Beatrix Pauli (E-Piano), Nicole Badilla (Bass), Johannes Langenbach (Drums), Robin Wukits und Patrik Bertram (Trompeten), Matthias Siegel und Christian Rheinstädtler (Posaunen). Stetiger Zwischenbeifall, Standing Ovations und eine Zugabe. Eine musikalische Sensation. Unbedingt irgendwann wiederholen.

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