Hilary O’Neill entführte in die Welt der Feen und Riesen

Lollar (vh). Die irische Musikern Hilary O’Neill trat in der evangelischen Kirche in Lollar auf; das treue Konzertpublikum spendet am Ende stehend Applaus.

Wie schnell ein Jahr verstreicht, merkt man auch an den immer wiederkehrenden Veranstaltungen. Das Harfenkonzert mit der irischen Sängerin Hilary O’Neill in der evangelischen Kirche Lollar gehört dazu. Es scheint, als ob stets die gleiche eingeschworene Zuhörerschaft in den vorderen Reihen Platz nimmt. Dann reflektiert man die verflossenen Monate und findet wie stets auch diesmal keine Erklärung für den unaufhörlichen Zeitschwund. Schon erklingt das musikalische Entrée: "The quiet land of Erin". Ein melancholisches Stück von hohem Wiedererkennungswert.

Es ist Dienstagabend in der evangelischen Kirche Lollar, und die kleine Fangemeinde, rund 20 Leute, lauscht erwartungsvoll. Pfarrerin Petra Assmann-Daum begrüßt den Gast von Europas grüner Insel. O’Neill stellt ihre neue CD "Sweet Carnlough Bay" in den Vordergrund. Doch im weiteren Verlauf tauchen auch alte Bekannte auf. "The last rose of summer" – ein Klassiker, der nicht fehlen darf; auch das altdeutsche Wiegenlied "Guten Abend, gute Nacht" bringt sie natürlich zum Abschluss.

O’Neill spielt eine moderne keltische Harfe, die über Stimmmechanik mit Halbtonklappen verfügt. Mit Charme und Eleganz führt sie ins Land der Feen, Kobolde und Riesen und Jahrhunderte alter Legenden. Das Publikum darf träumen und lässt sich gerne verzaubern. Wie beruhigend: endlich mal ein Irland vor jener Zeit, da die Schuldenkrise dem Reich unzähliger Schafe fast den Garaus machte. Traurige Titel gibts trotzdem, etwa "Johnny I hardly knew ya". Der Song handelt von einem Soldaten, der aus dem Krieg nicht unversehrt heimkehrt.

O’Neill singt in Englisch und Gälisch und erzählt die begleitenden Geschichten auf Deutsch. In der Tradition der irischen Barden fließt zwischen den Liedern der Erzählstrom. Meist in reimender und rhythmischer Poesie. Manchmal steht die Irin dazu auf. Kostproben ihres Mezzo-Soprans zählen zum Programm. Hin und wieder sticht die außerordentliche Qualität ihrer Stimme deutlich hervor – aber nicht ausschließlich, denn sie gibt ja kein klassisches Konzert.

O’Neill hat in London, Hamburg, Berlin und Adelaide Gesang studiert und Tourneen durch Australien und Europa gemacht. Wie schön, dass ein beschaulicher Ort wie Lollar zu ihren Tourneezielen gehört – und sei es nur wegen der günstigen Kirchenakustik, die von ihr angesprochen wird. Hauptsache ist O’Neill bleibt ihrer treuen Schar erhalten. Die dankt mit stehendem Applaus.

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