Abwechslung in den Sommerferien bietet das Open-Air-Kino im Garten. FOTO: PM
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Abwechslung in den Sommerferien bietet das Open-Air-Kino im Garten. FOTO: PM

"Hier wird uns die Bude eingerannt"

  • vonLena Karber
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Lollar(lkl). Mit Acrylfarben Bilder gießen, ein Ausflug in den Opel-Zoo, ein Spiele- und Grillabend, Open-Air-Kino im Garten und eine Wasserschlacht - das konnten Kinder und Jugendliche in der vergangenen Woche in Lollar erleben. Nachdem der Magistrat Ende April beschlossen hatte, das Ferienprogramm für dieses Jahr abzusagen, hatte die Jugendpflege unter dem Titel "Sommer- events" ein kleines Ersatzprogramm auf die Beine gestellt. Dieses richtete sich jedoch nur an die regelmäßigen Besucher des Jugendzentrums sowie der Sozialarbeit an Schulen und war auf kommunaler Ebene bewusst nicht beworben worden, um die Teilnehmerzahlen gering zu halten und den Corona-Vorschriften gerecht werden zu können.

Budget bereits 2018 gestrichen

Offizielle "Ferienspiele" hatte es in Lollar jedoch auch schon im Vorjahr nicht mehr gegeben, nachdem der Magistrat Ende 2018 beschlossen hatte, das Budget von 6000 Euro zu streichen. Für die Stadt Lollar waren die rückläufigen Teilnehmerzahlen "der Hauptgrund für die Reduzierung der Ferienspielangebote", heißt es aus dem Rathaus. 2013 hätten noch 173 Teilnehmer das Angebot angenommen, 2017 hingegen seien es nur noch 78 gewesen. Daher habe man sich dazu entschieden, dass ab dem Jahr 2018 "nur noch Ferienaktionen der Jugendpflege, gegebenenfalls in Kooperation mit der Schulsozialarbeit und der Integrationsbeauftragten" stattfinden. Vereine könnten jedoch weiterhin eigenständige Ferienaktionen anbieten und über das Programmheft des Jugend- und Beratungszentrums bewerben lassen.

Dadurch verringerten sich die Zahl der Angebote und die Zahl der Teilnehmer noch einmal deutlich von 117 Anmeldungen für 20 Angebote im Jahr 2018 auf 79 Anmeldungen für 12 Angebote im Folgejahr. Das Ferienprogramm der Jugendpflege, die als weitere Sparmaßnahme kurz zuvor von einer vollen auf eine 75-prozentige Stelle reduziert worden war, läuft wegen seines geringerem Umfangs zudem nicht unter der Marke Ferienspiele, sondern trägt den Namen "Sommerspaß".

Schließlich muss Jugendpfleger Martin Eichler mit 6000 Euro haushalten, die er für die Arbeit der Jugendpflege pro Jahr zur Verfügung hat. Davon muss aber auch eine regelmäßige Aushilfskraft bezahlt werden, die ihm vor allem bei den Freitagsangeboten zur Hand geht. Für Eichler ist das eine verzwickte Situation: "Acrylfarben und Bastelmaterialien oder Ausflüge in den Zoo sind recht teuer - da muss man abwägen, ob man einen Kostenbeitrag erhebt oder die Angebote gegenfinanziert, um auch Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, an einer Aktivität teilzunehmen, die sie sonst nicht wahrnehmen könnten."

Für drei Kinder sei der Ausflug im Rahmen der Sommerevents nun ihr erster Zoobesuch überhaupt und damit ein ganz besonderes Erlebnis gewesen. "Eine finanzielle Hürde in den Weg zu stellen, würde es den Familien unmöglich machen, das Kind teilnehmen zu lassen."

Gerade für Kinder aus finanziell schwächer gestellten Familien mit Flucht- oder Migrationshintergrund seien die "Sommerevents" in der vergangenen Woche wie auch die Wiederöffnung des Jugendzentrums Ende Juni von großer Bedeutung, glaubt Eichler. "Andere Jugendzentren schließen über die Sommerferien, weil die meisten Jugendlichen im Urlaub sind, aber in Lollar wird uns die Bude eingerannt, weil die Jugendlichen einfach nicht wissen, was sie mit ihrer freien Zeit machen sollen."

Auch wenn Eichler es "schade" findet, dass in Lollar keine "großen Ferienspiele" mehr stattfinden, sind diese für ihn daher nicht von höchster Priorität. "Leider Gottes werden bei finanziellen Problemen in der Regel nunmal Personalkosten oder Projekte im sozialen Bereich gestrichen", sagt er. In Lollar gebe es allerdings einen hohen Bedarf, Kindern und Jugendlichen etwas zu bieten. "Ob das jetzt unbedingt Ferienspiele im klassischen Sinn sein müssen, sei dahingestellt." Zu überlegen sei, welche Klientel man anspreche solle. Eichlers Meinung nach müssten das zunächst Kinder und Jugendliche sein, die sich im Alltag vieles nicht leisten können. Der Jugendpfleger: "Es gibt sicherlich auch andere Möglichkeiten, um Projekte zu finanzieren, die sich eher lohnen und bei denen man mit einer bestimmten Zielgruppe arbeitet. Darüber könnte man durchaus diskutieren."

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