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Luise Rist und Chomam Bahram lesen aus Rists Buch "Rosenwinkel".

Heile Welt nur von kurzer Dauer

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Lollar (vh). In den Städten Gießen und Lollar ist eine Community entstanden, rund 300 Roma aus Bulgarien leben hier. Der Landkreis hat drei Arbeitsgruppen gebildet mit dem Ziel, Wohnung, Arbeit und Bildung zu vermitteln. Kinder aus diesen Familien besuchen auch die Clemens-Brentano-Europaschule Lollar. "Eine neue Herausforderung für uns", sagt Schulleiter Andrej Keller. Wie kaum eine andere Bildungseinrichtung ist man hier ohnehin mit den Problemen von Migration vertraut. Anlässlich einer bulgarischen Woche las nun am Montagabend Luise Rist in der Stadt- und Schulmediothek aus ihrem Buch "Rosenwinkel.

In einer Straße dieses Namens wohnen in der Weststadt einer fiktiven Kommune Flüchtlinge verschiedener Länder, darunter Anita, eine minderjährige Roma, die in Deutschland aufgewachsen ist. Rist lässt das deutsche Mädchen Frida, sie hat gerade Abitur gemacht, das Roma-Mädchen im Schwimmbad kennenlernen. Anita ist eine selbstbewusste Person, sie springt rückwärts vom Zehn-Meter-Brett, taucht mit ihren schwarzen Haaren lautlos ins Wasser ein. Das Freibad wird zur Begegnungsstätte, wo die beiden Mädchen sogar Synchronschwimmen einüben. Doch die heile Welt der beiden ist nur von kurzer Dauer, weil Anitas Familie über Nacht abgeschoben wird nach Mostar, ehemals Jugoslawien.

Rist hat als Dramaturgin am Deutschen Theater Göttingen erste eigene Stücke entworfen. Sie gründete zusammen mit einer Regisseurin, Schauspielern, Tänzern und Musikern das Freie Theater "Boat People Projekt". Hier spielen auch Jugendliche mit Fluchterfahrung mit, darunter ein Mädchen, dessen Schicksal die Vorlage bot für "Rosenwinkel".

Als politisch Aktive hat Rist in Chomam Bahram einen Kollegen gefunden. Dieser hatte zuvor mit seinem Theater-Ensemble Sulaymanya die irakische Regierung karikiert und musste flüchten. Zusammen mit Rist las er nun aus dem Buchkapitel über die Suche in Mostar. Das war für das Publikum eindrucksvoll. Außerdem steuerte er kurdische Gesänge bei, wenn Rist einen Abschnitt gelesen hatte. Annette Sander vom Aufnahme- und Beratungszentrum des Staatlichen Schulamts Gießen/Vogelsberg diskutierte im Anschluss noch mit den Zuhörern.

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