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Jungautor Paul Bokowski aus Berlin-Wedding liest zur Eröffnung von "Lit Lollar" in der Stadt- und Schulmediothek.

"Hauptsache nichts mit Menschen"

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Lollar (vh). Neuerdings gibt es ja hilfreiche Roboter für das Rasenmähen. Derweil saugt drinnen der optisch fast baugleiche Kollege Staub - nur Staub? Dieser Frage ging Paul Bokowski aus Berlin-Wedding jetzt in der Stadt- und Schulmediothek nach. Der Jungautor eröffnete mitten zwischen Büchern das hauseigene Herbstprogramm "Lit Lollar". Als fiktiver Kunde hatte er den digitalen Wohnungshelfer erworben, ihn liebevoll "Staubi" getauft, um dann sein blaues Wunder damit zu erleben. Der kleine Fiesling, offenbar ein verlängerter Arm der Arbeitsbeschaffung aus dem Reich der Mitte, war offensichtlich auf Kabel programmiert, an deren Ende Kleingeräte hingen.

Publikum wunschlos glücklich

"Staubis" Vorgehensweise war nun stets dieselbe. Wie ein Unschuldslamm durchstöberte er die Wohnung. Staub geriet dabei unversehens zur Nebensache. Kaum donnerte wieder ein Kleingerät auf den Fußboden, setzte der Roboter eine E-Mail ab und bestellte postwendend Ersatz. Mit dem Toaster übertrieben es die Programmierer: Auf jeder Scheibe Toast grinste Mao Tse-tung als Brandzeichen Bokowski höhnisch an. Aufgrund dieser und anderer spitzfindiger Alltagsgeschichten hatte CBES-Direktor Andrej Keller zu Beginn zu Recht gemeint, dass die Lesung wohl ein "echter Kracher" mit einem der besten Kurzgeschichtenerzähler Deutschlands werde.

Bokowski kam wie er kommen musste: mit Schiebermütze und Hipsterbrille, seinen Markenzeichen. Es las wie angekündigt aus "Hauptsache nichts mit Menschen" (2012), jedoch wandelte sein Blick auch in "Alleine ist man weniger zusammen" (2015) und den Neuling "Bitte nehmen Sie meine Hand da weg" (2019). So sicher wie seinen Wiedererkennungswert pflegt der Autor seinen Ruf als Misanthrop. Jeder Buchtitel fährt darauf ab. Natürlich ist das eher ein PR-Gag, denn Bokowski nimmt die Menschen und ihre Unzulänglichkeiten oder Angewohnheiten ja nur satirisch aufs Korn. Der Mann ist Künstler und mag dem Menschen eher ein Denkmal setzen, als dass er ihn missachtete.

Das Publikum jedenfalls quittierte die aberwitzigen Geschichten mit Gelächter und war nachher wunschlos glücklich. Es gab keine Fragen mehr. Es gibt ja fast immer diese Spezies Zuhörer, die es definitiv wissen wollen, etwa ob Bokowski wirklich ein Menschenfeind sei. Doch dann hätte der künstlerische Output sein Ziel verfehlt. Lollar gab sich weltoffen. Man holte sich noch Bücher oder Autogramme - oder beides.

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