An Gräuel erinnern

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Lollar(jwr). Auch in Lollar gab es einmal jüdisches Leben, auch dort wurde es während der NS-Diktatur ausgelöscht. Auf Antrag der Grünen hat der Sozialausschuss nun eine Initiative auf den Weg gebracht, die die kritische Auseinandersetzung mit diesem düsteren Kapitel der Lollarer Geschichte fördern soll. Geplant ist, am Standort der früheren Synagoge eine Gedenktafel aufzustellen. "Es ist ein guter Zeitpunkt, so ein Mahnmal auch in Lollar zu errichten", sagte Ausschussvorsitzender Wolfgang Haußmann.

Fraktionen sind sich einig

Vertreter aller vier Fraktionen begrüßten den Antrag grundsätzlich. Allerdings gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, wie breit gefächert die mahnende Botschaft sein soll. "Es sollte sich vielleicht auch gegen Hass und Gewalt richten", sagte Cornelia Maykemper (FDP). Außerdem müsse man das Mahnmal "vandalismusfest" gestalten, da leider mit Angriffen darauf zu rechnen sei. Dr. Jens-Christian Kraft (CDU) warb dagegen dafür, die Inschrift thematisch enger zu fassen: "Es geht um Antisemitismus", sagte Kraft, "es zu weit zu fassen, wäre eine Form der Relativierung". Besprochen wurde auch, ob eine Einbindung von Schülern der Clemens-Brentano-Europaschule sinnvoll wäre.

Schließlich fasste der Ausschuss einen einstimmigen Beschluss: Der Magistrat wird beauftragt, in einem ersten Schritt Entwürfe für Text und Layout der Inschrift sowie für die Form des Mahnmals dem Ausschuss in der nächsten Sitzung vorzulegen. Im Antrag hatten die Grünen die konkrete Ausgestaltung bewusst offen gelassen, um Raum für Diskussion zu geben. Der Standort ist dagegen schon ausgesucht: Die Gedenktafel soll - womöglich auf einer frei stehenden Stele oder einem Stein - auf einem Grünstreifen im Besitz der Stadt nahe der früheren Synagoge auf Höhe der Gießener Straße 23 errichtet werden.

Im Ausschuss wurde auch angeregt, im Rahmen einer Arbeitsgruppe die Geschichte der Juden in Lollar aufzuarbeiten. Zu diesem Thema fänden sich etwa in den veröffentlichten Lollarer Chroniken nur wenige Absätze. Die Fraktionen wollen nun intern darüber sprechen.

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