lkl_Bosch25_080721_4c
+
Bosch prüft den Verkauf seiner Gießerei am Standort in Lollar, die Gewerkschaft sieht das kritisch.

Gespräche geplant

Arbeitsplätze in Gefahr? - Bosch will Gießerei in Lollar verkaufen

  • Jonas Wissner
    VonJonas Wissner
    schließen

Noch vor wenigen Jahren hatte Bosch kräftig in die Lollarer Gießerei investiert, nun bereitet das Unternehmen sich auf einen Verkauf vor. Die IG Metall sieht darin eine »willkürliche Entscheidung«.

Lollar – Der Bosch-Konzern plant, die unter anderem am Standort Lollar vertretene Gießerei-Sparte zu verkaufen. Man habe am Dienstag die Mitarbeiter und Arbeitnehmervertreter »über einen möglichen Verkauf des Produktbereichs Brake Components informiert«, teilte der zuständige Bosch-Pressesprecher João Carreiro am Nachmittag mit. Zum betroffenen Bereich gehört neben der Buderus Guss GmbH in Breidenbach und Ludwigshütte auch die Robert Bosch Lollar Guss GmbH. Insgesamt sind in der Sparte gut 900 Mitarbeiter beschäftigt, laut Carreiro rund 260 am Standort Lollar. Produziert würden hauptsächlich Pkw-Bremsscheiben.

Zu anderen Geschäftsfeldern von Bosch bestünden kaum Synergien, »gleichzeitig bietet das stark preisgetriebene Geschäft mit Bremsscheiben nur wenige Ansätze zur technischen Differenzierbarkeit«, so Carreiro weiter. Daher gebe es für Bosch »nur sehr eingeschränkte unternehmerische Spielräume«, um den Bereich »langfristig profitabel weiterzuentwickeln«. Anlass für die Information an die Mitarbeiter sei, dass »aus dem Markt Interesse« signalisiert worden sei. In einem neuen Umfeld mit »passendem unternehmerischen Konzept« sehe man gute Chancen für eine Weiterentwicklung.

Kreis Gießen: Kritik an Bosch-Plänen für Standort Lollar

Bei der Wahl eines möglichen Käufers lege Bosch Wert darauf, dass der Bereich »eine erfolgsversprechende Zukunftsperspektive« erhält, auch müssten die Belange der Mitarbeiter berücksichtigt werden.

Unmittelbar bevor steht der Verkauf dem Vernehmen nach aber nicht: Laut Carreiro gibt es noch keinen festen Zeitplan, man wolle nun aber keine Zeit verstreichen lassen, um Gespräche mit potenziellen Käufern zu führen. »Wir können die Planungen nur fortsetzen, wenn die Arbeitnehmer mitziehen«, äußerte sich Carreiro auf Nachfrage. Daher sei die Belegschaft nun »frühzeitig« informiert worden.

Die IG-Metall Mitte übt derweil Kritik an den Verkaufsplänen. »Nachvollziehbar begründet hat das Management die unmittelbar vor den Werksferien verkündete Absicht nicht«, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der Gewerkschaft. Es handle sich um eine »willkürliche Entscheidung«. Mit dem Umbau der Produktion ließen sich die Verkaufsabsichten jedenfalls nicht begründen, zumal auch autonom oder elektrisch fahrende Fahrzeuge künftig Bremssysteme benötigten, so Jörg Köhlinger, Leiter des IG-Metall-Bezirks Mitte. Auch der Zeitpunkt der Information stößt bei der Gewerkschaft sauer auf: Den Beschäftigten kurz vor deren Urlaub mitzuteilen, dass die Standorte zur Disposition stünden, sei »ausgesprochen schlechter Stil«. Köhlinger weiter: »So ein Verhalten verbinde ich mit Gutsherren der vergangenen Jahrhunderte.« Offensichtlich wolle Bosch »seine Kassen auf Kosten der Beschäftigten weiter füllen«.

Kreis Gießen: Lollarer Gießerei erst 2017 für Millionen-Summe erweitert

Stefan Sachs, Geschäftsführer der IG Metall Mittelhessen, spricht von rund 300 Beschäftigten der dortigen Gießerei. »Wir haben einen Standort- und Beschäftigungssicherungsvertrag, der bis 2023 gilt. Wir erwarten von Bosch Vertragstreue und eine nachhaltige Perspektive«, äußert sich Sachs in der Mitteilung der Industriegewerkschaft. Zu der vereinbarten Standortsicherung bis 2023 für Lollar stehe Bosch, so Carreiro.

Die Lollarer Gießerei wird seit 2015 als eigenständige Rechtseinheit geführt, unabhängig vom benachbarten Standort der Bosch Thermotechnik mit über 1000 Mitarbeitern in Lollar.

Erst 2017 war die Lollarer Gießerei erweitert worden, laut damaligen Angaben von Bosch wurden rund 40 Millionen Euro investiert. Zuvor war die Nachfrage nach schweren Gusskesseln gesunken, die Gießerei zunehmend weniger ausgelastet.

Auch durch die 2017 begonnene Produktion von Bremsscheiben für die Autobranche sollte der Gießerei-Standort Lollar langfristig gesichert werden, hieß es damals.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare