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Mit ihrem Theaterstück »Nach Europa« greifen Lukas Ullrich und Till Florian Beyerbach die Flüchtlingswelle von 2015 nochmals auf. Sie schlüpfen dabei in verschiedene Rollen, sind Flüchtlinge, Schleuser, Investoren oder Kommandanten.

Geflüchtete, Schleuser, Investoren

  • VonVolker Heller
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Lollar (vh). Rund 80 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Zwei fiktive Flüchtlinge waren jetzt Gäste in der Aula der Clemens-Brentano-Europaschule. Zunächst morgens im Unterricht der elften Jahrgangsstufe, dann abends für die Öffentlichkeit.

Lukas Ullrich und Till Florian Beyerbach sind freiberufliche Theatermacher in Stuttgart und mit ihrem kompakten Lkw deutschlandweit unterwegs. Mit ihrem Theaterstück »Nach Europa« greifen sie die Flüchtlingswelle von 2015 nochmals auf. Sie schlüpfen dabei in verschiedene Rollen, sind Flüchtlinge, Schleuser, Investoren oder Kommandanten.

Veranstalter war die evangelische Kirchengemeinde Daubringen. Wie Pfarrer Traugott Stein erläuterte, biete man in Daubringen seit 2018 Kirchenasyl.

Wer mit den Geflüchteten ins Gespräch komme, sei näher am Geschehen als einen Beitrag im Fernsehen anzuschauen. Er habe das Theaterstück auf dem evangelischen Kirchentag in Dortmund (2019) gesehen.

Lasershow setzt Akzente

Maßgebliche Initiatorin für den Auftritt in Lollar sei aber Sabine Vogel (Mitglied Kirchenvorstand). Stein: »Wir haben in Deutschland ein gutes Einwanderungsgesetz«. Man könne es aber noch nachbessern. »Das Theaterstück bringt uns die Tragweite näher«.

Ullrich und Beyerbach machen Eigenproduktionen, sind daher Schauspieler, Regisseur, Bühnentechniker und Requisiteur. Das Stück handelt von zwei Personen (ein Christ, ein Moslem) auf der Flucht in einem Ruderboot über das Mittelmeer. Sie haben sich den Platz im Boot mühsam erkämpft.

Entweder sie oder andere. Das Stück beginnt mit knallharter Realität. Auf dem langen Weg übers Meer - auf der Bühne dauert das gut eine Stunde - sind die beiden hin- und hergerissen, ob sie es wirklich schaffen, und dann wieder in freudiger Erregung, Europa erwarte sie schon mit offenen Armen.

Denn, so haben sie aus dem Internet erfahren, dort sei quasi eine Art Paradies auf Erden. Vorläufig tragen der Christ und der Moslem stellvertretend für die Zeit nach ihrer Ankunft ihre unterschiedlichen Lebensauffassungen vor. Das Boot ist dann ein Symbol für das aufeinander angewiesen sein trotz aller Unterschiede. Einer alleine könne es nicht nach Europa schaffen. Zwischendurch schlüpfen beide in die Rolle der Bösen, die am Flüchtlingsstrom verdienen und ein Interesse an weiteren Konflikten haben.

Die durchgängige Lasershow bis in die hinterste Zuschauerreihe ist ein wesentlicher Bestandteil der Wirkung dieses emotionalen Stücks.

Die Veranstaltung wurde finanziell unterstützt durch das Demokratieprojekt »Dabeisein« und Dekanat Kirchberg. Vom Theaterstück gibt es ein Hörspiel. Weitere Informationen auf der Internetseite https://lukasullrich.de.

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