Denis Scheck in der Aula der Clemens-Brentano-Europaschule. FOTO: VH
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Denis Scheck in der Aula der Clemens-Brentano-Europaschule. FOTO: VH

Die Gala des Zenmeisters

  • vonVolker Heller
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Lollar/Staufenberg(vh). Das Land der Dichter und Denker braucht wohl seine Literatursachverständigen. Marcel Reich-Ranicki erhielt in diesem Metier den Titel "Literaturpapst". Denis Scheck, Vertreter der jüngeren Generation, wird bereits als "Zenmeister" tituliert. Scheck gab in der Aula der Clemens-Brentano-Europaschule eine Galavorstellung meisterlicher Unterhaltung. Eigentlich sollte er sein Buch "Schecks Kanon - Die 100 wichtigsten Werke der Weltliteratur" vorstellen. An einem kleinen Tisch zu sitzen, ausgestattet mit Lampe und Wasserflasche, war nicht sein Ding. Scheck zog die stehende Position im Halbdunkel vor.

Scheck punktet mit Kurzeck und Hettche

Schulleiter Andrej Keller dankte den Mitwirkenden aus dem Schulbetrieb, die solche Veranstaltungen erst möglich machten: Catering, Technik und Team der Mediothek. Mit der monatlichen Fernsehreihe "Druckfrisch" gestalte Scheck einen "Routenplaner des Literaturbetriebs". Thomas Zwerina vom Team der Mediothek nutzte die Bildersprache. Die jährliche Bücherflut in Deutschland nannte er einen "Ozean der Literaten". Scheck führe mit seinem literaturkritischen Kompass wie ein Lotse hindurch. Der Gast betrat die Bühne und punktete sogleich mit der Kenntnis zweier heimischer Autoren: Peter Kur-zeck und Thomas Hettche.

Scheck ist indes kein Abklatsch eines Reich-Ranicki und auch kein Nachahmer, sondern hat eigenen Stil und Charakter. Hitzige Ausbrüche etwa sind ihm fremd, wortgewandte Diplomatie ist schon eher sein Ding. Die "Spiegel"-Bestsellerliste, die er ja sonst kommentiert, hat sein Buch jetzt vereinnahmt. Scheck erklärt, darin seien nicht die besten Bücher enthalten, vielmehr jene, die am besten über die Ladentheke gingen, "der kleinste gemeinsame Nenner des literarischen Massengeschmacks". Somit müsse er eigentlich vor sich selbst warnen. Scheck hält eine flammende Rede über das Lesen, die Literatur und neurowissenschaftliche Erkenntnisse, warum die geistige Entwicklung des Einzelnen davon profitieren könne.

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