Rot-weißes Absperrband überall: Die Startblöcke und die Rutsche sind ebenso gesperrt wie der Bereich neben dem Becken. FOTO: LKL
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Rot-weißes Absperrband überall: Die Startblöcke und die Rutsche sind ebenso gesperrt wie der Bereich neben dem Becken. FOTO: LKL

Corona

Freibadbad trotz Corona

  • vonLena Karber
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Gestern hat das Waldschwimmbad in Lollar geöffnet. Doch macht ein Freibadbesuch überhaupt Spaß, wenn strenge Corona-Regeln gelten?

Einer älteren Dame im hellblauen Sommerkleid ist die Freude ins Gesicht geschrieben, als sie gemeinsam mit einer Freundin das Lollarer Freibad betritt. Normalerweise hätten die beiden Frauen hier in den vergangenen Wochen wohl schon so einige Bahnen gezogen. "Letztes Jahr war ich 88 Mal hier, und in dem Jahr davor sogar 93 Mal", erzählt die Frau, während sie ihre Schuhe auszieht. Und ihre Freundin kann locker mithalten: "Ich komme zweimal am Tag, weil ich hier in der Nähe wohne", erklärt sie.

In diesem Jahr mussten sich die Damen wegen des Coronavirus etwas langer auf die Öffnung des Lollarer Waldschwimmbads warten. Doch umso größer ist die Freude am Freitag als es endlich so weit ist. "Ach, wie ist das herrlich", schwärmen die beiden, als sie endlich ins kühle Nass gleiten - und damit ein großes Hallo auslösen. Nach einem freudigen "Ich bin wieder da!" wird von allen Seiten gegrüßt und gewunken. Und schnell findet sich ein Grüppchen Senioren zum Plausch zusammen, allerdings Dank Corona mit deutlich mehr Abstand als gewöhnlich.

Denn - auch, wenn man es bei strahlendem Sonnenschein, sommerlichen Temperaturen und herrlich blauem Wasser am liebsten vergessen würde - Corona ist auch beim Freibadbesuch in diesem Jahr allgegenwärtig. Desinfektionsspender und Anmeldebögen am Einlass, Verhaltenshinweise vor den Umkleiden, Einbahnstraßen-Regelungen am Schwimmbecken und am Kiosk sowie rot-weißes Absperrband um das Beachvolleyballfeld, die Sprungtürme und die Startblöcke - die Liste der Maßnahmen, die Betreiber Michael Langelage aufzählt, ist lang. "Es ist eben anders als vorher", sagt er. Wegen der Maßnahmen und aufgrund der Angst vor einer Infektion rechnet er für die nächsten Wochen daher auch nur mit einer verhaltenen Nachfrage. Einige würden in diesem Jahr wohl auf Badeseen ausweichen, vermutet er.

An Spitzentagen verzeichnet das Lollarer Freibad normalerweise bis zu 2000 Besucher täglich, bis zu 1000 hält Langelage auf der 14 000 Quadratmeter großen Fläche nun während Corona für unkritisch. Am Freitag sind es bis zur Mittagszeit erst etwas mehr als 100 Gäste, aber die scheinen sich an den Maßnahmen zumindest wenig zu stören. Zwar muss Langelage immer wieder Besucher ansprechen, die gegen Corona-Regeln verstoßen - vor allem die Einbahnstraßenregelung rund um das Schwimmbecken wird immer wieder missachtet - doch böse Absicht ist keine dabei, nur Unachtsamkeit und Unwissen. Prinzipiell scheinen die Besucher Verständnis für die Maßnahmen zu haben und zeigen sich einsichtig. "Das muss sich eben erst einspielen", sagt Langelage. Daher sei man nun auch mit viel Personal präsent, auch wenn man prinzipiell auf Eigenverantwortung setze. "Man gewöhnt sich dran", sagt eine Frau, die zu den Stammgästen zählt.

Die Stimmung ist am Freitagvormittag entspannt. Viele liegen alleine oder zu zweit auf der Wiese und sonnen sich, andere ziehen ihre Bahnen und im Kinderbecken spielen Eltern mit ihren Kleinen. Gerade für Familien sei der Schwimmbadbesuch trotz der Beschränkungen interessant, glaubt Langelage. Und für Leute, deren Sommerurlaub in diesem Jahr flachfällt, auch.

Eine Gruppe profitiert sogar von den außergewöhnlichen Umständen: "Für Schwimmer ist Corona gut", sagt ein junger Mann, der sonst in Gießen trainiert, von dem Lollarer Freibad jedoch begeistert ist. "Keine Omis mehr, die kreuzen", erklärt er und lacht. Ein weiterer Mann, der vom Bahnen schwimmen kommt, berichtet ähnliches. Er hat sich vor allem über das Verbot von Schwimmnudeln gefreut. Langelage stellt den beiden gleich eine weitere Verbesserung für die Schwimmer in Aussicht: Ab nächster Woche sollen einige Bahnen sogar über die gesamten 50 Meter mit Leinen abgespannt werden.

Regeln im Lollarer Freibad

Das Waldschwimmbad Lollar hat nun täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet. Besucher müssen ein Kontaktformular ausfüllen und diverse Vorgaben einhalten.

Sprunganlagen, Rutsche und Beachvolleyballfeld bleiben geschlossen, außerdem sind Badeutensilien wie Bälle und Schwimmnudeln verboten.

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