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Der Regenbogen als »magischer Moment«: Für dieses Foto hat Andrea Mey einen Preis bekommen.

Wetterfotografie als Leidenschaft

Fotografen aus dem Kreis Gießen jagen Unwettern und anderen Wetterphänomenen hinterher

  • Susanne Riess
    VonSusanne Riess
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Wenn sich ein Unwetter zusammenbraut, wollen die meisten Menschen schnellstmöglich nach Hause. Nicht so Andrea Mey aus Lollar und Friedel Steinmüller aus Heuchelheim.

Heuchelheim/Lollar – Für Andrea Mey und Friedel Steinmüller gibt es kein schlechtes Wetter. Ganz im Gegenteil: Je düsterer es auf dem Regenradar aussieht, umso besser für die beiden. »Wenn andere nach Hause fahren, fahren wir erst los.« Die 56-Jährige und ihr 65-Jähriger Bekannter haben eine gemeinsame Leidenschaft: die Wetterfotografie.

Der Name Andrea Mey dürfte den meisten Lesern dieser Zeitung ein Begriff sein. Denn ihre aussagekräftigen Bilder sind regelmäßig auf den Leserfotoseiten zu bewundern, Fotografiert hat die Lollarerin schon als Kind gerne - und zwar alles, was ihr vor die Linse kam. Damals natürlich noch analog und ganz klassisch mit Filmrolle. Sie erinnert sich noch gut daran, als sie im Jahr 2006 ihre erste Digitalkamera in den Händen hielt. »Die steht heute noch in der Vitrine.«

Wetterfotografin aus dem Kreis Gießen: Ein Blick für tolle Motive

Von da an war sie regelmäßig in der Natur unterwegs, hat Bäume, Insekten und Pflanzen abgelichtet. »Motive gibt es eigentlich überall, und irgendwann bekommt man einfach einen Blick dafür«, weiß die 56-Jährige. Im Laufe der Zeit hat sich mit den Ansprüchen auf das perfekte Foto auch ihre technische Ausrüstung immer weiterentwickelt. Heute ist sie regelmäßig mit dem Smartphone unterwegs. »Das habe ich sowieso immer dabei, und mittlerweile sind die Kameras der Geräte so gut, dass sie wunderbare Aufnahmen machen.« Wenn man die Grundlagen der Fotografie beherrsche und nicht nur auf Automatik setze, bedürfe es nicht unbedingt einer professionellen und teuren Fotokamera.

Andrea Mey und Friedel Steinmüllerhaben den Himmel immer fest im Blick.

Vor etwa vier Jahren hat Andrea Mey die Wetterfotografie für sich entdeckt. In ihrem langjährigen Bekannten Friedel Steinmüller hat sie nicht nur jemanden gefunden, der dieselbe Leidenschaft teilt, sondern auch einen Experten, was das Wetter und dessen Vorhersage betrifft. Der Heuchelheimer ist pensionierter Meteorologe, hat unter anderem beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach und der Wetterwache in Gießen gearbeitet.

„Wetter-Chaser“ aus dem Gießener Land: Keine spontane Angelegenheit

Gemeinsam sind sie interessanten Wetterphänomenen auf der Spur. Dafür hat das eingespielte Team auch schon längere Reisen in Kauf genommen, zum Beispiel an den Bodensee, an die Rheinfälle oder an den Starnberger See. Tage im Voraus werden dann Wetterkarten im Hinblick auf aufziehende Gewitter oder Unwetter analysiert, Bahntickets und Unterkünfte gebucht. »Als sogenannter Wetter-Chaser unterwegs so zu sein, ist keine spontane Sache, es bedarf alles einer genauen Planung«, betonen die beiden Hobby-Fotografen. Dennoch sei nicht immer alles von Erfolg gekrönt. Manchmal schaue man trotz bester Vorbereitung am Ende »in die Röhre«, weil man das erhoffte Foto dann doch nicht habe schießen können. »Ein solches Erlebnis hatten wir am Starnberger See. Die Gewitterlinie sah perfekt aus, es war drückend schwül, alles stimmte. Doch plötzlich zog ein Wind auf, es wurde frisch und anstelle des Gewitters setzte ein popeliger Landregen ein«, erinnert sich Andrea Mey schmunzelnd.

Seit der Corona-Pandemie verzichten die beiden auf Bahnreisen, sind stattdessen mindestens einmal pro Woche mit dem Auto in der Region Mittelhessen unterwegs. Doch auch hier könne man tolle Fotos machen. Dann ist Andrea Mey gerne auch mal alleine unterwegs.

Vor der Corona-Pandemie haben die Hobbyfotografen auch weitere Fahrten in Kauf genommen. In Friedrichshafen am Bodensee gelang Andrea Mey dieses Gewitterfoto.

Wetterfotografie: Heuchelheimer brauchen das nötige Quäntchen Glück

Oft gehört auch eine große Portion Glück dazu. Denn es gibt Wetterphänomene, die sind sehr selten und auch nicht planbar. Dazu gehören zum Beispiel Seerauch, Nebelbogen, Halo-Ringe oder Doppelsonnen. All das haben die Lollarerin und der Heuchelheimer auf ihren Fototouren schon mit der Kamera einfangen können. Auch Lichtspiegelungen auf Flüssen oder Seen gehören zu ihren Spezialgebieten. Ein beliebtes Motiv ist auch der Regenbogen. »Das ist irgendwie immer ein magischer Moment, wenn nach einem abziehenden Schauer plötzlich einen leuchtenden Regenbogen am blauen Himmel sieht«, sagt Mey. Regelmäßig schickt sie ihre Bilder auch an die HR-Sendung »alle wetter!« und hat bereits einen Preis für ein Regenbogenfoto bekommen. Auch mehrere Fotokalender, die ihre Heimatstadt Lollar im Laufe der Jahreszeiten zeigen, hat sie bereits gestaltet und erfolgreich verkauft. Eine Ausstellung war ebenfalls in Planung, konnte aber aufgrund von Corona bislang noch nicht realisiert werden,

Wetterfotografin aus dem Kreis Gießen: Traum von der Superzelle

Genug von der Wetterfotografie haben die beiden noch lange nicht. »Das kann echt süchtig machen. Wenn man einmal ein tolles Foto geschossen hat, will man immer mehr davon«, sagt Mey. Und ein bestimmtes Motiv fehlt auch noch in ihrer Sammlung. »Ich möchte unbedingt mal eine Superzelle ablichten!« Superzellen sind - vereinfacht gesagt - ein Verband von mehreren Gewitterzellen, die sich zusammengeschlossen haben. Oft kommt es dabei kommt zu sehr heftigen Niederschlägen, Hagelschauern und gelegentlich auch zur Entstehung von Tornados. In Gefahr würden sich Mey und Steinmüller aber nicht begeben, um »das perfekte Foto« zu bekommen. »Bei einem Gewitter sehen wir immer zu, dass wir das Auto in unmittelbarer Nähe stehen haben«, betont der Meteorologe. Denn Sicherheit gehe stets vor.

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