Federleichte Unterhaltung

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Das Sommerfest der "Edition federleicht" am Sonntag erwies sich in jeder Hinsicht als interessant und unterhaltsam. Neben Verlegerin Karina Lotz stellten unter anderem Thomas Berger und Dana Polz ihre Werke in einer Lesung vor. Nicht zuletzt wurde die erste Ausgabe des literarischen Journals "Schreibtisch" vorgestellt.

Das Sommerfest der "Edition federleicht" am Sonntag erwies sich in jeder Hinsicht als interessant und unterhaltsam. Neben Verlegerin Karina Lotz stellten unter anderem Thomas Berger und Dana Polz ihre Werke in einer Lesung vor. Nicht zuletzt wurde die erste Ausgabe des literarischen Journals "Schreibtisch" vorgestellt.

Dazu gab es Kaffee und selbst gebackenen Kuchen. Das Publikum, zumeist Autoren und Autorinnen, war zum Teil von weither angereist, um einander kennenzulernen und den Zuhörern und Kollegen einen Überblick über ihr literarisches Schaffen zu geben. Im sommerlichen Ambiente auf der Terrasse hörte man Berger und Lotz gerne zu, wie sie aus ihren "Reimgedichten" lasen. Berger, Jahrgang 1952, lebt in Kelkheim und war Lehrer am dortigen Gymnasium. Er arbeitet auch als Lektor für den Verlag.

Verlegerin Karina Lotz, Jahrgang 1975, stammt aus Gießen, machte ihr Abitur am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium und absolvierte eine Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin in Englisch und Französisch, machte Praktika in den USA und in Frankreich. Sie arbeitet weiter beim Verband der Elektroindustrie ZVEI in Frankfurt. 2015 gründete sie ihren Verlag. "Ich versuche, junge Leute beim Schreiben zu halten", sagt sie, und: "Bei mir ist der Autor nah dran – beide Seiten sollten zufrieden sein."

Dann geht’s rüber ins Büro, wo Lotz die erste Ausgabe des literarischen Journals "Schreibtisch" vorstellt. Zuvor erhalten alle Autoren als kleine Anerkennung auch eine Kaffeetasse mit dem Motiv ihres Werkes darauf. Das Journal, in dem 46 Autoren vertreten sind, erscheint jährlich. Es bietet eine attraktive Vielfalt an Lesestoff: Literarische Texte, diverse lyrische Beiträge, Essays und einige Fundstücke – man kann sehr gut darin herumlesen, und es sieht chic aus.

Ein Schmierfink sorgt für Aufsehen

Dann liest Dana Polz, Jahrgang 1995. Sie ist Lektorin und Assistentin der Verlegerin, lebt bei Bad Orb. Demnächst nimmt sie ihr Studium der Literaturwissenschaft und Judaistik in Frankfurt auf. Sie liest aus ihrem Erstlingsroman "Der Schmierfink": Man hört die Geschichte des Schulbuben Linus, der Ärger kriegt, weil er in den Ranzen eines Klassenkameraden gepinkelt hat. Eine Dame kann’s nicht glauben und erkundigt sich vorsorglich, ob sie das richtig gehört habe? Sie habe, sagt Polz, und blickt sie todernst an. Dann liest sie weiter. Natürlich muss der Junge zum Direktor, auch der hat Fragen, und so weiter. Polz erzählt auktorial, sodass man schnell bemerkt, dass der junge Linus einen richtig erwachsenen Wortschatz und Schreibstil hat; ein Umstand, der Zuhörer und Leser nicht stört.

Denn er hat Formulierungen drauf, die einerseits jugendlich antiautoritär sind und zugleich eine derart ausgeschlafene Wortwahl besitzen, dass man gleichsam mit den Ohren schlackert.

Noch dazu ist Polz ein tolle Vorleserin, was nicht alle Autoren sind – und nicht alle berühmten Schauspieler, die Hörbücher sprechen, übrigens. Hier jedoch stimmt alles, Polz schafft sich richtig rein und macht den Zuhörern einen Riesenspaß.

Nicht, dass Berger und Lotz zuvor keinen Spaß gemacht hätten, im Gegenteil. Sie bewegen sich auf einem Niveau, das inhaltlich anspruchsvoll und sprachlich witzig ist und zuweilen nachdenkliche Momente ermöglicht. Es sind also keine Nonsensreime, sondern Werke, die zugleich Spaß machen und unterhalten sollen und gelegentlich sanft und unaufdringlich erste Momente ergeben. Ein angenehmer Sonntagnachmittag in Lollar. Mehr unter www.edition-federleicht.de.

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