Fachkräftemangel verstärkt sich

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Fachkräfte sind Mangelware – auch in Mittelhessen. "Dieser Mangel wird sich in den nächsten Jahren deutlich verstärken", sagte Professor Jutta Rump am Donnerstag im Bürgerhaus Lollar. Eindringlich zeigte sie zahlreichen Unternehmensvertretern, wie Megatrends, darunter die von vielen gewünschte Work-Life-Balance, zu einer weiteren Verschärfung des angespannten Arbeitsmarkts beitragen.

Fachkräfte sind Mangelware – auch in Mittelhessen. "Dieser Mangel wird sich in den nächsten Jahren deutlich verstärken", sagte Professor Jutta Rump am Donnerstag im Bürgerhaus Lollar. Eindringlich zeigte sie zahlreichen Unternehmensvertretern, wie Megatrends, darunter die von vielen gewünschte Work-Life-Balance, zu einer weiteren Verschärfung des angespannten Arbeitsmarkts beitragen.

Rump gilt als eine der gefragtesten Expertinnen auf diesem Gebiet: Sie berät drei Bundesministerien und ist Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen (IBE).

Die Qualifizierungsoffensiven und Wirtschaftsförderungen der Landkreise Gießen und Marburg-Biedenkopf hatten sich für diese Veranstaltung zusammengeschlossen. "Wir nehmen die Situation sehr ernst", sagte Dr. Manfred Felske-Zech, Leiter der Wirtschaftsförderung Gießen, mit Blick auf eine Untersuchung, die gemeinsam mit einem Zukunftsforscher und einem breiten Verbund von Institutionen zum mittelhessischen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt durchgeführt wurde. Erfreuliches berichtete Frank Hüttemann, Felske-Zechs Pendant aus Marburg: "Die Region ist sehr wirtschaftsstark, zahlreiche Weltmarktführer sind hier angesiedelt." Das Problem aber sei, nur wenige wüssten darum. Daran, so versprachen sowohl Hüttemann als auch Felske-Zech am Donnerstagabend unisono, gelte es zu arbeiten.

Dass die Situation ernst sei, dafür gibt es gute Gründe, wie Rump in ihrem Vortrag hervorhob. Noch sei die Generation der Babyboomer stark in den Betrieben anzufinden. "Doch schon bald droht das Risiko des kollektiven Ausstiegs. In einigen Betrieben wird sich die Belegschaft um ein Drittel reduzieren."

Wichtig für die Betriebe sei es, ihre DNA zu kennen – das, was sie als Arbeitgeber ausmacht: "Welche Möglichkeiten bieten Sie, die Sie attraktiv für Mitarbeiter machen?" Das sei eine der zentralen Fragen, die sich Firmen stellen müssten.

Felske-Zech berichtete beispielsweise von einem regionalen Unternehmen, das vor seinem Standortwechsel die Mitarbeiter fragte, welche Entfernung für sie tragbar sei und diese bei der Gestaltung des Neubaus ebenfalls einbezog. Ein weiteres Beispiel für besondere Familienfreundlichkeit hatte Hüttemann parat. In einem Marburger Betrieb waren 45 Prozent aller, die Elternzeit in Anspruch genommen hatten, Männer.

Ein weiteres Stichwort ist die Digitalisierung: Einige Wissenschaftler rechnen mit einer gewissen Entspannung auf dem Arbeitsmarkt. Für Gießen erwartet Felske-Zech jedoch kaum Arbeitsplatzverluste. Hier seien vor allem Handwerk, der Dienstleistungsbereich und viele kleinere Firmen angesiedelt.

Vor allem diesen kleineren Unternehmen riet Rump, sich auf ihre Werte zu besinnen. "Gerade inhabergeführte Betriebe bieten eine Menge Vorteile, an die große Unternehmen nicht herankommen", sagte die Fachfrau. "In kleinen Betrieben ist vieles möglich, was anderswo nicht geht. Einfach, weil bei Ihnen die Mitarbeiter keine Nummer sind. Sie kennen Ihre Leute. Sie kennen deren Stärken. Nutzen Sie diese Chance und dieses Wissen."

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