In den Hausarztpraxen wird wieder verstärkt geimpft.
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In den Hausarztpraxen wird wieder verstärkt geimpft.

Coronavirus

Corona-Impfungen im Kreis Gießen: So sehen die Hausärzte die Auffrischungen

  • VonConstantin Hoppe
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Seit vergangener Woche empfiehlt die Ständige Impfkommission Auffrischungsimpfungen für Menschen über 70. Wie sehen die hiesigen Hausärzte die Situation? Vom Chaos, wie es im Frühjahr herrschte, sind die Praxen jedenfalls weit entfernt.

Lollar – Die Zahlen aus dem Frühjahr sind Johannes Maykemper noch gut präsent. Mehrere Hundert Corona-Schutzimpfungen waren es, die er und seine Kollegen in der Gemeinschaftspraxis in Lollar pro Woche verabreicht haben. Und jene Zahl hätte noch um ein Vielfaches höher ausfallen können, wenn sie denn nur die Kapazitäten gehabt hätten. Doch der Impfstoff war knapp, und das Personal arbeitete so schon an der Belastungsgrenze.

Es war eine Extremsituation, wie sie in vielen Praxen im Landkreis herrschte. Kein Wunder also, dass Maykemper nun von einer weit entspannteren Gemengelage spricht, wenn es um die Auffrischungsimpfung geht. »Es ist eher unwahrscheinlich, dass sich die Situation, die während der ersten Impfkampagne herrschte, noch einmal wiederholen wird«, sagt er.

Corona-Impfungen im Kreis Gießen: Drittimpfungen lassen sich besser planen

Seit vergangener Woche empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) Auffrischungsimpfungen für Menschen, die älter als 70 Jahre sind. Nach Angaben des Landes Hessen betrifft das im Kreisgebiet rund 40 000 Männer und Frauen. Und anders als im Frühjahr, als das Impfzentrum in Heuchelheim mehr als 1000 Menschen am Tag immunisierte, müssen nach dessen Schließung nun die Hausärzte den Großteil stemmen.

Maykemper sagt, für ihn und seine Kollegen sei das kein Problem. Im Gegensatz zum Frühjahr ist nun genügend Impfstoff vorrätig, und »die ganze Situation hat sich durch die vorhergehende Impfkampagne entzerrt.« Ohnehin empfiehlt die Stiko, dass die Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff frühestens sechs Monate nach Abschluss der Grundimmunisierung erfolgen soll. »So können wir gut vorausplanen«, sagt Maykemper.

30 bis 40 Auffrischungsimpfungen haben sie in der Lollarer Praxis bereits an über 70-Jährige verabreicht. Die Nachfrage sei gut, die Umsetzung machbar. Dass nun gleichzeitig die Grippesaison ansteht, dass viele Menschen auch dagegen geimpft werden wollen? So sei das eben im Herbst, sagt Maykemper. Er empfiehlt die Grippeschutzimpfung ausdrücklich. Und er steht mit der Gelassenheit, die er der gesamten Impflage entgegenbringt, nicht alleine da.

Umfrage bei Hausärzten im Kreis Gießen wegen Auffrischungsimpfung

Alles machbar, auf diesen Nenner kann man das Ergebnis einer kleinen Umfrage zu den anstehenden Corona-Auffrischungsimpfungen unter den Hausärzten im Kreis bringen. Und auch die logistische Hürde - für die Corona-Impfstoffe gibt es eine 14-tägige Vorbestellungsfrist - ist angesichts der Erfahrung aus dem Frühjahr, als nicht sicher war, wer welchen und wie viel Impfstoff bekommt, nicht sonderlich hoch.

Das Gros der hiesigen Hausärzte, auch das ist ein Ergebnis der kleinen Umfrage, befürwortet die Stiko-Empfehlung, doch vereinzelt gibt es auch kritischere Stimmen. Der Busecker Arzt Dr. Ulrich Hentschel etwa sagt: »Ich halte mich für die Empfehlung der Auffrischung für über 70-Jährige etwas zurück.« Natürlich führe er diese durch, wenn ein Patient das wünsche. Anders als bei Grippeschutzimpfungen sei das in seiner Praxis aktuell aber eher selten der Fall. Seine abwartende Haltung begründet Hentschel mit der für ihn unklaren Situation. »Hier werden Empfehlungen ausgesprochen ohne die globale Datenlage richtig abzuwarten«, sagt Hentschel.

Corona-Impfungen im Kreis Gießen: „Die Jugendlichen kommen beim Impfen zu kurz“

Nun ist die Auffrischungsimpfung das eine, ein anderes Problem aber sieht Dr. Günther Stephan, Allgemeinmediziner in Laubach. Die über 70-Jährigen erreiche er gut in seiner Praxis, die Boosterimpfung wird auch angenommen. »Aber die Jugendlichen kommen im Allgemeinen beim Impfen zu kurz«, sagt Stephan. Jugendliche, Impfverweigerer und die Unentschlossenen »werden die Träger der nächsten Welle sein, deshalb sollten wir die, die wir erreichen können, auch impfen«.

Eine exakte Impfquote für den Landkreis gibt es nicht. In Hessen sind laut Robert Koch-Institut aber erst 64,5 Prozent der Menschen vollständig immunisiert. Insbesondere bei der Information von Jugendlichen sieht Stephan noch viel Verbesserungspotenzial. Trotz der Versuche, über die Impfungen aufzuklären, sei das Ergebnis, das er beobachte, überschaubar: »Wir haben zum Beispiel eine Initiative in der Oberstufe des Laubach-Kollegs gestartet. Trotz der Unterstützung der Schulleitung kamen danach nur 30 Schüler zum Impfen.«

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