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Vorweihnachtliche Stimmung auf dem Hof der Schmelz. Foto: vh

Einkehr in Idylle

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Lollar(vh). Fährt man in Salzböden die Talstraße bis zum Ortsende und auf der Kreisstraße das Salzbödetal weiter hinauf in Richtung Reimershausen, dann kommt man zur Schmelz. Mit der "Schmelz" ist eigentlich die Schmelz-Mühle gemeint. Deren Räder stehen seit 1986 still. Der "fünfte" Stadtteil umfasst noch weitere Anwesen, etwa den Cronauer Hof.

"Die Schmelz" kam 1844 in den Besitz der Müllersfamilie Rein. In der Generationenfolge sind heute Herbert und Birgitt Jung an der Reihe. Doch mit deren Töchtern Lisa und Kathrin ist bereits die fünfte Generation mit in der Verantwortung für das Wohl der Gäste. Diese bewirtet man mit Herzblut und Leidenschaft an diesem äußerst idyllisch gelegenen Ort seit 1924, mithin 95 Jahre. Zuerst noch neben der Landwirtschaft als Sommer-Wirtschaft von Katharina und Heinrich Hoß, später im Haupterwerb. Sohn Erwin und seine Frau Anna führten Mühle und Gastwirtschaft weiter, ab 1964 ganztägig. Es wurde ausgebaut, 1986 übernahm Tochter Birgitt Jung die Leitung mit ihrem Mann Herbert.

Rilke im Salzbödetal

Heute ist die Schmelz-Mühle ein beliebtes Ausflugsziel für Radfahrer und Wanderer. Die Küche zeichnet sich aus durch die Verwendung heimischer Produkte. Wenn in den kommenden Wochen dort Wild und Gänse auf den Tisch kommen, dann darf man sicher sein, dass sie aus der Region stammen - kurze Wege eben.

Am Wochenende feierte man das 175-jährige Bestehen dieser Familientradition. An beiden Tagen gab es Livemusik mit Voc & Git (Frank Warnke und Christian Herzberger). Im Außenbereich boten vereinzelte Stände vorweihnachtliche Gaben. An verschiedenen Stationen servierte man kulinarische Kleinigkeiten, es gab Stockbrot zum Selbermachen, frisch gebackenes Bauernbrot und Flammkuchen.

Woher aber kommt der Name Schmelz? Das naussauische Fürstenhaus betrieb dort im Tal der Salzböde wohl ab 1734 eine Einsenverhüttung, eine "Eisen-Schmeltz". Die wurde aber schon wenige Jahre später wieder aufgeben. Gleichwohl klapperte dort die Mühle am rauschenden Bach: Erstmals werden um 1740 die "Mühlen beim Cronauer" urkundlich erwähnt. Ob auch Rainer Maria Rilke im Lokal oder auf dem Hof der Schmelz gesessen und einen Schoppen genossen hat? Der Dichter war in den Jahren 1905 und 1906 jeweils für einige Wochen zu Gast auf dem gar nicht so weit entfernt liegenden Schloss Friedelhausen.

Er weilte auf Einladung der Gräfin Luise von Schwerin im Lahntal. Von Rilke ist überliefert, dass er das Salzbödetal als landschaftlich besonders reizvoll beschrieben hat.

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