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Wie eine Riesenpizza: Das Mandala aus "krummen Dingern".

"Ein Hoch auf krumme Dinger"

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Lollar (vh). Die Verordnung Nr. 1677/88 der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zwängte die ordinäre Salatgurke in menschliche Qualitätsnormen. So führte eine Krümmung von über 20 Millimetern auf zehn Zentimeter Gurkenlänge unbarmherzig zum Ausschuss.

Anja Mohr hat für solcherlei Bürokratismus nur ein müdes Lächeln übrig. Die Professorin am Institut für Kunstpädagogik der Ludwig-Maximilians-Universität München, Kunstpädagogin und nicht zuletzt praktizierende Künstlerin hat eine unverhohlene Lust an krummen Dingern. Das bekräftigt sie mit dem Ausstellungstitel "Wider den Normierungswahn - ein Hoch auf die krummen Dinger".

Mit Lesung und Musik

Mohr findet besonders gelungene Erscheinungsformen von Krummgemüse im ökologischen Landbau. Ihre künstlerische Verarbeitung solcher Findlinge war jetzt kurzfristig im Hof-Café und der Burghalle des Hofguts Friedelhausen ausgestellt.

Alles Krumme, egal ob unterirdisch (Kartoffel) oder oberirdisch (Zucchini), findet sich bei ihr als Fotogramm wieder. Beim Fotogramm werden Gegenstände aller Art durch direkte Belichtung (Tageslicht oder Kunstlicht) von lichtempfindlichem Material wie Fotopapier auf diesem abgebildet. Mohr verfremdet diese Schwarz-Weiß-Abbildungen noch durch kleine zeichnerische Accessoires, etwa einen Sombrero.

Die Ausstellung wurde ergänzt durch allerlei Aktionen. Mohr hat ihre Fotogramme in ein Kinderbuch gestellt, in dem ein Räuber Flocke die gärtnerischen Nahrungsmittel aufspürt. Autorin Lydia Nehring hat die Geschichte zu den Abbildungen erdacht. Kinder sollen von der Gemüsewelt fasziniert sein und natürlich Appetit darauf bekommen.

Mohr gab im Rittersaal eine Leseprobe. Das Duo Poco Piu - Cordula Poos (Harfe) und Markus Reich (Percussion) - machte zusammen mit Hans Kreuzinger (Saxofon, Flöte) harmonische Musik. Die Besucher konnten in Workshops kleine Fotogramme herstellen, ebenso ein gemeinsames Mandala aus Krummgemüse.

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