Im früheren Hinterhof am Abzweig Gießener Straße 23/Löwengasse stand bis 1938 die Synagoge. Auf dem schmalen Grünstreifen soll eine Gedenktafel aufgestellt werden. FOTO: VH
+
Im früheren Hinterhof am Abzweig Gießener Straße 23/Löwengasse stand bis 1938 die Synagoge. Auf dem schmalen Grünstreifen soll eine Gedenktafel aufgestellt werden. FOTO: VH

Diskussion über Text für Gedenktafel

  • vonVolker Heller
    schließen

Lollar(vh). Diesen Februar bereits hatte das Stadtparlament über den Antrag der Grünen-Fraktion entschieden, am Abzweig Löwengasse/Gießener Straße 23 eine Gedenktafel für die in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstörte Synagoge der jüdischen Gemeinde Lollar aufzustellen. Unklar blieb damals die Ausführung dieser Tafel in Material und Text. Im Sozialausschuss wurde jetzt weiter diskutiert. Drei Textvorschläge lagen vor, darin wurden jeweils zwei Aspekte benannt: Baujahr (1848) und Jahr der Zerstörung sowie unterschiedliche Formulierungen als Mahnung.

Markus Wojahn (CDU) teilte mit, er habe ein ausführliches Telefongespräch mit Eliyah Havemann geführt. Der Sohn von Wolf Biermann und Sibylle Havemann konvertierte 2007 zum Judentum und lebt heute in der Nähe von Tel Aviv. Dieser habe ihm davon abgeraten, auf einer Gedenktafel weitere Ismen als Antisemitismus zu verwenden. Der Text solle keine große Botschaft enthalten. Wojahn folgerte, dass etwa die Mahnung vor Fremdenhass eine Art verschwommenen Antisemitismus darstelle. Die Juden damals seine nämlich keine Fremden gewesen, sondern deutsche Bürger.

Der Christdemokrat wünschte sich auf der Tafel nur die Daten der Synagoge (von/bis), den Hinweis auf ihre Zerstörung durch die Nationalsozialisten und, dass die Lollarer das zugelassen hätten. Ausschuss-Vorsitzender Wolfgang Haußmann (Grüne) blieb dabei, es gehöre zusammen, der Vergangenheit zu erinnern und die Verpflichtung für die Zukunft zu mahnen. Er bezog sich auf seinen E-Mail-Verkehr mit den jüdischen Gemeinden in Gießen und Marburg und den Inhalt der Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zum 75. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung.

Wojahn sagte, es habe unterschiedliche Gründe gegeben, weshalb Menschen in Konzentrationslager gekommen seien. Die Zerstörung der Lollarer Synagoge habe spezifisch einen antisemitischen Hintergrund. Das dürfe nicht verwässert werden mit heutigen Problemen. Hartmut Wirth (SPD) baute der CDU eine goldene Brücke. Man solle doch die Abstimmung über den Gedenktext auf die Parlamentssitzung nächste Woche vertagen (3. September). In der Zwischenzeit könne die CDU ja eine vierte Variante einreichen. Haußmann äußerte die Befürchtung, dass man im Falle einer Verschiebung der Abstimmung in diesem Jahr zu keinem Ergebnis mehr käme.

Der Sozialausschuss stimmte mehrheitlich gegen die Verschiebung (drei Ja, vier Nein) und wiederum mehrheitlich für die Vertagung ins Parlament (vier Ja, drei Nein).

Auf dem schmalen Grünstreifen an der Löwengasse soll ein Findling aufgestellt werden. Nun galt es noch, das Material der Gedenktafel festzulegen. Fünf Ausschussmitglieder wählten aus drei Varianten die Ausführung Steintafel mit Textgravur.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare