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Denkmalgeschützter Schatz

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Lollar (kgg). Der "Schatz", nach dem in dieser Woche gesucht wurde, ist die Villa Landsknecht am nördlichen Ausgang von Lollar. Genauer: nahe der Gabelung von Marburger Straße und Staufenberger Weg. Das schmucke Klinkergebäude hat Reinhard Buderus um 1900 erbauen lassen. Der Bauherr war der letzte Blutsverwandte, der um die 20. Jahrhundertwende bei der Firma Buderus im Vorstand tätig war. In ganz Europa hat sich das 1731 gegründete Metallverarbeitungsunternehmen einen Namen gemacht.

Johann Wilhelm Buderus gründete das Familienunternehmen durch Pachtung der Friedrichshütte bei Laubach. Das Holzkohlenhochofenwerk erzeugte Gusswaren und Roheisen zur Weiterverarbeitung.

Bereits seit der Betriebsaufnahme des Eisenwerks im Jahr 1707 waren Herd- und Ofenplatten Teil des Lieferprogramms. Die 1884 gebildete Familienaktiengesellschaft "Buderus’sche Eisenwerke" verkaufte bereits 1891 das Werk Hirzenhain im Vogelsberg an Hugo Buderus.

Mitte der neunziger Jahre wurde auch die Main-Weser-Hütte bei Lollar in die neue Aktiengesellschaft "Eisenwerke Hirzenhain und Lollar" eingebracht, die unter der Führung von Hugo Buderus stand.

Die Herstellung von Heiz- und Kochöfen erfolgte seitdem hauptsächlich in Hirzenhain, während in Lollar im Auftrag von Rudolf Otto Meyer in Hamburg Kesselglieder für Gussheizkessel gegossen wurden. Bevor die Villa Landsknecht errichtet wurde, entstand gegenüber im Jahr 1902 die Arbeitersiedlung "Kolonie", die nach den Plänen der Gießener Architekten Jacob Stein und Hans Meyer errichtet wurde.

Durch die starke Zunahme der Beschäftigten im Buderus-Werk seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert hatte sich die Wohnungsnot unter den Betriebsangehörigen so verschärft, dass die Leitung der Firma nahe des Betriebsgeländes die Werkssiedlung mit zehn Häusern errichten ließ. Jeweils ein Haus an der Marburger Straße und am Buderusweg sind als Reihenhäuser mit je drei Häusern ausgeführt, alle anderen als Doppelhäuser. Sie besitzen für die damalige Zeit geräumige Wohnungen mit Flur, Küche, Wohn- und Schlafzimmer.

Die prächtige Villa Landsknecht dürfte direkt nach der Arbeiterkolonie erbaut worden sein, also etwa ab dem Jahr 1903.

Seit jeher in Privatbesitz

An einer Hausecke ist in eine Nische die farbig gefasste Landsknechtfigur eingestellt. Sie gab der Villa ihren Namen. Allerdings ist sie auch als "Villa Lahnperle" in der Datenbank zur Route der Industriekultur gelistet. Man geht davon aus, dass auch die Architekten Stein und Meyer den historisierenden Klinkerbau oberhalb der Bahnschienen entworfen haben. Das denkmalgeschützte Gebäude ist seit jeher in Privatbesitz - mal bewohnt, mal Gastronomie. Aber es hat auch lange Jahre leer gestanden. In den 1960er und 70er Jahren konnte man dort italienisch essen gehen, ehe es im Jahr 1994 wieder zum Wohnhaus umgebaut wurde. Danach war die Villa ein Zufluchtsort für Kriegsflüchtlinge und Asylbewerber aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Trotz späterer erheblicher Vereinfachung der Dach- und Giebelaufbauten zeigt das Gebäude mit seinem Erkerturm, dem Stufengiebel in Renaissancemanier und dem breiten Treppenhausturm auch heute noch schützenswerten Bestand. Die Villa Landsknecht ist aus künstlerischen und städtebaulichen Gründen Kulturdenkmal.

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