Woher kommen die hohen Corona-Zahlen in Lollar? Der Bürgermeister kritisiert die Informationspolitik des Landkreises Gießen. (Symbolbild)
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Woher kommen die hohen Corona-Zahlen in Lollar? Der Bürgermeister kritisiert die Informationspolitik des Landkreises Gießen. (Symbolbild)

Hohe Corona-Inzidenz

Corona in Lollar: Rätselraten um hohe Zahlen – „In diesem Fall geht Gesundheitsschutz vor Datenschutz“

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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In Lollar steigen die Corona-Fallzahlen derzeit rasant an. Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek spricht sich dafür aus, dass das Gesundheitsamt die Kommunen im Landkreis Gießen umfassender informiert.

  • Die Stadt Lollar ist einer der Corona-Hotspots im Landkreis Gießen.
  • Die Inzidenz in der 10.000-Einwohner Kommune betrug zuletzt 523,8.
  • Bürgermeister Bernd Wieczorek kritisiert im Interview die Informationspolitik des Landkreises.

In Lollar steigen die Corona-Fallzahlen derzeit rasant an, am Dienstagabend verzeichnete das Gesundheitsamt 58 aktive Fälle und eine Inzidenz von 523,8. Woran liegt das? Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek fordert, dass das Gesundheitsamt die Kommunen in Zukunft umfassender informiert. Ohne genauere Angaben zu den Infektionen sei es schwierig, die Behörde zu unterstützen, betont der Rathauschef im Interview.

Herr Dr. Wieczorek, haben Sie eine Erklärung dafür, dass die Corona-Fallzahlen in Lollar aktuell besonders rapide ansteigen?

Eine offensichtliche Erklärung habe ich nicht. Aufgrund des Datenschutzes erhalten wir vom Kreis-Gesundheitsamt keine Informationen darüber, in welchen Stadtteilen die Infizierten leben oder wo die Infektionen stattgefunden haben könnten. Diese Informationen bräuchten wir in der Verwaltung aber, um das Gesundheitsamt besser unterstützen zu können. Wir kennen die Leute vor Ort und könnten Einfluss nehmen.

Können Sie da konkreter werden?

Wenn zum Beispiel ein Elternteil sich angesteckt hat, müsste man dessen Kinder auch in Quarantäne statt in die Kita schicken. Wenn wir aber nur die Fallzahlen haben und nicht wissen, um wen es sich handelt, können wir dem nicht entgegenwirken.

Dr. Bernd Wieczorek Lollarer Bürgermeister

Lollar: Kritik an der Informationspolitik im Landkreis Gießen

Sie wissen also nicht, ob es in Lollar zuletzt größere Ausbrüche gab oder ob es Einzelfälle sind?

Nein, dieses Wissen haben wir nicht. Wir haben kürzlich in der Bürgermeister-Dienstversammlung darüber gesprochen: Wir fordern ein, dass das Gesundheitsamt uns mehr mitteilt. Der Datenschutz ist ein hohes Gut, aber in diesem Fall geht Gesundheitsschutz vor Datenschutz.

Hat das Ordnungsamt in Lollar die Kontrollen noch einmal verstärkt, um auf die Einhaltung der Schutzmaßnahmen zu drängen?

Noch mehr Kontrollen können wir nicht machen. Einiges hat sich bereits erledigt - die Gastronomie ist seit Montag geschlossen, auch einige Gewerbetreibende haben vorerst zu gemacht. Wir werden weiter in großem Umfang kontrollieren. Aber aus meiner Sicht scheinen die Infektionen eher im Privatbereich stattzufinden, und da können wir nicht einfach reingehen. Wir können nur immer wieder appellieren.

Corona in Lollar: Stadt setzt auf mehrsprachige Info-Materialien vom Landkreis Gießen

In Lollar ist der Anteil von Ausländern und Menschen mit Migrationshintergrund im Kreis-Vergleich recht hoch, nicht alle sprechen Deutsch. Wie können Sie sicherstellen, dass in den verschiedenen Communities die aktuellen Auflagen trotzdem bekannt sind?

Vom Landkreis wurde uns in Aussicht gestellt, dass wir Info-Material in verschiedenen Sprachen bekommen, um es zu verteilen. Darauf warten wir noch. Und über das kommunale Beratungszentrum halten wir engen Kontakt zu den Communities, dort werden die Menschen etwa auch auf Bulgarisch oder Türkisch angesprochen. Vielleicht sind es in Lollar auch 69 Deutsche mit positivem Corona-Befund, das weiß ich nicht. Wir versuchen jedenfalls, alle Lollarer anzusprechen.

Wie stark beherrscht die Corona-Situation zurzeit den Alltag im Rathaus?

Momentan fokussiert sich alles auf das Corona-Geschehen. Wir haben viele Anfragen von Gewerbetreibenden und Vereinen, die Unsicherheit ist einfach groß.

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