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Die Band "Flickwerk" des Clubs der toten Dichter mit (v. l.) Reinhardt Repke, Cathrin Pfeifer, Markus Runzheimer und Katharina Franck. Foto: vh

Birnbaum-Ballade als Ribbeck-Rap

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Lollar(vh). Es wanderte einst der Dichter offenbar pausenlos durch die Mark Brandenburg und ersann dabei ausgerechnet die Ballade vom heldenhaften Steuermann John Maynard auf dem amerikanischen Eriesee. Theodor Fontane hatte, wie alle großen Dichter, seinen eigenen Stil. Sein nach einer wahren Begebenheit gesponnenes Epos auf den Seemann, der sein brennendes Schiff nicht im Stich lässt, hallt heute noch nach. Fontane wanderte damals auch am malerischen Ruppiner See vorbei, vielleicht kommt daher seine Verbundenheit zum Wasser. Jedenfalls war es Anlass genug für den in Berlin lebenden Musiker Reinhardt Repke, einige Gedichte und Balladen Fontanes zu vertonen, darunter das über John Maynard. Vor zwölf Jahren hatte Repke den "Club der toten Dichter" gegründet. Wiederum gibt es die Parallele nach Amerika. Man erinnert sich an das Filmdrama dieses Namens mit Robin Williams als Lehrer John Keating. Repkes Plan sieht vor, verstorbene Dichter zu vertonen. Bisher waren das Heine, Busch, Rilke, Schiller und Bukowski. Mit ihm als Komponist, Gitarrist und Sänger wechselte bei jedem Dichter die Besetzung.

Fontane im Mittelpunkt

Die sechste Band-Bestzung namens "Flickwerk" besteht aus der früheren Rainbirds-Frontfrau Katharina Franck (Gesang, Gitarre, Percussion), Cathrin Pfeifer (Akkordeon), Markus Runzheimer (Bass, Percussion) und natürlich Repke selbst. In der Reihe Kirchberg-Forum stellte die Band zu Fontanes 200. Geburtstag ihr Programm "So und nicht anders" vor. Runzheimer, den es nach Berlin gezogen hatte, ist ja in Staufenberg geboren und der Kirche auf dem Ruttershäuser Kirchberg verbunden. Nach zwei Stunden und drei Zugaben gab es im andächtig lauschenden Publikum vermutlich nur noch Fontane-Fans.

Neben der dreiteiligen Maynard-Suite und der in Rap-Manier vertonten Ballade vom Herrn Ribbeck im Havelland - der mit dem Birnbaum - interpretierte das Quartett vieles mehr. Das Wanderthema, gestützt durch üppige Wanderstab-Dekoration, erklang übrigens im Gedicht "An einem Sommermorgen". Wirkungsvoll war der Chorraum der Kirche illuminiert. Manchmal schlenderten die Musiker auch den Hauptgang an den Sitzbänken entlang. Zum Programm gehörten die Gedichte "Auch ein Herzenstrost", "Mein Herz", "Die Alten und die Jungen". Fontanes Erfindung von zusammengesetzten Hauptwörtern, die er oft nur einmal verwendete, hatte ihren Platz: Menschheitsbeglückungsidee oder Künstlerüberheblichkeit. Die Ballade von den Zwei Raben ("Im Walde drüben liegt unbewacht, ein erschlagener Ritter seit heute Nacht") führte zu Fontanes schwarzem Humor. Das Publikum erklatschte sich Zugaben: Der Mond der alte Lauscher, Aug’ in Auge Blicke tauschen und alles still.

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